Pressemitteilung: Tagung: Vielfalt leben – Gleichheit herstellen – Antidiskriminierungskultur in Deutschland

Servicenavigation

Sie befinden sich hier: Presse >  Pressemitteilung: Tagung: Vielfalt leben – Gleichheit herstellen – Antidiskriminierungskultur in Deutschland

Pressemitteilungen

Pressemitteilung: Tagung: Vielfalt leben – Gleichheit herstellen – Antidiskriminierungskultur in Deutschland

Hamburg - Am 10.11.2010 findet im ZAF (Zentrum für Aus- und Fortbildung Hamburg, Normannenweg 26, 20537 Hamburg) die Fachtagung "Vielfalt leben, Gleichheit herstellen" statt. Veranstalter dieser Tagung sind die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, das Deutsche Institut für Menschenrechte sowie die Arbeitsstelle Vielfalt der Justizbehörde Hamburg.

Ziel der Tagung ist die Etablierung einer Antidiskriminierungskultur in Deutschland. Seit 2006 verbessert das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) die gesetzlichen Grundlagen für den Schutz vor Diskriminierungen. Um wirksam an der Umsetzung der gesetzlichen Diskriminierungsverbote zu arbeiten, bedarf es der verstärkten Aufklärung von Betroffenen und der Vernetzung der bestehenden Anti-Diskriminierungsstellen.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, kündigte auf der Tagung für das kommende Jahr eine "Offensive für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft" an. Dazu zähle auch die Gründung von Antidiskriminierungs-Netzwerken in ganz Deutschland, mit denen passgenaue Hilfe bei Diskriminierung erreicht werden solle.

Lüders betonte: "Dringend nötig ist, dass von Diskriminierung Betroffene möglichst wohnort-nah Beratung und Unterstützung erhalten. Um diesem Ziel näher zu kommen, werden wir im nächsten Jahr Fördergelder für die Vernetzung von Beratungsstellen zur Verfügung stellen." Lüders fügte hinzu: "Nötig sind aber nicht nur mehr und besser miteinander vernetzte Stel-len, sondern vor allem Rahmenbedingungen, die eine qualitativ gute und nachhaltige Antidiskriminierungsarbeit ermöglichen. Dafür werbe ich intensiv auf politischer Ebene in Bund, Ländern und Kommunen."

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes war mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbe-handlungsgesetzes (AGG) im August 2006 errichtet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. Weitere Informationen unter www.antidiskriminierungsstelle.de

Prof. Dr. Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, erklärte: "Betroffene von Diskriminierung müssen ihre Rechte kennen und sich effektiv gegen Diskriminierungen wehren können." Gerade gegen Formen indirekter und struktureller Diskriminierung sei jedoch das Individualrecht unzureichend. "Für einen effektiven Rechtsschutz ist das Verbandsklagerecht für Antidiskriminierungsverbände und eine entsprechende Änderung im deutschen Antidiskriminierungsrecht von Nöten", so die Menschenrechtsexpertin weiter. Bund, Länder und Kommunen stünden in der Pflicht, den Zugang zum Recht für Betroffene von Diskriminierung durch geeignete Maßnahmen zu gewährleisten. Dem Aufbau von staatlichen wie nicht-staatlichen Antidiskriminierungsstellen solle Priorität beigemessen werden.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) trägt durch angewandte Forschung, Politikberatung, Fachgespräche, Konferenzen sowie Menschenrechtsbildung zum Schutz und zur Förderung der Menschenrechte bei. Das Institut führt derzeit das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf drei Jahre (bis 2011) geförderte Projekt "Diskriminierungsschutz: Handlungskompetenz für Verbände" durch, das die Rechtskenntnis, Anwendung und Mobilisierung von Antidiskriminierungsrecht insbesondere durch Verbände erhöhen soll. Website: www.institut-fuer-menschenrechte.de

Dr. Till Steffen. Justizsenator der Freien und Hansestadt Hamburg: "Zur Etablierung einer Antidiskriminierungskultur in Deutschland ist es noch ein weiter Weg. Als Justizbehörde tragen wir hierzu bei: einerseits durch die konkrete Arbeit der Arbeitsstelle Vielfalt in Einzelfällen, andererseits mit der Erarbeitung von Gesetzesinitiativen zur Geschlechterquote in Führungspositionen, der Entwicklung eines Landesprogrammes zur Bekämpfung des Rechtsextremismus , um nur Einige zu nennen. Die Veränderung diskriminierender Strukturen kann jedoch niemand alleine bewirken: Notwendig ist der Zusammenschluss und die fachliche Kooperation aller Institutionen und Personen, die im Bereich der Bekämpfung von Diskriminierung wirken. Beispielhaft konnten wir mit der Dehoga in Hamburg eine Vereinbarung zum diskriminierungsfreien Zugang zu Diskotheken entwickeln. Mit dieser Tagung wollen wir einen weiteren Beitrag leisten, Vielfalt als Chance für unsere Gesellschaft zu begreifen."

Die Arbeitsstelle Vielfalt der Justizbehörde Hamburg berät den Senat, die Bürgerschaft und die Verwaltung beim Abbau struktureller Diskriminierungen. Sie bietet außerdem denjenigen, die persönlicher Diskriminierung ausgesetzt sind, Information und Beratung zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Außerdem setzt sie sich ein für mehr Geschlechtergerechtigkeit, kulturelle Vielfalt und für die Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus.

Birte Weiß vom Verein basis & woge e. V. stellte Diskriminierungsfälle aus ihrer Beratung in Hamburg vor und erläuterte zentrale Standards qualifizierter Antidiskriminierungsberatung, die vom Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) entwickelt wurden. "Diskriminierung gehört noch allzu oft zum Alltag vieler Menschen. Um dies zu ändern, bedarf es eines klaren politischen Willens sowie umfassender und professioneller Unterstützungsangebote. Ein Netz nichtstaatlicher Anlauf- und Beratungsstellen für professionelle Antidiskriminierungsberatung ist hier von zentraler Bedeutung. Als nicht-staatliche Stellen genießen diese Stellen das Vertrauen der Betroffenen und verfügen über die nötige Unabhängigkeit, um zu unterstützen und angemessen im Sinne der Betroffenen zu intervenieren."

basis & woge e. V. bietet seit 2008 unabhängige qualifizierte Antidiskriminierungsberatung an und ist Gründungsmitglied des Antidiskriminierungsverbands Deutschland (advd). 80 Fälle aus Hamburg der Jahren 2008 und 2009 wurden systematisch ausgewertet und zeigen den  Bedarf der Beratung sowie Art und Lebensbereiche der Diskriminierungsbeschwerden auf.

Die Pressemitteilung als PDF (37 KB, nicht barrierefrei)