Inklusive Bibliotheken

Die UN-Behindertenrechtskonvention und Bibliotheken

© Andi Weiland/Gesellschaftsbilder.de

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) und ihre Prinzipien der Barrierefreiheit, Inklusion und Partizipation haben vielfältige Auswirkungen auf die Arbeit von Bibliotheken. Als öffentlich zugängliche Einrichtungen haben Bibliotheken laut Artikel 9 der Konvention eine Verpflichtung zur Umsetzung von Barrierefreiheit. Sie sind zudem prädestinierte Orte für die Realisierung des Rechts auf Zugang zu öffentlicher Information, wie sie Artikel 21 der UN-BRK im Kontext des Rechts auf Meinungsfreiheit fordert. Als Teil des Bildungssystems und Orte lebenslangen Lernens müssen auch Bibliotheken das Recht auf inklusive Bildung laut Artikel 24 der Konvention umsetzen. In Artikel 30 werden sie im Kontext des Rechts auf gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am kulturellen Leben ausdrücklich erwähnt.

„Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen, gleichberechtigt mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen.“

Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, 
Artikel 30

AG Barrierefreiheit in (digitalen) Bibliotheken

© Michel Arriens/www.michelarriens.de

Die UN-BRK sowie weitere nationale und europäische Verordnungen und Richtlinien verpflichten Bibliotheken als öffentliche Einrichtungen, ihre Angebote barrierefrei zu gestalten. Der Vertrag von Marrakesch, der seit dem 01. Januar 2019 auch in Deutschland gilt, ist ein weiterer bedeutender Schritt, um konkrete Angebote für blinde, sehbehinderte oder anderweitig lesebehinderte Personen in Bibliotheken zu schaffen.

Mit den sich daraus ergebenden Herausforderungen und Chancen beschäftigt sich die 2018 von der Institutsbibliothek mitgegründete bundesweite „AG Barrierefreiheit in (digitalen) Bibliotheken“. Die Arbeitsgruppe bietet ein offenes Forum für den Austausch von Informationen sowie konkreten Erfahrungen bei der Umsetzung von Barrierefreiheit. 2020 wurden die AG und ihre Themen in die Kommission „Kundenorientierte Services“ des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) integriert.

Informationen und Veranstaltungen für Bibliotheken

Seit 2015 informiert die Institutsbibliothek in Veranstaltungen, Zeitschriftenbeiträgen und Vorträgen darüber, wie Bibliotheken sich aktiv an der Umsetzung der UN-BRK beteiligen können. Dabei geht es um Themen wie barrierefreie Websites, inklusive Gestaltung von Veranstaltungen, kulturelle Teilhabe und diskriminierungssensible Sprache. Unsere Workshops führen wir in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Selbstorganisationen und Referent_innen aus der Antidiskriminierungsarbeit durch.

Internationale Bibliotheksarbeit

IFLA Weltkonferenz (WLIC) 2018 in Kuala Lumpur, Malaysia „Reaching out to the hard to reach“. © DIMR/Sieberns

Seit 2013 ist die Institutsbibliothek aktives Mitglied in der LSN Sektion des Weltverbands der Bibliotheken (IFLA). LSN steht für „Library Services to People with Special Needs“. Die Sektion setzt sich weltweit für einen barrierefreien und inklusiven Zugang zu Bibliotheken ein, insbesondere für Menschen mit Behinderungen, wohnungslose Menschen, Menschen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Haftanstalten. In international besetzten Arbeitsgruppen werden Leitlinien und Checklisten für die Bibliotheksarbeit mit diesen Zielgruppen entwickelt. Auf den jährlichen Konferenzen der IFLA (World Library and Information Congress, WLIC) informiert die Sektion Bibliotheken aus aller Welt über aktuelle Themen. Ihre Leitlinien und Checklisten sind auf der IFLA Website kostenfrei als PDF abrufbar, einige auch in deutscher Übersetzung.

Ansprechpartner_in

Anne Sieberns

Leiterin der Bibliothek

Telefon: 030 259 359 - 10

E-Mail: sieberns(at)institut-fuer-menschenrechte.de

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