Recherche-Stipendium 2020

Informationen zum Recherchestipendium „Sinti_zze und Rom_nja in Deutschland“

Das Deutsche Institut für Menschenrechte schreibt im September 2020 das Recherche-Stipendium „Sinti_zze und Rom_nja in Deutschland„ aus. Das Institut will mit der Vergabe des Stipendiums Journalist_innen anregen, das Thema aus menschenrechtlicher Perspektive zu bearbeiten. Das Projekt wird von RomaniPhen unterstützt und von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft„ gefördert.

1 Thema

Seit Jahrhunderten wurden Sinti_zze und Rom_nja in ganz Europa diskriminiert oder teilweise sogar systematisch verfolgt. So fielen schätzungsweise 500.000 Menschen dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer. Das Ende des NS-Regimes stoppte zwar den Genozid, jedoch nicht den Rassismus gegen Sinti_zze und Rom_nja. In der Bundesrepublik Deutschland wurden Mitglieder der Community nach wie vor mit rassistischen Zuschreibungen bedacht und gesellschaftlich ausgegrenzt sowie behördlich schikaniert.

Rassismus gegen Sinti_zze und Rom_nja ist weiterhin fester Bestandteil dieser Gesellschaft und ihrer Strukturen, Institutionen und Medien. Dabei prägen diskriminierende öffentliche Images über Sinti_zze und Rom_nja den konkreten Umgang mit den Betroffenen und führen zu struktureller und institutioneller Diskriminierung sowie alltäglichen Rassismuserfahrungen.

Rom_nja und Sinti_zze werden trotz beginnender Veränderungen weiterhin nicht nur rassistisch beschrieben, sondern auch überwiegend als homogene Gruppe dargestellt. Die verschiedenen historischen, politischen, sozialen, aufenthaltsrechtlichen und anderen Unterschiede werden nur unzureichend berücksichtigt. Hier besteht Bedarf, heterogene, komplexe und vielfältige Realitäten der Menschen wahrzunehmen, um Rom_nja und Sinti_zze als anerkannte Mitglieder der Gesellschaft wahrnehmbar zu machen.

Um dieses Ziel zu erreichen, schreiben das Deutsche Institut für Menschenrechte und RomaniPhen ein Recherche-Stipendium aus, um rassismuskritisches Schreiben im Journalismus zu befördern. Das Stipendium soll Journalist_innen anregen, sich mit den vielfältigen Communities der Sint_zze und Rom_nja in Deutschland aus menschenrechtlicher, diskriminierungskritischer und partizipativ-empowernder Perspektive auseinanderzusetzen. Damit zielt das Projekt auf die Förderung von heterogenen, präziseren und komplexeren Darstellungen von gesellschaftlichen Lebensrealitäten und Beiträgen von Rom_nja und Sinti_zze.

Die Bewerbung von Sinti_zze und Rom_nja wird besonders begrüßt.

2 Recherche

Ziel des Recherche-Stipendiums ist es, rassismuskritisches Schreiben im Journalismus zu fördern und eine besondere Sensibilität gegenüber Sinti_zze und Rom_nja bezogenen Themen zu schaffen, da diese bislang häufig fehlerhaft oder diskriminierend dargestellt werden. Das Stipendium ermöglicht den Journalist_innen eine fundierte und menschenrechtlich qualifizierte Berichterstattung.

3 Recherche-Stipendium

Das Recherche-Stipendium des Deutschen Instituts für Menschenrechte richtet sich an alle (Nachwuchs)Journalist_innen, die zum Thema Sint_izze und Rom_nja in Deutschland arbeiten möchten. Das Projekt wird durch die Stiftung EVZ gefördert und ist Teil einer umfassenden Kooperation mit RomaniPhen.

Prämiert werden herausragende Recherchekonzepte für journalistische Beiträge. Ein Betrag in der Höhe von 1 500 Euro soll es den Stipendiat_innen ermöglichen, frei von Akquise- und Gelddruck zu recherchieren. Der Betrag wird nach Fertigstellung des Beitrags ausgezahlt. Die Veröffentlichung kann gedruckt, online (gerne auch als Videoformat) oder im Hörfunk erfolgen.

Insgesamt werden sechs Stipendien vergeben, über deren Vergabe eine unabhängige Medien-Jury entscheidet.

4 Voraussetzungen

Um die Stipendien können sich Journalist_innen aus den Bereichen Print, Online und Hörfunk bewerben, die zum Thema Sint_izze und Rom_nja recherchieren und arbeiten wollen. Angesprochen sind Journalist_innen, die in Deutschland leben und arbeiten sowie in deutschsprachigen Medien publizieren. Bewerben können sich nur natürliche Personen (keine Firmen, Redaktionen, Medien usw.).

Die Teilnahme an einem zweitägigen Seminar zum Thema des Recherche-Stipendiums in Berlin ist ausdrücklich erwünscht. Dieses Seminar soll die Stipendiat_innen thematisch und menschenrechtlich sensibilisieren und ihnen Hilfestellungen im rassismuskritischen Schreiben geben. Zudem bietet das Treffen Vernetzungsmöglichkeiten und Raum, sich über die jeweiligen Rechercheprojekte auszutauschen. Die Kosten für Anreise und Übernachtung werden übernommen. Das Seminar findet an einem Wochenende im Januar statt, voraussichtlich am 22./23. Januar. Sollte aufgrund der Corona-Pandemie eine Präsenzveranstaltung nicht möglich sein, so wird das Seminar digital stattfinden.

Nach der Ankündigung und dem Bewerbungsstart haben die Interessent_innen zehn Wochen Zeit, um ihr Recherchekonzept einzureichen. Die Jury wählt spätestens sechs Wochen nach Fristende die Stipendiat_innen aus. Im Anschluss an das Vorbereitungsseminar haben die Stipendiat_innen vier Monate Zeit, um ihren fertigen Beitrag einzureichen.

5 Bewerbung

Die Bewerbungsfrist für das Recherche-Stipendium läuft bis zum 23. November 2020.

Der Bewerbung sind beizufügen:

  • ein kurzes Anschreiben, in dem Sie Ihr Interesse am Thema begründen,
  • das ausgefüllte Bewerbungsformular,
  • ein aussagekräftiger tabellarischer Lebenslauf,
  • ein am Thema orientiertes Recherchekonzept (maximal 2 DIN-A4-Seiten),
  • zwei veröffentlichte Beiträge aus den letzten beiden Jahren sowie eine Liste aller Veröffentlichungen der letzten beiden Jahre (2019/2020),
  • eine Interessensbekundung eines Mediums an der Veröffentlichung des Artikels/Beitrags.

Bitte benutzen Sie unser Online-Bewerbungsformular.

6 Zeitablauf

  • Bewerbungsfrist: 23. November 2020.
  • Benennung der Stipendiat_innen: Voraussichtlich am 21. Dezember 2020.
  • Seminar (zwei Tage) zum Thema des Recherche-Stipendiums in Berlin oder digital: Voraussichtlich am 22./23. Januar 2021.
  • Frist für fertige Beiträge: 15. Mai 2021.

7 Jury

Eine Jury mit sechs Juror_innen bestehend aus Journalist_innen aus den Bereichen Print, Online und Hörfunk sowie Vertreter_innen von Sinti_zze und Rom_nja-Gruppen bewertet die eingereichten Konzepte. Die Medien-Jury besteht aus:

  • Gilda Horvath, Lovara Roma
  • Prof. Dr. Elizabeta Jonuz, Universität zu Köln + Hochschule Hannover
  • Mohamed Amjahid, freier Autor
  • Sabine Seifert, taz
  • Friederike Sittler, Deutschlandfunk Kultur
  • Roxie Thiele-Dogan, IniRromnja

8 Dokumentation der Beiträge

Eine barrierefreie Online-Dokumentation der fertigen Beiträge ist vorgesehen.

9 Informationen über das Deutsche Institut für Menschenrechte

Das Deutsche Institut für Menschenrechte ist die unabhängige Nationale Menschenrechtsinstitution Deutschlands. Es ist gemäß den Pariser Prinzipien der Vereinten Nationen akkreditiert (A-Status). Zu den Aufgaben des Instituts gehören Politikberatung, Menschenrechtsbildung, Information und Dokumentation, anwendungsorientierte Forschung zu menschenrechtlichen Themen sowie die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen. Es wird vom Deutschen Bundestag finanziert. Das Institut ist zudem mit dem Monitoring der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und der UN-Kinderrechtskonvention betraut worden und hat hierfür entsprechende Monitoring-Stellen eingerichtet.

Ansprechpartner_in

Tobias Stelzer

Sachbearbeiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: 030 259 359 - 13

E-Mail: stelzer(at)institut-fuer-menschenrechte.de

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