Rohstoffe

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Rohstoffe und Menschenrechte

Rohstoffe wie die Metalle Tantal, Gold und Wolfram sind eine Grundlage industrieller Produktion, und werden zum Beispiel für elektronische Geräte genutzt. Auch fossile Brennstoffe, wie Kohle, sind für Industrienationen bedeutsam. Wie Metalle werden sie oft von transnationalen Unternehmen in Schwellen- oder Entwicklungsländern abgebaut und im Globalen Norden verarbeitet. Einnahmen aus dem Rohstoffabbau sind für viele Länder im Globalen Süden eine zentrale wirtschaftliche Grundlage, gleichzeitig hat der Rohstoffabbau nachteilige Auswirkungen auf die Menschenrechte und die Umwelt.

In einigen Ländern finanziert der Rohstoffhandel bewaffnete Konflikte oder steht in einem Zusammenhang mit diesen, etwa wenn Unternehmen von Zwangsvertreibungen durch die Konfliktparteien profitieren. Daneben geht Rohstoffabbau oft mit weiteren negativen menschenrechtlichen Auswirkungen einher: Kinderarbeit, Verschmutzung von Land- und Wasserressourcen, die Verletzung von Arbeits- und Gewerkschaftsrechten sowie Gewalt privater Sicherheitsfirmen gegenüber Arbeiter_innen und der lokalen Bevölkerung sind häufig.

Verschiedene Regierungs- und Unternehmensinitiativen versuchen diese Auswirkungen zu verhindern oder zu vermindern. Im Conflict-Free Smelter Program haben sich mehr als 200 Unternehmen zusammengeschlossen, um "konfliktfreie" Schmelzen (Metallhütten) zu identifizieren. In den USA verlangt ein Gesetz, der Dodd-Frank Act (2010), von allen an der New Yorker Börse gelisteten US-amerikanischen Firmen eine Offenlegung ihrer Lieferketten, sofern sich "Konfliktmineralien" aus der Demokratischen Republik Kongo in ihren Produkten befinden. Auf EU-Ebene tritt 2021 eine Verordnung in Kraft, die die Finanzierung von Konflikten sowie Menschenrechtsverletzungen durch Mineralienhandel verhindern soll.

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Was macht das Institut?

Deutschland und Kolumbien sind über die Kohlelieferkette eng verbunden: Die deutsche Energiewirtschaft bezieht erhebliche Mengen Steinkohle aus Kolumbien. Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat daher zusammen mit der Nationalen Menschenrechtsinstitution Kolumbiens, der Defensoría del Pueblo, einige der direkten und indirekten Auswirkungen des Kohleabbaus auf die Menschenrechte in Kolumbien näher untersucht. Daneben standen folgende Fragen im Mittelpunkt der Kooperation: Wie können die beiden Nationalen Menschenrechtsinstitutionen dazu beitragen, dass Unternehmen auf beiden Seiten der Lieferkette ihrer menschenrechtlichen Achtungsverantwortung nachkommen? Wie bewegen sie ihre jeweiligen Regierungen zu Maßnahmen, die die Betroffenen effektiv schützen? Das Forschungsvorhaben wurde zwischen 2015 bis 2017 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt. Die wesentlichen Empfehlungen des Vorhabens (PDF, 217 KB) diskutierte das Institut mit Unternehmen und Zivilgesellschaft im September 2017 auf einem Fachgespräch.

Information: Closing protection gaps in the human rights and business context - What transnational cooperation between the National Human Rights Institutions of Germany and Colombia has achieved.
Die Information zeigt, dass und wie NMRI-Kooperation entlang globaler Lieferketten einen wichtigen Impuls zur Stärkung der jeweiligen Strategie und der notwendigen Kapazitäten zur effektiven Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte liefern kann, damit Staaten ihre Schutzpflichten besser erfüllen und Unternehmen ihre menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten einhalten.

Analyse: Schutzlücken schließen - Transnationale Zusammenarbeit zu Menschenrechten am Beispiel Kohleabbau in Kolumbien.  
Die Analyse enthält die wesentlichen Ergebnisse und Empfehlungen des Forschungsvorhabens dar und liegt auch auf Englisch und Spanisch vor.

Analyse: Das kalkulierte Risiko - Ökonomische versus menschenrechtliche Anforderungen an eine unternehmerische Risikoanalyse.
Mit Rückgriff auf die "Portfolio-Theorie" von Harry Markowitz arbeitet die Analyse diese Unvereinbarkeit zwischen ökonomischen und unternehmerischen Risikobegriffen am Beispiel einer unternehmerischen Risikoanalyse im kolumbianischen Kohlesektor heraus. Die Analyse liegt auch auf Englisch und Spanisch vor.

Dokumentierte Fallbeispiele menschenrechtlicher Probleme im kolumbianischen Bergbau finden sich in dieser Tabelle (PDF, 571 KB, nicht barrierefrei).

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Kontakt

Jan-Christian Niebank
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Textilsektor, öffentliche Beschaffung, Wirtschaft und EZ
Tel.: 030 25 93 59 - 243
E-Mail: niebank(at)institut-fuer-menschenrechte.de

Deniz Utlu
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Rohstoffsektor, Human Rights Impact Assessments, Wirtschaftspolitik
Tel.: 030 25 93 59 - 469
E-Mail: utlu(at)institut-fuer-menschenrechte.de