Datenbank für Menschenrechte und Behinderungen

Sonderberichterstatterin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (2019): Ältere Menschen mit Behinderungen

Bericht der Sonderberichterstatterin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (2019): Bericht zur Situation älterer Menschen mit Behinderungen, A/74/186

 I. Einleitung

Special Rapporteur on the rights of persons with disabilities (2019): Report on the situation of older persons with disabilities, A/74/186

 I. Introduction

1. Dieser Bericht soll die unterschiedlichen Herausforderungen unterstreichen, denen sich ältere Menschen mit Behinderungen dabei gegenübersehen, ihre Menschenrechte und Grundfreiheiten gleichberechtigt mit anderen zu genießen, und er soll den Staaten eine Anleitung dafür geben, wie sie ihre bestehenden Verpflichtungen gegenüber älteren Menschen mit Behinderungen auf eine auf Rechte gestützte Weise und unter besonderer Beachtung der Überschneidungen zwischen Altern und Behinderung einhalten können. Die in dem Bericht aufgezeigten internationalen Menschenrechtsstandards beruhen auf früheren Empfehlungen der Menschenrechtsmechanismen der Vereinten Nationen, einschließlich der Vertragsorgane und der Sonderverfahren.

1. The present report underscores the various challenges faced by older persons with disabilities in the enjoyment of their human rights and fundamental freedoms on an equal basis with others, and provides guidance to States on how to implement their existing obligations towards older persons with disabilities in a rights-based manner, paying particular attention to the intersection between ageing and disability. The international human rights standards presented in the report build on previous recommendations by the United Nations human rights mechanisms, including treaty bodies and special procedures.

2. Zur Erstellung dieses Berichts analysierte die Sonderberichterstatterin 96 Antworten auf einen Fragebogen, der an Mitgliedstaaten, nationale Menschenrechtsinstitutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen, einschließlich Organisationen von Menschen mit Behinderungen, ging.¹ Zudem organisierte sie 2017 gemeinsam mit der Unabhängigen Expertin für den Genuss aller Menschenrechte durch ältere Menschen eine Expertenanhörung in New York, an der Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen der Vereinten Nationen, Organisationen von Menschen mit Behinderungen, Organisationen älterer Menschen sowie von Hochschulen teilnahmen.

¹ Siehe www.ohchr.org/EN/Issues/Disability/SRDisabilities/Pages/SupportingTheAutonomyOlderPersons.aspx.

2. In preparing her report, the Special Rapporteur analysed 96 responses to a questionnaire sent to Member States, national human rights institutions and civil society organizations, including organizations of persons with disabilities.¹ In 2017, she also organized, together with the Independent Expert on the enjoyment of all human rights by older persons, an expert consultation with representatives of United Nations agencies, organizations of persons with disabilities, organizations of older persons and academics in New York.

¹ See www.ohchr.org/EN/Issues/Disability/SRDisabilities/Pages/SupportingTheAutonomyOlder Persons.aspx.

II. Die Überschneidungen zwischen Altern und Behinderung

3. Die Weltbevölkerung altert. Der Anteil der Menschen, die 60 Jahre alt oder älter sind, wächst jährlich um etwa 3 Prozent.² Prognosen zufolge wird der Anteil der über 60Jährigen von 12 Prozent im Jahr 2015 bis zum Jahr 2050 auf 21 Prozent steigen.³ Nicht nur Länder mit hohem Einkommen sind von diesem Phänomen betroffen, sondern der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt in fast allen Ländern der Welt. In der Tat schreitet die Bevölkerungsalterung in Ländern mit niedrigem Einkommen sogar weitaus schneller voran als in Ländern mit mittlerem bis hohem Einkommen. Da Frauen in der Regel länger leben als Männer, sind sie in der älteren Bevölkerungsgruppe insgesamt und besonders in der Gruppe der Menschen ab 80 überproportional vertreten.⁴

² United Nations, Department of Economic and Social Affairs, World Population Prospects: The 2017 Revision, Key Findings and Advance Tables, Arbeitspapier Nr. ESA/P/WP/248 (2017).

³ Promoting Inclusion through Social Protection: Report on the World Social Situation 2018 (United Nations publication, Sales No. E.17.IV.2), S. 47.

⁴ Ebd., S. 48.

II. The intersection between ageing and disability

3. The world’s population is ageing. The population aged 60 years or above is growing at a rate of about 3 per cent per year.² The proportion of people over the age of 60 years is expected to increase from 12 per cent in 2015 to 21 per cent by 2050.³ This phenomenon is not exclusive to high-income countries; almost every country in the world is experiencing growth in the proportion of older persons in the population. In fact, population ageing in low-income countries occurs at a much faster pace than in medium- to high-income countries. Women tend to live longer than men and are therefore overrepresented in the older population in general and especially among those aged 80 years or above.⁴


² United Nations, Department of Economic and Social Affairs, World Population Prospects: The 2017 Revision, Key Findings and Advance Tables, Working Paper No. ESA/P/WP/248 (2017). 

³ Promoting Inclusion through Social Protection: Report on the World Social Situation 2018 (United Nations publication, Sales No. E.17.IV.2), p. 47. 

⁴ Ibid., p. 48.

4. Eine längere Lebensdauer geht mit dem vermehrten Auftreten chronischer Krankheiten und körperlicher und kognitiver Beeinträchtigungen einher, die in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren zu Behinderungen führen können. Des Weiteren leben viele Menschen mit Behinderungen dank technologischer und medizinischer Fortschritte und sozioökonomischer Entwicklungen länger. Dies führt dazu, dass mehr als 46 Prozent der älteren Menschen weltweit mit einer Beeinträchtigung leben (250 Millionen mit einer mittelschweren bis schweren Beeinträchtigung) und ältere Menschen die Mehrheit der Gesamtpopulation der Menschen mit Behinderungen stellen.⁵ Da sich die Zahl der über 80 Jährigen bis 2050 voraussichtlich mehr als verdreifachen wird, liegt der Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsalterung und dem wachsenden Anteil von Menschen mit Behinderungen auf der Hand.

⁵ Ebd.; und Mark Priestley und Parvaneh Rabiee, „Same difference? Older people’s organisations and
disability issues“, Disability & Society, Vol. 17, Nr. 6 (2002), S. 597–611.

4. A longer lifespan is associated with an increased prevalence of chronic diseases and physical and cognitive impairments, which in interaction with various barriers may result in disabilities. In addition, thanks to technological and medical advancements, as well as socioeconomic developments, many persons with disabilities live longer. As a result, more than 46 per cent of older persons worldwide have an impairment (250 million experience moderate to severe impairments), and older persons represent the majority of the overall population of persons with disabilities.⁵ Given that the number of persons over the age of 80 years is expected to more than triple by 2050, the correlation between the ageing population and increased rates of disability is very clear.


⁵ Ibid.; and Mark Priestley and Parvaneh Rabiee, “Same difference? Older people’s organisations and disability issues”, Disability & Society, vol. 17, No. 6 (2002), pp. 597–611.

5. Mit dem Altern der Weltbevölkerung sind die Rechte älterer Menschen stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und ist das Angebot an Produkten und Dienstleistungen für ältere Menschen gewachsen. Dies wiederum hat positive Auswirkungen für die Sache der Menschen mit Behinderungen. So hat die Verbrauchernachfrage älterer Menschen zu einem höheren Angebot an erschwinglichen barrierefreien Dienstleistungen und Produkten und zu Neuentwicklungen im Bereich der unterstützenden Geräte und Technologien geführt und zur Normalisierung ihrer Verwendung beigetragen. Die systematische Berücksichtigung der Anliegen älterer Menschen hat auch Themen wie Sexualität und Inkontinenz ins Licht gerückt, die in Bezug auf Menschen mit Behinderungen noch immer als Tabuthemen angesehen werden, und hat so dazu beigetragen, Fehlvorstellungen und Stigmatisierung in diesen Bereichen abzubauen.

5. The ageing of the world’s populations has brought increased attention to the rights of older persons and led to the growth of the older persons’ market, which in turn has had a positive impact on the disability agenda. For example, the consumer demand from older persons has resulted in an increase in the availability and affordability of accessible services and products, as well as new developments in assistive devices and technologies, which in turn has contributed to normalizing their use. The mainstreaming of the older persons’ agenda has also shed light on issues still considered taboo for persons with disabilities, such as sexuality and incontinence, contributing to reduced misconceptions and stigma about those issues.

6. Das Alter, in dem Menschen eine Behinderung erwerben, beeinflusst ihr Identitätsgefühl ebenso wie ihre Wahrnehmung durch die Gesellschaft. Tritt eine Beeinträchtigung im fortgeschritteneren Alter auf, identifizieren sich die Betroffenen selten als Menschen mit Behinderungen, sondern betrachten die Abnahme ihrer körperlichen und kognitiven Fähigkeiten eher als „normalen“ Teil des Älterwerdens. Für diejenigen, die ihre Beeinträchtigung in jüngeren Jahren erworben haben und seither damit leben, ist ihre Identität als älterer Mensch sekundär. Daher haben sie womöglich ganz andere Erwartungen an das Altern. Diese Individualität der Erfahrungen und Wahrnehmungen zeigt sich auch in den unterschiedlichen Ansätzen, die die Gemeinschaft der Menschen mit Behinderungen und die der älteren Menschen im Hinblick auf Überschneidungen zwischen Altern und Behinderung verfolgen. Obwohl sich der Austausch zwischen den beiden Bewegungen verstärkt hat, gehen sie die Situation älterer Menschen mit Behinderungen nach wie vor unterschiedlich an: Während die Behindertenrechtsbewegung oft nicht angemessen auf die Interessen und Herausforderungen älterer Menschen eingeht, wird das menschenrechtsbasierte Konzept von Behinderung von der Bewegung für die Rechte älterer Menschen häufig nicht verstanden und angewandt. Daher haben ältere Menschen mit Behinderungen häufig das Nachsehen.

6. The age at which people experience disability influences their sense of identity as well as societal perceptions of them. Those who acquire impairments when older seldom self-identify as persons with disabilities and are more likely to perceive the decline of their physical and cognitive functioning as a “normal” part of ageing. For people who acquired impairments earlier in life and have grown old, older age is a secondary identity; they may therefore have very different expectations about older age. These distinct individual experiences and perceptions are also reflected in the ways in which the disability and the ageing communities address the intersection between ageing and disability. Although both movements are beginning to have increased exchanges, in general they continue to address the situation of older persons with disabilities differently: while the disability rights community often does not adequately reflect the interests and challenges faced by older persons, the older persons’ movement often fails to understand and apply the human rights-based approach to disability. Consequently, older persons with disabilities frequently fall through the cracks.

7. Obwohl Alters- und Behindertendiskriminierung gemeinsame Ursachen und Folgen haben, ist die Ungleichheit im höheren Alter nicht nur auf Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen zurückzuführen. Altersdiskriminierung – Stereotypisierung, Vorurteile und Diskriminierung in Bezug auf ältere Menschen und höheres Alter – ist eine separate Form der Unterdrückung, von der ältere Menschen, einschließlich älterer Menschen mit Behinderungen, betroffen sind. Ältere Menschen werden oft als Last, als abhängig, unproduktiv, unwürdig oder hilflos wahrgenommen.⁶ Während Behinderung zunehmend als soziales Konstrukt verstanden wird, gelten durch das Altern bedingte Ungleichheiten überwiegend als „natürlich“ oder „unausweichlich“. Daher werden ältere Menschen mit Behinderungen nicht nur aufgrund ihrer Behinderung diskriminiert und benachteiligt, sondern auch aufgrund der Stereotypisierung älterer Menschen. Während manche Barrieren, denen sich jüngere Menschen mit Behinderungen gegenübersehen, im fortgeschrittenen Alter weiterbestehen oder sich unter Umständen verschlimmern, begegnen Menschen, die in höherem Alter eine Behinderung erwerben, womöglich zum ersten Mal diesen Barrieren, die durch altersbedingte Barrieren zusätzlich verschärft werden.⁷

⁶ Ania Zbyszewska, „An intersectional approach to age discrimination in the European Union: bridging dignity and distribution“, in Discrimination and Labour Law: Comparative and Conceptual Perspectives in the EU and Beyond, Mia Ronnmar und Ann Numhauser-Henning, Hrsg. (Kluwer, 2015), S. 141–163.

⁷ Age Reference Group on Equality and Human Rights, „Age and … multiple discrimination and older people“, Diskussionspapier, Oktober 2005. Auf Englisch verfügbar unter www.ageuk.org.uk/Documents/en-GB/For-professionals/Research/Age%20and%20Multiple%20Discrimination%20(2005)_pro.pdf.

7. Although ageism and ableism share common roots and consequences, inequality in older age is not the mere result of ableist biases. Ageism – the stereotyping of, and prejudice and discrimination towards, older people and older age – is a distinct form of oppression that affects older persons, including older persons with disabilities. Older persons are often perceived as a burden, dependent, unproductive, undeserving or helpless.⁶  While disability is increasingly understood as a social construct, inequalities due to old age are predominantly seen as “natural” or “inevitable”. Therefore, older persons with disabilities are discriminated against and disadvantaged not just because they have a disability, but also because of stereotypes about older people. While some of the barriers that persons with disabilities experience earlier in their lives remain the same or may be exacerbated by older age, those who acquire a disability later in life may be facing those barriers for the first time, and such barriers are also compounded by age-related barriers.⁷

⁶ Ania Zbyszewska, “An intersectional approach to age discrimination in the European Union: bridging dignity and distribution”, in Discrimination and Labour Law: Comparative and Conceptual Perspectives in the EU and Beyond, Mia Ronnmar and Ann Numhauser-Henning, eds. (Kluwer, 2015), pp. 141–163.  

⁷ Age Reference Group on Equality and Human Rights, “Age and … multiple discrimination and older people”, discussion paper, October 2005. Available at www.ageuk.org.uk/Documents/enGB/For-professionals/Research/Age%20and%20Multiple%20Discrimination%20(2005)_pro.pdf? dtrk=true

8. Aufgrund der Überschneidungen zwischen Altern und Behinderung sind ältere Menschen mit Behinderungen sowohl verschärften Formen der Diskriminierung als auch spezifischen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Sie erfahren in höherem Maße einen Autoritätsverlust, die Verweigerung ihrer Autonomie, Marginalisierung und einen geringeren kulturellen Stellenwert und sind anfälliger für soziale Isolation, Ausgrenzung, Armut und Missbrauch. Weitere Folgen der Kombination aus Alters- und Behindertendiskriminierung sind ein lückenhafter Menschenrechtsschutz und Vorurteile gegenüber älteren Menschen bei der Auslegung von Menschenrechtsstandards. Die Fragmentierung der Politik zugunsten älterer Menschen und der zugunsten von Menschen mit Behinderungen führt dazu, dass die Erfahrungen älterer Menschen mit Behinderungen weder im Gesetz noch in der Praxis sichtbar sind. Da ältere Menschen mit Behinderungen als „Last“ und „weniger würdig“ angesehen werden, werden sie von der Politik zudem oft nachrangig behandelt und erhalten daher minderwertigere Leistungen, vor allem bei Ressourcenknappheit.⁸

⁸ Robert Kane, Reinhard Priester und Dean Neumann, „Does disparity in the way disabled older adults are treated imply ageism?“, Gerontologist, Vol. 47, Nr. 3 (Juni 2007), S. 271–279.

8. The intersection between older age and disability results in both aggravated forms of discrimination and specific human rights violations against older persons with disabilities. Older persons with disabilities are subject to a greater extent to loss of power, denial of autonomy, marginalization and cultural devaluation. They are also more prone to social isolation, exclusion, poverty and abuse. In addition, the combined effect of ageism and ableism leads to gaps in human rights protection and age-biased interpretations of human rights standards. The fragmentation of policies for older persons and for persons with disabilities results in the invisibility in law and in practice of experiences of disability in later life. Moreover, since they are perceived as a “burden” or “less deserving”, older persons with disabilities are often given lower priority in policy and therefore receive services of a lower quality, especially when there is scarcity of resources.⁸




⁸ Robert Kane, Reinhard Priester and Dean Neumann, “Does disparity in the way disabled older adults are treated imply ageism?”, Gerontologist, vol. 47, No. 3 (June 2007), pp. 271–279.

9. Die Lebensperspektiven und die Lebensgeschichte sind für ältere Frauen mit Behinderungen durchgängig schlechter als für ältere Frauen ohne Behinderungen und für ältere Männer mit Behinderungen.⁹ Geschlechterrollen und die damit verbundenen Erwartungen drängen diese Frauen oft in die wirtschaftliche Abhängigkeit. Aus diesem Grund sind ältere Frauen mit Behinderungen deutlich ärmer, sind eher Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, und ihre Bedürfnisse bleiben mit höherer Wahrscheinlichkeit unerfüllt. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass ältere Frauen mit Behinderungen in Einrichtungen untergebracht oder entmündigt werden, höher, da sie eine höhere Lebenserwartung haben als Männer.¹⁰

⁹ Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau, Allgemeine Empfehlung Nr. 27 (2010) zu älteren Frauen und zum Schutz ihrer Menschenrechte. Auf Deutsch verfügbar unter www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dateien/Pakte_Konventionen/CEDAW/cedaw_general_
comment_27_de.pdf

¹⁰ Vicki Freedman, Douglas A. Wolf und Brenda C. Spillman, „Disability-free life expectancy over 30 years: a growing female disadvantage in the US population“, American Journal of Public Health, Vol. 106, Nr. 6 (Juni 2016), S. 1079–1085; Elina Nihtilä und Pekka Martikainen, „Institutionalization of older adults after the death of a spouse“, American Journal of Public Health, Vol. 98, Nr. 7 (Juli 2008), S. 1228–1234; und Pekka Martikainen et al., „Gender, living arrangements, and social circumstances as determinants of entry into and exit from long-term institutional care at older ages: a 6-year follow-up study of older Finns“, Gerontologist, Vol. 49, Nr. 1 (Februar 2009), S. 34–45.

9. Older women with disabilities have consistently worse life prospects and outcomes than older women without disabilities and older men with disabilities.⁹ Gender roles and expectations often push these women into economic dependency. As a result, older women with disabilities are considerably poorer; are likely to be subject to violence, abuse and neglect; and have higher chances of facing unmet needs and human rights violations. In addition, older women with disabilities are more likely to be institutionalized or incapacitated owing to the higher life expectancy of women compared with men.¹⁰

⁹ Committee on the Elimination of Discrimination against Women, general recommendation No. 27 (2010) on older women and the protection of their human rights.

¹⁰ Vicki Freedman, Douglas A. Wolf and Brenda C. Spillman, “Disability-free life expectancy over 30 years: a growing female disadvantage in the US population”, American Journal of Public Health, vol. 106, No. 6 (June 2016), pp. 1079–1085; Elina Nihtilä and Pekka Martikainen, “Institutionalization of older adults after the death of a spouse”, American Journal of Public Health, vol. 98, No. 7 (July 2008), pp. 1228–1234; and Pekka Martikainen and others, “Gender, living arrangements, and social circumstances as determinants of entry into and exit from longterm institutional care at older ages: a 6-year follow-up study of older Finns”, Gerontologist, vol. 49, No. 1 (February 2009), pp. 34–45.

III. Die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen in den internationalen und regionalen Menschenrechtsrahmen

10. Den Rechten älterer Menschen gilt in den internationalen Menschenrechtsnormen bisher weniger Aufmerksamkeit und Anerkennung als denen anderer Gruppen, einschließlich Menschen mit Behinderungen. Obwohl die wichtigsten Menschenrechtsinstrumente im Hinblick auf Nichtdiskriminierung grundsätzlich auf ältere Menschen gleichermaßen anwendbar sind, wird in keinem der bestehenden Instrumente mit Ausnahme des Über-einkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und der Internationalen Konvention zum Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen explizit auf die Rechte älterer Menschen oder den Schutz vor Altersdiskriminierung Bezug genommen, und der völkerrechtliche Rahmen wird viel zu wenig zur Förderung ihrer Menschenrechte genutzt. Während der Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und der Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau Allgemeine Bemerkungen zu den Rechten älterer Menschen herausgegeben haben,¹¹ finden sich in den Abschließenden Bemerkungen der Menschenrechtsorgane und den Empfehlungen aus der Allgemeinen regelmäßigen Überprüfung besonders selten Verweise auf ältere Menschen, einschließlich älterer Menschen mit Behinderungen.¹²

¹¹ Committee on Economic, Social and Cultural Rights, general comment No. 6 (1995) on the economic, social and cultural rights of older persons und Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau, Allgemeine Empfehlung Nr. 27.

¹² Siehe www.upr-info.org/database/statistics/.

III. The rights of older persons with disabilities in the international and regional human rights frameworks

10. The rights of older persons have not received the same attention and recognition in international human rights law as other groups, including persons with disabilities. While in principle, from a non-discriminatory perspective, the core human rights instruments apply equally to older persons, there is no explicit reference to the rights of older people or protection against age discrimination in any of the existing instruments, with the exception of the Convention on the Rights of Persons with Disabilities and the International Convention on the Protection of the Rights of All Migrant Workers and Members of Their Families, and the international legal framework is significantly underused to advance their human rights. While the Committee on Economic, Social and Cultural Rights and the Committee on the Elimination of Discrimination against Women have issued general comments on the rights of older persons,11 references to older people, including older persons with disabilities, in the concluding observations of human rights bodies and universal periodic review recommendations are particularly scarce.12


¹¹ Committee on Economic, Social and Cultural Rights, general comment No. 6 (1995) on the economic, social and cultural rights of older persons; and Committee on the Elimination of Discrimination against Women, general recommendation No. 27.
 
¹² See www.upr-info.org/database/statistics/.

11. Die Vereinten Nationen haben nicht verbindliche Absprachen zur Förderung der Menschenrechte älterer Menschen getroffen, einschließlich der Grundsätze der Vereinten Nationen für ältere Menschen von 1991 und des Internationalen Aktionsplans von Madrid über das Altern von 2002. Der Aktionsplan ließ ältere Menschen auf der internationalen Ebene in Erscheinung treten und hob ihre Rolle und ihren Beitrag hervor anstatt sie, wie sonst oft üblich, als bloße Nutznießer von Sozialleistungen darzustellen. Der Aktionsplan enthält eine Reihe von Empfehlungen zur Verwirklichung sozioökonomischer Ziele, verweist auf Menschenrechtsverpflichtungen, darunter die Beseitigung der Alters-diskriminierung, und erwähnt ausdrücklich ältere Menschen mit Behinderungen. Da er jedoch nicht als Menschenrechtsübereinkunft konzipiert oder gedacht war, lässt er wichtige Menschenrechtsanliegen, die ältere Menschen, einschließlich älterer Menschen mit Behinderung, betreffen, unberücksichtigt, wie etwa die Unterbringung in Einrichtungen, die Verweigerung der Rechts- und Handlungsfähigkeit und die unfreiwillige Behandlung.

11. The United Nations has adopted non-binding instruments to advance the human rights of older persons, including the United Nations Principles for Older Persons of 1991 and the Madrid International Plan of Action on Ageing of 2002. The Plan brought visibility to older persons at the international level and emphasized their roles and contributions, in a departure from their portrayal as mere beneficiaries of welfare. The Plan consists of a series of recommendations to achieve socioeconomic objectives, includes references to human rights commitments, such as eliminating age discrimination, and specifically mentions older persons with disabilities. However, since it was not drafted or intended as a human rights instrument, it does not address important human rights concerns affecting older persons, including older persons with disabilities, such as institutionalization, denial of legal capacity and involuntary treatment.

12. Anders als in früheren Menschenrechtsverträgen wird im Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen an mehreren Stellen auf das Altern und ältere Menschen Bezug genommen. In der Präambel werden die schwierigen Bedingungen anerkannt, denen sich Menschen mit Behinderungen gegenübersehen, die mehrfachen oder verschärften Formen der Diskriminierung, einschließlich aufgrund des Alters, ausgesetzt sind. Artikel 8 (Bewusstseinsbildung) enthält die Verpflichtung, Klischees, Vorurteile und schädliche Praktiken gegenüber Menschen mit Behinderungen, einschließlich aufgrund des Alters, zu bekämpfen, und Artikel 13 (Zugang zur Justiz) verweist auf die Gewährleistung altersgemäßer Vorkehrungen. In Artikel 16 (Freiheit von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch) wird anerkannt, wie wichtig das Alter berücksichtigende Hilfe und Schutzdienste sind, in Artikel 25 (Gesundheit) findet sich ein expliziter Hinweis auf ältere Menschen im Zusammenhang mit Gesundheitsleistungen, durch die weitere Behinderungen möglichst gering gehalten oder vermieden werden sollen, und in Artikel 28 (Angemessener Lebensstandard und sozialer Schutz) werden die Staaten aufgefordert, älteren Menschen mit Behinderungen den Zugang zu Programmen für sozialen Schutz und Programmen zur Armutsbekämpfung zu sichern. Während jedoch das Übereinkommen Frauen und Kindern mit Behinderungen jeweils einen eigenen Artikel widmet, geht es nicht eigens auf die Herausforderungen ein, die an der Schnittstelle zwischen Altern und Behinderung liegen.

12. Unlike human rights treaties preceding it, the Convention on the Rights of Persons with Disabilities includes several references to age and older persons. The difficult conditions faced by persons with disabilities owing to multiple and aggravated forms of discrimination, including on the basis of age, are recognized in the preamble; the obligation to combat stereotypes, prejudices and harmful practices relating to persons with disabilities, including those based on age, is set out in article 8 (Awareness-raising); the provision of age-appropriate accommodations is referred to in article 13 (Access to justice); the importance of age-sensitive assistance and agesensitive protection services is recognized in article 16 (Freedom from exploitation, violence and abuse); older persons are referred to explicitly in relation to health services to minimize and prevent further impairments in article 25 (Health); and States are called upon to ensure access by older persons with disabilities to social protection programmes and poverty reduction programmes in article 28 (Adequate standard of living and social protection). Nevertheless, while women and children with disabilities have their own stand-alone articles, the Convention does not single out the challenges at the intersection between ageing and disability.

13. Der Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat sich in seinen an die Vertragsstaaten gerichteten Allgemeinen beziehungsweise Abschließenden Bemerkungen mit altersbezogenen Themen befasst. So hat er klargestellt, dass fortgeschrittenes Alter ein Grund für mehrfache und sich überschneidende Formen der Diskriminierung sein kann, und den Staaten ferner in seiner Allgemeinen Bemerkung Nr. 6 (2018) über Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung empfohlen, spezifische Maßnahmen zugunsten älterer Menschen mit Behinderungen zu ergreifen. In seiner Allgemeinen Bemerkung Nr. 7 (2018) über die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, einschließlich Kindern mit Behinderungen, erkannte der Ausschuss auch die Verpflichtung der Staaten an, Gruppen, die durch sich überschneidende Formen der Diskriminierung gefährdet sind, einschließlich älterer Menschen, über die sie vertretenden Organisationen bei der Durchführung und der Überwachung der Einhaltung des Übereinkommens zu konsultieren. Aufgrund dieser Bestimmungen und ihrer Auslegung ist das Übereinkommen ein einzigartiger Ausgangspunkt für einen auf Rechte gestützten Umgang mit den Überschneidungen zwischen Altern und Behinderung. Ältere Menschen mit Behinderungen, die aufgrund von Behinderung oder Alter bei der Ausübung ihrer Rechte auf Hindernisse stoßen, können sich auf Schutz nach dem Übereinkommen berufen, wobei es unerheblich ist, zu welchem Zeitpunkt ihres Lebens sie ihre Behinderung erworben haben. Das Übereinkommen schützt darüber hinaus auch ältere Menschen, die als Menschen mit Behinderungen wahrgenommen werden.

13. The Committee on the Rights of Persons with Disabilities has considered issues relating to older age in its general comments and concluding observations to States parties. For example, it has clarified that older age is a potential ground for multiple and intersecting forms of discrimination and, in its general comment No. 6 (2018) on equality and non-discrimination, further recommended that States adopt specific measures for older persons with disabilities. The Committee also recognized the obligation of States to consult with groups at risk of intersecting forms of discrimination, including older persons, in its general comment No. 7 (2018) on the participation of persons with disabilities, including children with disabilities, through their representative organizations, in the implementation and monitoring of the Convention. These provisions and their interpretation make the Convention a unique entry point for dealing with the intersection between ageing and disability from a rights-based perspective. Older persons with disabilities who encounter barriers to the exercise of their rights owing to disability or age can seek protection under the Convention, regardless of whether they acquired a disability early or later in life. Furthermore, older persons who are perceived as having a disability are also protected by the Convention.

14. Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bietet eine Gelegenheit, einen auf Rechte gestützten Umgang mit dem Altern zu stärken. Zwar steht außer Frage, dass ältere Menschen Träger von Rechten sind, doch wurde die Entwicklung eines auf die Menschenrechte gestützten Ansatzes und Diskurses zur Frage des Alterns dadurch beeinträchtigt, dass kein internationaler menschenrechtlicher Rahmen in Bezug auf ältere Menschen vorhanden ist. Medizinische Definitionen und Konzepte dominieren nach wie vor die internationale Debatte über das Altern, und ältere Menschen werden noch immer weitgehend als bloße Nutznießer von Betreuungs- und Sozialfürsorgeleistungen wahrgenommen. Zudem scheinen sich die Staaten bei ihrer Politik gegenüber älteren Menschen vorwiegend von den wirtschaftlichen Kosten einer alternden Bevölkerung (unter anderem öffentliche Ausgaben für Renten, Gesundheitsversorgung und Langzeitbetreuung) statt von den Menschenrechtsbelangen älterer Menschen leiten zu lassen. Daher stehen bei vielen Interventionsmaßnahmen zugunsten älterer Menschen noch immer finanzielle Erwägungen und das medizinische Modell im Vordergrund, was sich besonders auf ältere Menschen mit Behinderungen auswirkt, wogegen Maßnahmen zugunsten von Menschen mit Behinderungen dank dem Übereinkommen zunehmend auf die Förderung der Autonomie, der Unabhängigkeit und der vollen Teilhabe gerichtet sind.

14. Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bietet eine Gelegenheit, einen auf Rechte gestützten Umgang mit dem Altern zu stärken. Zwar steht außer Frage, dass ältere Menschen Träger von Rechten sind, doch wurde die Entwicklung eines auf die Menschenrechte gestützten Ansatzes und Diskurses zur Frage des Alterns dadurch beeinträchtigt, dass kein internationaler menschenrechtlicher Rahmen in Bezug auf ältere Menschen vorhanden ist. Medizinische Definitionen und Konzepte dominieren nach wie vor die internationale Debatte über das Altern, und ältere Menschen werden noch immer weitgehend als bloße Nutznießer von Betreuungs- und Sozialfürsorgeleistungen wahrgenommen. Zudem scheinen sich die Staaten bei ihrer Politik gegenüber älteren Menschen vorwiegend von den wirtschaftlichen Kosten einer alternden Bevölkerung (unter anderem öffentliche Ausgaben für Renten, Gesundheitsversorgung und Langzeitbetreuung) statt von den Menschenrechtsbelangen älterer Menschen leiten zu lassen. Daher stehen bei vielen Interventionsmaßnahmen zugunsten älterer Menschen noch immer finanzielle Erwägungen und das medizinische Modell im Vordergrund, was sich besonders auf ältere Menschen mit Behinderungen auswirkt, wogegen Maßnahmen zugunsten von Menschen mit Behinderungen dank dem Übereinkommen zunehmend auf die Förderung der Autonomie, der Unabhängigkeit und der vollen Teilhabe gerichtet sind.

15. Auf der regionalen Ebene ist das 2015 verabschiedete Interamerikanische Übereinkommen über den Schutz der Menschenrechte älterer Menschen die weltweit erste rechtsverbindliche Übereinkunft über die Rechte älterer Menschen. Das Interamerikanische Übereinkommen orientiert sich stark am Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, insbesondere was das Recht auf Rechts- und Handlungsfähigkeit und auf unabhängige Lebensführung betrifft. Zwischen den ersten Entwürfen des Interamerikanischen Übereinkommens und dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bestanden noch Ungereimtheiten, doch konnten diese dank der Intervention von Organisationen von Menschen mit Behinderungen ausgeräumt werden, was zu einem höheren Maß an Schutz der Rechte führte.¹³ Das 2018 verabschiedete Protokoll zu der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker über die Rechte der Menschen mit Behinderungen in Afrika enthält einen Artikel über die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen. Das 2016 verabschiedete Protokoll zu der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker über die Rechte älterer Menschen in Afrika umfasst jedoch bedauerlicherweise Normen, die ein geringeres Maß an Schutz bieten als das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und im Widerspruch zu diesem stehen. Auch die 2014 verabschiedete Empfehlung des Europarats zur Förderung der Menschenrechte älterer Menschen wird nicht allen Normen des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gerecht, obwohl sie auf die Bestimmungen des Übereinkommens in Bezug auf ältere Menschen verweist. Die Sonderberichterstatterin möchte erneut betonen, dass im Falle von Abweichungen zwischen dem Übereinkommen und anderen internationalen oder regionalen Normen für den Schutz älterer Menschen diejenigen Bestimmungen maßgebend sein sollen, die der Verwirklichung der Rechte älterer Menschen mit Behinderungen förderlicher sind.

¹³ Francisco Bariffi und Francesco Seatzu, „La convención de la OEA sobre los derechos de las perso-nas mayores y la ratificación del modelo de toma de decisiones con apoyos“, Revista Latinoamericana en Discapacidad, Sociedad y Derechos Humanos, Vol. 3, Nr. 1 (2019), S. 89−119.

15. At the regional level, the Inter-American Convention on Protecting the Human Rights of Older Persons, adopted in 2015, represents the world’s first binding instrument on the rights of older persons. The Inter-American Convention draws greatly from the Convention on the Rights of Persons with Disabilities, in particular in relation to the rights to legal capacity and independent living. Although the initial drafts of the Inter-American Convention contained inconsistencies with the Convention on the Rights of Persons with Disabilities, the intervention of organizations of persons with disabilities helped to address discrepancies and endorse a higher level of protection of rights.¹³ The Protocol to the African Charter on Human and Peoples’ Rights on the Rights of Persons with Disabilities in Africa, adopted in 2018, includes an article on the rights of older persons with disabilities. Regrettably, the Protocol to the African Charter on Human and Peoples’ Rights on the Rights of Older Persons in Africa, adopted in 2016, contains standards that offer less protection than and contradict the Convention on the Rights of Persons with Disabilities. Similarly, the Recommendation of the Council of Europe on the promotion of human rights of older persons, adopted in 2014, despite recalling the provisions relevant to older persons in the Convention on the Rights of Persons with Disabilities, falls short in upholding all the standards of the Convention. The Special Rapporteur wishes to reiterate that, in the event of any inconsistency between the Convention and other international or regional standards for the protection of older persons, the provisions that are more conducive to the realization of the rights of older persons with disabilities should prevail.

¹³ Francisco Bariffi and Francesco Seatzu, “La convención de la OEA sobre los derechos de las personas mayores y la ratificación del modelo de toma de decisiones con apoyos”, Revista Latinoamericana en Discapacidad, Sociedad y Derechos Humanos, vol. 3, No. 1 (2019), pp. 89−119.

16. Die Offene Arbeitsgruppe über das Altern wurde 2010 von der Generalversammlung eingerichtet, um den bestehenden internationalen Rahmen für die Menschenrechte älterer Menschen zu prüfen und zu ermitteln, wo Lücken bestehen und wie diese best-möglich geschlossen werden können, so auch indem sie gegebenenfalls die Realisierbarkeit weiterer Übereinkünfte und Maßnahmen prüft. Nach zehn Tagungen der Arbeitsgruppe scheint grundsätzlich Einigkeit darüber zu bestehen, dass die bestehenden Übereinkünfte beim Schutz der Rechte älterer Menschen erhebliche Lücken aufweisen. Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der Synergien zwischen Altern und Behinderung sollte das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bei der Normensetzung für die Rechte älterer Menschen stets als Mindestanforderung angesehen werden, um Rückschritte bei den internationalen Menschenrechtsnormen zu vermeiden. Bei allen neuen rechtsverbindlichen internationalen Übereinkünften über die Rechte älterer Menschen sollten die Lücken und Abweichungen im internationalen Rahmenwerk berücksichtigt werden, durch die ältere Menschen mit Behinderungen benachteiligt werden.

16. The Open-ended Working Group on Ageing was established in 2010 by the General Assembly to consider the existing international framework on the human rights of older persons and to identify possible gaps and how best to address them, including by considering, as appropriate, the feasibility of further instruments and measures. After 10 sessions of the Working Group, there seems to be general agreement that there are significant gaps in the protection of the rights of older persons in existing instruments. Against this background, given the synergies between ageing and disability, the Convention on the Rights of Persons with Disabilities should be considered as a minimum floor for any standard-setting on the rights of older persons so that there is no setback with respect to advances in international human rights law. Any new legally binding international tools on the rights of older persons should pay attention to the gaps and inconsistencies in the international framework that disadvantage older persons with disabilities.

17. Die Annahme der Ziele für nachhaltige Entwicklung stellt auch eine Gelegenheit zur Förderung der Rechte älterer Menschen mit Behinderungen dar. In den Millenniums-Entwicklungszielen wurden weder Menschen mit Behinderungen noch ältere Menschen erwähnt, was durch die Erhöhung des Entwicklungsgefälles zwischen ihnen und anderen Gruppen zu ihrer Marginalisierung beitrug. In der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung hingegen werden beide Gruppen an mehreren Stellen genannt. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung enthalten eine Forderung nach konkreten Maßnahmen, um niemanden zurückzulassen, und eine Verpflichtung, diejenigen zuerst zu erreichen, die am weitesten zurückliegen. Dazu zählen in der Regel die Menschen, die aufgrund mehrfacher und sich überschneidender Identitäten, beispielsweise als ältere Menschen mit Behinderungen, kumulativer Diskriminierung ausgesetzt sind. Die Nennung der „Frühsterblichkeit“ in Zielvorgabe 3.4 des Ziels 3 der Ziele für nachhaltige Entwicklung ist jedoch bedenklich, da dadurch ältere Menschen von Maßnahmen zur Senkung der Sterblichkeit aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten ausgeschlossen werden könnten.¹⁴ Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bietet normative Richtlinien für die Verfolgung eines Menschenrechtsansatzes bei der Herbeiführung einer nachhaltigen Entwicklung für ältere Menschen mit Behinderungen.

¹⁴ Nena Georgantzi, „The challenges in implementing and monitoring the Agenda 2030 and SDGs 3 and 10 from an old age perspective“, in Falling through the Cracks: Exposing Inequalities in the EU and Beyond, Sylvia Beales, George Gelber und Tanja Gohlert, Hrsg. (2019), S. 86.

17. The adoption of the Sustainable Development Goals also represents an opportunity to advance the rights of older persons with disabilities. While the Millennium Development Goals made no reference to persons with disabilities or older persons, thus contributing to their marginalization by widening the development gap between them and others, the 2030 Agenda for Sustainable Development includes several references to both groups. The Sustainable Development Goals contain a call for concrete measures to leave no one behind and a commitment to reach the furthest behind first, which typically includes those subject to cumulative discrimination on the basis of their multiple and intersecting identities, such as older persons with disabilities. However, the reference to “premature mortality” in target 3.4 of Goal 3 of the Sustainable Development Goals is of concern, as it may result in older persons being excluded from efforts to reduce mortality from non-communicable diseases.¹⁴ The Convention on the Rights of Persons with Disabilities offers normative guidance for the implementation of a human rights-based approach to achieve sustainable development for older persons with disabilities.

¹⁴ Nena Georgantzi, “The challenges in implementing and monitoring the Agenda 2030 and SDGs 3 and 10 from an old age perspective”, in Falling through the Cracks: Exposing Inequalities in the EU and Beyond, Sylvia Beales, George Gelber and Tanja Gohlert, eds. (2019), p. 86.

IV. Die Situation älterer Menschen mit Behinderungen

18. Die Sonderberichterstatterin hat einige Herausforderungen ermittelt, denen sich ältere Menschen mit Behinderungen auf dem Gebiet der Menschenrechte gegenübersehen. Dazu zählen Stigmatisierung und Klischees, direkte und indirekte Diskriminierung, die Verweigerung der Autonomie und der Rechts- und Handlungsfähigkeit, die Unterbringung in Einrichtungen und mangelnde gemeindenahe Unterstützung sowie Gewalt und Missbrauch und unzureichender Sozialschutz. Die Sonderberichterstatterin ist sich dessen bewusst, dass die Menschenrechtsbelange, die sowohl Menschen mit Behinderungen als auch ältere Menschen betreffen, unterschiedlich artikuliert werden. Dennoch hat sie der Analyse in diesem Bericht den normativen Rahmen des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zugrundegelegt und eine auf das Altern bezogene Sichtweise darauf angewandt. Die in diesem Abschnitt behandelten Herausforderungen geben weder alle Menschenrechtsprobleme, die ältere Menschen mit Behinderungen betreffen, noch alle zur Erstellung des Berichts eingegangenen Beiträge wieder.

IV. The situation of older persons with disabilities

18. The Special Rapporteur has identified several human rights challenges affecting older persons with disabilities, including stigma and stereotypes; direct and indirect discrimination; denial of autonomy and legal capacity; institutionalization and lack of community support; violence and abuse; and lack of adequate social protection. While acknowledging some differences in the way in which the human rights concerns affecting both persons with disabilities and older persons are framed, the Special Rapporteur has used the normative framework of the Convention on the Rights of Persons with Disabilities and considered it from an ageing perspective for the analysis in the present report. The challenges addressed in the present section reflect neither all the human rights issues affecting older persons with disabilities, nor all the contributions received for the elaboration of the report.

A. Stigmatisierung und Klischees

19. Stigmatisierung und Klischees stellen ein großes Problem für ältere Menschen mit Behinderungen dar. Sowohl Behinderungs- als auch Altersdiskriminierung sind in den Köpfen der Menschen, in der Politik und in Gesetzen, Institutionen, Einstellungen und Weltanschauungen fest verankert. Ältere Menschen mit Behinderungen sind an der Schnittstelle dieser Formen der Diskriminierung besonderen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Da Beeinträchtigungen bei älteren Menschen oft als natürlicher Aspekt des Alterungsprozesses angesehen werden, werden die Barrieren, die ihrer Teilhabe entgegenstehen, nicht als soziales Konstrukt, sondern als normale Tatsache des Lebens wahrgenommen. Daher zielen Maßnahmen in diesem Bereich nicht auf die Beseitigung von Barrieren oder die Schaffung von Optionen zur Förderung der Teilhabe ab, sondern folgen einer vorwiegend medizinischen Sichtweise. Darüber hinaus verleiten die an ein Altern mit Behinderung gestellten niedrigen Erwartungen zu der Annahme, dass es sich nicht lohne, die Teilhabe älterer Menschen mit Behinderungen zu fördern. Daher ist die unterschiedliche Behandlung aufgrund von Behinderung und Alter nicht nur weit verbreitet, sondern wird auch als notwendig und unproblematisch angesehen. Dies führt zur Normalisierung von Praktiken, die für andere Gruppen, wie etwa jüngere Menschen mit Behinderungen, unannehmbar wären.

A. Stigma and stereotypes

19. Stigma and stereotypes represent a major concern affecting older persons with disabilities. Both ableism and ageism are deeply rooted in popular thinking, policies, laws, institutions, attitudes and beliefs. Older persons with disabilities experience unique human rights violations owing to the intersection of these forms of discrimination. As impairments among older persons are often seen as a natural aspect of ageing, the barriers to participation that they experience are perceived not as a social construct, but as a normal fact of life. Therefore, efforts are not focused on eliminating barriers or generating options to promote participation, but rather are framed mainly under a medical lens. Furthermore, low expectations regarding ageing with a disability lead to the assumption that it is not worthwhile to support the participation of older persons with disabilities. As a result, differential treatment on the basis of disability and age is not only widespread but also considered necessary and unproblematic, leading to the normalization of practices that would be considered unacceptable for other groups, such as younger persons with disabilities.

20. Auch die Selbstwahrnehmung älterer Menschen und von Menschen mit Behinderungen ist von Behinderungs- und Altersdiskriminierung geprägt. Die Stigmatisierung von Behinderung ist so stark, dass sie ältere Menschen davon abhalten kann, medizinische Behandlung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen oder Mobilitätshilfen und unterstützende Geräte zu nutzen. Hinzu kommt, dass Menschen, die im fortgeschrittenen Alter eine Behinderung erwerben, sich verlassen und verzweifelt fühlen können und dann dazu neigen, sich von der Gesellschaft zu isolieren. Umgekehrt führt Altersdiskriminierung innerhalb der Gemeinschaft der Menschen mit Behinderungen dazu, dass ältere Menschen mit Behinderungen weniger Aufmerksamkeit erfahren.¹⁵ Obwohl sich die Behindertenbewegung vehement für die Gleichbehandlung von Kindern, jungen Menschen und Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter mit Behinderungen einsetzt, hat sie mit dem Altern zusammenhängende Fragen in der Vergangenheit kaum berücksichtigt.¹⁶ Dies hat dazu beigetragen, dass eine Betrachtung aus dem Blickwinkel des Alterns ausgeblieben ist und diskriminierende Praktiken gegenüber älteren Menschen mit Behinderungen eine gewisse Legitimität erhalten haben. Trotz der wachsenden Erkenntnis, dass Maßnahmen zugunsten einer aktiven Teilhabe von Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen an der Gesellschaft erarbeitet werden müssen, werden ältere Menschen mit Behinderungen immer noch als gebrechliche und unselbständige Personen wahrgenommen, die nur Schutz und Betreuung brauchen.

¹⁵ Mark Priestley, „Adults only: disability, social policy and the life course“, Journal of Social Policy, Vol. 29, Nr. 3 (Juli 2000), S. 421–439.

¹⁶ Håkan Jönson und Annika Larsson, „The exclusion of older people in disability activism and policies – a case of inadvertent ageism?“, Journal of Aging Studies, Vol. 23, Nr. 1 (Januar 2009), S. 69–77.

20. Older persons and persons with disabilities themselves are not free from ableist and ageist self-perceptions. The stigma around disability is so strong that it can prevent older persons from seeking medical treatment and support or from using mobility aids and assistive devices. Furthermore, people who acquire an impairment at an older age can experience feelings of abandonment and despair, making them prone to socially isolate themselves. Conversely, ageism within the disability community has limited the attention paid to older persons with disabilities within the sector.¹⁵ While the disability movement has been very vocal in advocating the equal treatment of children, young people and adults of working age with disabilities, it has historically overlooked ageing-related considerations.1⁶ This approach has contributed to rendering the older-age perspective invisible and, to some extent, to legitimizing discriminatory practices against older persons with disabilities. While there is an increasing understanding of the need to develop positive measures to support children and adults with disabilities in actively participating in society, older persons with disabilities are still seen as frail and dependent, in need only of protection and care.

¹⁵ Mark Priestley, “Adults only: disability, social policy and the life course”, Journal of Social Policy, vol. 29, No. 3 (July 2000), pp. 421–439. 

¹⁶ Håkan Jönson and Annika Larsson, “The exclusion of older people in disability activism and policies – a case of inadvertent ageism?”, Journal of Aging Studies, vol. 23, No. 1 (January 2009), pp. 69–77.

21. Im Zusammenhang mit kognitiven Beeinträchtigungen wie Demenz sind Stigmatisierung und Klischees besonders weit verbreitet. Aus mehreren Studien geht hervor, dass unter Dienstleistenden und der Bevölkerung im Allgemeinen negative Sichtweisen und Einstellungen gegenüber Menschen mit Demenz vorherrschen.¹⁷ Solche altersdiskriminierenden Sichtweisen und Einstellungen führen dazu, dass ältere Menschen mit Demenz regelmäßig keinen uneingeschränkten und gleichberechtigten Zugang zu allgemeiner Gesundheitsversorgung erhalten. Aufgrund des weit verbreiteten Irrglaubens, dass nur ältere Menschen an Demenz leiden, erfährt die Altersdiskriminierung von Menschen mit präseniler Demenz wenig Beachtung. Angesichts dessen, dass Gesundheitsfachkräfte wenig über Demenz wissen, unzulängliche Diagnoseinstrumente verwendet werden, die Annahme vorherrscht, dass „man nichts tun kann“, Medikamente mit zweifelhafter Wirksamkeit eingesetzt werden und Menschen mit Demenz häufig Zwangsmaßnahmen unterliegen, ist auch die Angst weit verbreitet, aufgrund einer Demenzdiagnose abgestempelt und diskriminiert zu werden.

¹⁷ John Macnicol, Age Discrimination: An Historical and Contemporary Analysis (Cambridge, United Kingdom, Cambridge University Press, 2006), S. 308.

21. Stigma and stereotypes about cognitive impairments such as dementia are particularly pervasive. Several studies have shown that negative perceptions and attitudes towards persons with dementia are prevalent across service providers and the general population.¹⁷ Such ageist perceptions and attitudes regularly preclude the provision of full and equal access to universal health care for older persons with dementia. Little attention is paid to persons with early onset dementia who experience ageism, owing to the common misperception that dementia is only an older persons’ condition. Fear of labelling and discrimination on the basis of a dementia diagnosis is also common given the limited knowledge about dementia among health-care professionals, poor diagnostic tools, assumptions that “nothing can be done”, drug treatments of dubious effectiveness and the coercive practices routinely targeting this group.

¹⁷ John Macnicol, Age Discrimination: An Historical and Contemporary Analysis (Cambridge, United Kingdom, Cambridge University Press, 2006), p. 308.

22. Die Überschneidungen zwischen Behinderungs- und Altersdiskriminierung tragen auch dazu bei, dass ältere Menschen mit Behinderungen nicht wahrgenommen werden. Es gibt wenig konkrete Informationen über die Bedürfnisse von Menschen, die mit einer Behinderung altern. Menschen mit Autismus oder geistigen Behinderungen sind am wenigsten sichtbar, da sie immer noch von den meisten Menschen nur als Kinder angesehen werden. Zudem birgt die Tendenz, ältere Menschen als einheitliche Gruppe (etwa die Gruppe der über 60-Jährigen) darzustellen, die Gefahr, ihre große Vielfalt zu ignorieren und Menschen unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Erwartungen in einer einzigen Gruppe zusammenzufassen.¹⁸ Es mangelt an den nach Alter und Behinderung aufgeschlüsselten Daten, die entscheidend dafür sind, die Ungleichheiten und die Diskriminierung zu dokumentieren, denen ältere Menschen mit Behinderungen in verschiedenen Lebensbereichen begegnen. Unter diesen Bedingungen werden Menschenrechtsverletzungen gegenüber älteren Menschen mit Behinderungen oft weder überwacht noch als solche eingestuft.

¹⁸ Ebd.

22. The intersection between ableism and ageism also contributes to rendering older persons with disabilities invisible. There is little information relating specifically to the needs of people who are ageing with a disability. Autistic people and persons with intellectual disabilities are particularly invisible, as most people still think of them only as children. In addition, the tendency to portray older persons as a unified group (such as those older than 60 years) entails the risk of ignoring their great diversity and lumping together people of diverse ages, with diverse needs and expectations.¹⁸ Age- and disability-disaggregated data, which are instrumental to gathering evidence of the inequalities and discrimination faced by older persons with disabilities in various areas of life, are scarce. Under these circumstances, human rights violations against older persons with disabilities are often neither monitored nor categorized as such.

¹⁸ Ibid.

23. Obwohl die Debatte über „aktives Altern“ eine Möglichkeit bietet, die Gesundheit und die Teilhabe älterer Menschen zu fördern, kann sie unbeabsichtigt die Alters- und Behinderungsdiskriminierung von älteren Menschen mit Behinderungen verstärken, da die Vorstellung dessen, was „aktiv“ für ältere Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf bedeuten könnte, vage ist und ältere Menschen mit Behinderungen nicht die volle Bandbreite an Unterstützung erhalten, die es ihnen ermöglicht, den aktiven Lebensstil ihrer Wahl zu pflegen. Noch verschärft wird dieses Problem durch eine Politik, in der „aktives Altern“ mit Erwerbstätigkeit gleichgesetzt wird.

23. While discussions about “active ageing” represent an opportunity for better health and participation in older age, they may inadvertently reinforce ageism and ableism for older persons with disabilities, given the limited conceptualization of what “active” might mean to older persons with high support needs, as well as the failure to address the full range of support needed to enable older persons with disabilities to be active in the way they wish. This is also reinforced by “active ageing” policies in which the idea of being active is reduced to being a working citizen.

B. Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung

24. Diskriminierung aufgrund des Alters ist sowohl eine Menschenrechtsverletzung als auch eine Ursache vieler Missbrauchshandlungen, denen ältere Menschen mit Behinderungen ausgesetzt sind. Da Alter im internationalen Menschenrechtsrahmen nicht systematisch als Diskriminierungsgrund angeführt wird, besteht eine Schutzlücke, die daran ersichtlich ist, dass viele einzelstaatliche Antidiskriminierungsgesetze Diskriminierung aufgrund des Alters nicht konkret behandeln. Dies hat zur Folge, dass eine unterschiedliche Behandlung aufgrund des Alters häufig als zulässig angesehen wird, weswegen ältere Menschen, einschließlich derjenigen mit Behinderungen, nicht gleichgestellt mit jüngeren Menschen dieselben Rechte genießen. Diskriminierende Bestimmungen wie ein gesetzlich vorgeschriebenes Rentenalter und Altersbegrenzungen beim Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, Sozialschutz und Finanzdienstleistungen werden oft als rechtmäßig angesehen.

B. Equality and non-discrimination

24. Discrimination on the basis of age is both a human rights violation and a root cause of many abuses affecting older persons with disabilities. As the international human rights framework does not systematically refer to age as a ground of discrimination, there is a protection gap reflected in the failure of many national anti-discrimination laws to specifically address age-related discrimination. As a result, differential treatment on the basis of age is often considered permissible, and older persons, including those with disabilities, therefore do not enjoy the same rights on an equal basis with their younger peers. Discriminatory provisions, such as mandatory retirement age and age limits on access to health care, education, social protection and financial services, are frequently considered legitimate.

25. In vielen Ländern sind ältere Menschen, die im fortgeschrittenen Alter eine Behinderung erwerben, von Programmen für Menschen mit Behinderungen ausgeschlossen. So haben Menschen über 70 oft keinen Anspruch auf Fördergelder im Zusammenhang mit einer Behinderung (z. B. für den Kauf eines behindertengerechten Fahrzeugs). Dies ist insofern problematisch, als Programme zugunsten von Menschen mit Behinderungen eher auf die Förderung der sozialen Inklusion und Teilhabe abzielen als es Programme für ältere Menschen tun, die in hohem Maße auf dem medizinischen Modell beruhen. Dazu kommt, dass die Erwartungen in Bezug auf die Erhaltung oder Verbesserung der Funktionsfähigkeit im fortgeschrittenen Alter niedriger sind und älteren Menschen mit Behinderungen aus diesem Grund häufig weniger Rehabilitationsdienste angeboten werden. Solche Dienste sind jedoch für die Förderung des Wohlergehens dieser Menschen entscheidend, da sie ihre Gesundheit und Funktionsfähigkeit erhalten oder deren Verschlechterung verlangsamen. So werden Menschen mit Demenz in manchen Ländern Rehabilitationsdienste gar nicht angeboten, und Gesundheitsfachkräfte sehen die Erkrankung weder als Ursache für eine Behinderung an, noch behandeln sie sie als solche.

25. In vielen Ländern sind ältere Menschen, die im fortgeschrittenen Alter eine Behinderung erwerben, von Programmen für Menschen mit Behinderungen ausgeschlossen. So haben Menschen über 70 oft keinen Anspruch auf Fördergelder im Zusammenhang mit einer Behinderung (z. B. für den Kauf eines behindertengerechten Fahrzeugs). Dies ist insofern problematisch, als Programme zugunsten von Menschen mit Behinderungen eher auf die Förderung der sozialen Inklusion und Teilhabe abzielen als es Programme für ältere Menschen tun, die in hohem Maße auf dem medizinischen Modell beruhen. Dazu kommt, dass die Erwartungen in Bezug auf die Erhaltung oder Verbesserung der Funktionsfähigkeit im fortgeschrittenen Alter niedriger sind und älteren Menschen mit Behinderungen aus diesem Grund häufig weniger Rehabilitationsdienste angeboten werden. Solche Dienste sind jedoch für die Förderung des Wohlergehens dieser Menschen entscheidend, da sie ihre Gesundheit und Funktionsfähigkeit erhalten oder deren Verschlechterung verlangsamen. So werden Menschen mit Demenz in manchen Ländern Rehabilitationsdienste gar nicht angeboten, und Gesundheitsfachkräfte sehen die Erkrankung weder als Ursache für eine Behinderung an, noch behandeln sie sie als solche.

26. Wenn Altersdiskriminierung nicht verboten ist, hat dies den Nachteil, dass die Politik es unter Umständen verabsäumt, Maßnahmen zur Förderung der Rechte älterer Menschen mit Behinderungen zu ergreifen. Da Alter in der Regel nicht explizit als verbotener Diskriminierungsgrund angesehen wird, bleibt oft unberücksichtigt, dass die Staaten verpflichtet sind, die mit dem Altern verbundenen strukturellen Nachteile zu verringern und/oder positive Maßnahmen zu ergreifen, um die tatsächliche Gleichstellung älterer Menschen herbeizuführen.¹⁹ Zudem besteht in vielen Ländern keine Verpflichtung, angemessene Vorkehrungen für ältere Menschen bereitzustellen, und Menschen, die eine Behinderung erwerben, sind sich nicht immer bewusst, dass eine Verpflichtung zur Bereitstellung angemessener Vorkehrungen für Menschen mit Behinderungen besteht. Solange ältere Menschen sich nicht als Menschen mit Behinderungen sehen, profitieren sie also unter Umständen nicht von den im Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen festgelegten Maßnahmen zur Herstellung der Gleichberechtigung.


¹⁹ Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights, „Normative standards in inter-national human rights law in relation to older persons“, analytisches Ergebnispapier, 2012, S. 9–11.

26. A drawback related to the lack of a prohibition of discrimination on the basis of age is that policymakers may disregard the need to adopt positive measures in relation to the rights of older persons with disabilities. As age is in general not explicitly considered a prohibited ground of discrimination, the obligation of States to reduce the structural disadvantages associated with older age and/or to ensure positive measures to achieve de facto equality of older persons is often overlooked.¹⁹ Moreover, in many countries there is no obligation to provide reasonable accommodation to this group, and those who acquire a disability may not be aware of the obligation to provide reasonable accommodation to persons with disabilities. Therefore, as long as older persons do not recognize themselves as persons with disabilities, they may not benefit from the equality measures established in the Convention on the Rights of Persons with Disabilities.

¹⁹ Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights, “Normative standards in international human rights law in relation to older persons”, analytical outcome paper, 2012, pp. 9–11.

27. Ältere Menschen mit Behinderungen sind eine heterogene Gruppe mit einem breiten Spektrum an Beeinträchtigungen und Identitätsmerkmalen wie Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität, Sprache, Religion und nationale, ethnische, indigene oder soziale Herkunft. Das Zusammenspiel dieser Merkmale schafft weitere Formen sich überschneidender und mehrfacher Formen von Diskriminierung. So können etwa sozioökonomische Disparitäten zwischen älteren Menschen mit Behinderungen dazu führen, dass ältere Angehörige von Minderheiten keinen gleichgestellten Zugang zu häuslichen und gemeindenahen Optionen erhalten, was manche Minderheiten stärker betrifft als andere.²⁰

²⁰ Zhanlian Feng et al., „Growth of racial and ethnic minorities in US nursing homes driven by de-mographics and possible disparities in options“, Health Affairs, Vol. 30, Nr. 7 (Juli 2011), S. 1358–1365.

27. Older persons with disabilities are a heterogeneous group covering a wide range of impairments and identity traits, such as race, colour, sex, sexual orientation, gender identity, language, religion and national, ethnic, indigenous or social origin. The interplay of these traits produces further intersecting and multiple forms of discrimination. For example, socioeconomic disparities among older persons with disabilities may lead to the unequal access of older minority populations to home and community-based alternatives, affecting some minority groups more than others.²⁰



²⁰ Zhanlian Feng and others, “Growth of racial and ethnic minorities in US nursing homes driven by demographics and possible disparities in options”, Health Affairs, vol. 30, No. 7 (July 2011), pp. 1358–1365.

28. Was humanitäre Notlagen betrifft, so sind ältere Menschen mit Behinderungen während Konflikten oder Naturkatastrophen teils stärker gefährdet, laufen aufgrund körperlicher und institutioneller Barrieren eher Gefahr, bei der Verteilung humanitärer Hilfsgüter zu kurz zu kommen, sind unverhältnismäßig stark von Barrieren beim Zugang zu Gesundheits- und Rehabilitationsdiensten betroffen und sind von Entscheidungsprozessen über humanitäre Maßnahmen oder ihr Leben betreffende Fragen ausgeschlossen.²¹

²¹ Phillip Sheppard und Sarah Polack, Missing Millions: How Older People with Disabilities are Ex-cluded from Humanitarian Response (London, HelpAge International, 2018).

28. In the context of humanitarian emergencies, older persons with disabilities may be at greater risk during conflicts or natural disasters; more likely to miss out on humanitarian aid distribution owing to physical and institutional barriers; disproportionately affected by barriers to access to health and rehabilitation services; and left out in decision-making processes about humanitarian action or issues affecting their lives.²¹


²¹ Phillip Sheppard and Sarah Polack, Missing Millions: How Older People with Disabilities are Excluded from Humanitarian Response (London, HelpAge International, 2018).

C. Autonomie und Rechts- und Handlungsfähigkeit

29. Aufgrund der Überschneidungen zwischen Behinderung und Altern besteht für ältere Menschen mit Behinderungen ein erhöhtes Risiko der Einschränkung ihres Rechts auf Autonomie und auf die Ausübung ihrer Rechts- und Handlungsfähigkeit. Diese Fähigkeit wird nicht nur aufgrund einer tatsächlichen oder vermeintlichen Beeinträchtigung eingeschränkt, sondern unter anderem auch aufgrund von negativer Wahrnehmung (beispielsweise als „gebrechlich und senil“), Einkommensverlust und Vernachlässigung durch An-gehörige. Daher werden ältere Menschen mit Behinderungen häufiger rechtlicher Betreuung unterstellt, in Einrichtungen untergebracht, am Verlassen ihres Zuhauses gehindert und gegen ihren Willen behandelt als ältere Menschen ohne Behinderungen. Besonders Personen mit Demenz wird unterstellt, dass sie nur geringe oder sogar gar keine Handlungsfähigkeit besitzen. Oft reicht eine Alzheimer- oder Demenzdiagnose als Rechtfertigung aus, um den Betroffenen die Ausübung von Rechten wie des Rechts auf Heirat oder auf Verfassen eines Testaments zu verweigern. Personen mit psychosozialen Behinderungen werden mit zunehmendem Alter häufiger Zwangsbehandlungen unterzogen und laufen zunehmend Gefahr, rechtlicher Betreuung unterstellt und dauerhaft in eine Einrichtung eingewiesen zu werden und weniger Zugang zu alternativen psychiatrischen Diensten oder sozialer Unterstützung im Rahmen des Modells der unabhängigen Lebensführung zu haben.

C. Autonomy and legal capacity

29. Given the intersection between disability and age, older persons with disabilities experience an increased risk of limitations on their right to autonomy and on the exercise of their legal capacity. Grounds for the denial of legal capacity are not limited to the existence or perception of an impairment but include other factors such as negative perceptions (e.g. being perceived as “frail and senile”), loss of income and family abandonment. As a result, older persons with disabilities are more likely to be subject to guardianship, institutionalization, home confinement and involuntary treatment than those without disabilities. Persons with dementia in particular have been assumed to possess weak or even no agency. The diagnosis of Alzheimer’s disease or dementia alone is often the justification for the denial of the exercise of rights such as the right to marry or to make a will. Persons with psychosocial disabilities continue to be exposed to forced treatment as they age, with increased vulnerability to guardianship and permanent institutionalization and with less access to alternative mental health services or to social support under the independent living model.

30. Selbst wenn sie Entscheidungen ohne Stellvertretung treffen können, sehen sich viele ältere Menschen mit Behinderungen de facto ihrer Rechts- und Handlungsfähigkeit beraubt. So dürfen sie oft ohne die Zustimmung ihrer Familienangehörigen keine autonomen Entscheidungen treffen, oder Entscheidungen über medizinische Versorgung und soziale Betreuung, einschließlich Palliativversorgung und Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Lebensende, werden ohne ihre Einwilligung nach vorheriger Aufklärung getroffen. Der Wille und die Präferenzen älterer Menschen mit Behinderungen im Hinblick auf ihren Tagesablauf (was sie essen oder wie sie sich kleiden, wann sie zu Bett gehen und sogar ob und wann sie die Toilette benutzen) werden zum Teil vollkommen ignoriert. Ältere Frauen mit Behinderungen sehen sich bei der Ausübung ihrer Rechts- und Handlungsfähigkeit besonderen Problemen gegenüber. Manche sind nach dem Tod ihres Ehepartners nicht dazu berechtigt, das eheliche Vermögen zu erben und zu verwalten. In anderen Fällen wird ihre Rechts- und Handlungsfähigkeit ohne ihre Zustimmung gesetzlich oder de facto auf Anwälte oder Familienmitglieder übertragen.²²

²² Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau, Allgemeine Empfehlung Nr. 27, Ziff. 27.

30. Even when there is no substitute decision-making regime in place, in practice many older persons with disabilities are de facto deprived of their legal capacity. For example, they are often restricted from making autonomous decisions without the consent of their family members, or their informed consent is not sought for medical treatment and social care, including palliative care and end-of-life decisions. The will and preferences of older persons with disabilities regarding daily living arrangements, such as what to eat, what to wear, what time to go to bed or even whether and when to use the bathroom, are sometimes completely disregarded. Older women with disabilities face particular challenges in relation to their legal capacity. They may not have the right to inherit and administer marital property upon the death of their spouse, or their legal capacity is deferred by law or de facto to lawyers or family members without their consent.²²

²² Committee on the Elimination of Discrimination against Women, general recommendation No. 27, para. 27.

31. Der Grundsatz der universellen Rechts- und Handlungsfähigkeit wurde in Artikel 12 des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen festgelegt. Er schützt die Gleichheit vor dem Recht für alle Menschen mit einer vermeintlichen oder tatsächlichen Behinderung ungeachtet ihres Alters. Ein hoher Unterstützungsbedarf kann keine Rechtfertigung für die Verweigerung der Autonomie und der Rechts- und Handlungsfähigkeit sein. Autonomieverlust ist kein natürlicher, sondern ein sozialer Prozess, der dann entsteht, wenn eine Gesellschaft nicht den Willen und die Präferenzen aller Menschen achtet und unterstützt. Ältere Menschen mit Behinderungen haben das Recht, ihre Rechts- und Handlungsfähigkeit beizubehalten und Zugang zu Unterstützung bei Entscheidungen zu erhalten. Ihre Handlungsfähigkeit muss anerkannt und erleichtert werden. Ferner sollten alle Gesundheits- und sozialen Betreuungsdienste auf der Grundlage der freien Einwilligung nach vorheriger Aufklärung der Betroffenen bereitgestellt und alle Gesetze aufgehoben werden, die eine unfreiwillige Behandlung oder Unterbringung in Einrichtungen mit Genehmigung Dritter, beispielsweise Familienangehöriger, oder aufgrund einer tatsächlichen oder vermeintlichen psychischen Erkrankung oder anderen Beeinträchtigung zulassen (siehe A/HRC/37/56).

31. The principle of universal legal capacity is set out in article 12 of the Convention of the Rights of Persons with Disabilities, which protects equality before the law for all persons with a perceived or actual disability, regardless of age. Having high support needs cannot justify the denial of autonomy and legal capacity. Loss of autonomy is not a natural process, but a social process that results from the failure of society to respect and support the will and preferences of all people. Older persons with disabilities have the right to maintain their legal capacity and to have access to supported decision-making, and their agency needs to be recognized and facilitated. Furthermore, all health and social care services should be based on the free and informed consent of the individual concerned, and all laws that allow involuntary treatment or placement in residential care upon the authorization of third parties, such as family members, or on the basis of an actual or perceived mental health condition or other impairment, should be repealed (see A/HRC/37/56).

D. Unabhängige Lebensführung und gemeindenahe Unterstützung

32. Älteren Menschen mit Behinderungen wird oft das Recht auf unabhängige Lebensführung und auf Einbeziehung in die Gemeinschaft verwehrt. Im Gegensatz zu jüngeren Menschen mit Behinderungen, für die eine unabhängige Lebensführung zunehmend befürwortet und unterstützt wird, werden ältere Menschen mit Behinderungen in vielen Ländern häufig zwangsweise in Langzeitbetreuungseinrichtungen wie Alters- und Pflegeheimen untergebracht. In Wahrheit sind viele dieser Einrichtungen geschlossene Institutionen, in denen das Personal den Tagesablauf der Bewohnerinnen und Bewohner kontrolliert und über ihre Betreuung entscheidet. So bestimmt das Personal über ihre Unterbringung in abgesonderten geschlossenen Stationen, die Verabreichung chemischer Substanzen zur Fixierung wie Psychopharmaka und die Anwendung anderer Formen der körperlichen Fixierung. Besonders besorgniserregend ist die Entstehung von Demenzdörfern in entwickelten Ländern, die eine Form der systematischen Absonderung und Isolation von Menschen aufgrund einer Behinderung darstellen.

D. Independent living and community support

32. Older persons with disabilities are often denied the right to live independently and be included in the community. While younger persons with disabilities are increasingly encouraged and provided with support to live independently, in many countries older persons with disabilities are regularly coerced to reside in long-term care facilities, including nursing homes and care homes. Many of these facilities are in fact segregated institutions, where staff exercise control over the person’s daily life and make decisions about the person’s care, including their placement in segregated locked wards, the administration of chemical restraints such as psychotropic drugs and the use of other physical restraints. Of particular concern is the emergence of dementia villages in developed countries, which represent a systemic form of disability-based segregation and isolation.

33. Die Absonderung älterer Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen ist auf den Mangel an hochwertigen gemeindenahen Unterstützungsdiensten zurückzuführen. Grundsätzlich sind der Zugang zu gemeindenaher Unterstützung und die Dienstleistungsqualität für ältere Menschen mit Behinderungen schlechter als für jüngere Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen ohne Behinderungen. So haben viele Länder für den Zugang zu persönlicher Assistenz und häuslicher Unterstützung für Menschen mit Behinderungen Altersgrenzen eingeführt. Da die Dienstleistungsmodelle für ältere Menschen sich oft von denen für Menschen mit Behinderungen unterscheiden, haben Menschen, die im fortgeschrittenen Alter eine Beeinträchtigung erwerben, weniger Möglichkeiten zur Wahrnehmung ihrer Autonomie und erhalten häufiger nur eine rudimentäre gemeindenahe Unterstützung.

33. At the root of the segregation of older persons with disabilities in institutions lies the lack of quality support services within the community. In general, older persons with disabilities have less access to community support and enjoy services of a lower quality than their younger peers with disabilities or older persons without disabilities. For example, many countries have established age limits on access to personal assistance and home support for persons with disabilities. As service models targeting both older persons and persons with disabilities are often distinct, persons who acquire an impairment later in life have fewer options to exercise autonomy and are more likely to receive rudimentary support in the community.

34. Die mangelnde Unterstützung führt auch dazu, dass ältere Menschen mit Behinderungen zu sehr auf informelle Unterstützung angewiesen sind, vorwiegend durch Familienangehörige und persönliche Netzwerke.²³ Innerhalb der Familie sind es in erster Linie die Frauen, ob mit oder ohne Behinderung, die die informelle Unterstützung für ältere Menschen mit Behinderungen übernehmen. Dafür erhalten sie in der Regel weder Unterstützung noch familienentlastende Pflegedienste, Ausbildung oder finanzielle Hilfe. Diese prekäre Lage kann für ältere Menschen mit Behinderungen ein höheres Risiko der Isolation und der Abhängigkeit von den Zeitplänen und Präferenzen ihrer Betreuungspersonen bergen und dazu führen, dass sie zum Umzug in eine andere Stadt oder ein anderes Land gezwungen werden, sie keine autonomen Entscheidungen über verschiedene Lebensaspekte treffen können, ihnen ein Tagesablauf aufgezwungen wird, ihnen in ihrer häuslichen Umgebung die Freiheit entzogen wird und sie Missbrauch und Vernachlässigung ausgesetzt sind. Alle diese Praktiken hindern ältere Menschen mit Behinderungen daran, selbst in ihrer häuslichen Umgebung und in ihrer eigenen Gemeinschaft unabhängig und inmitten der Gemeinschaft zu leben.

²³ Titti Mattsson, „Age, vulnerability and disability“, in Ageing, Ageism and the Law: European Perspec-tives on the Rights of Older Persons, Israel Doron und Nena Georgantzi, Hrsg. (Cheltenham, Edward Elgar Publishing, 2018), S. 37–49.

34. The lack of support also leads to an overreliance on informal forms of support for older persons with disabilities, primarily from their families and personal networks.²³ Within families, women with and without disabilities are the predominant providers of informal support for older persons with disabilities, which is routinely provided without any support or respite services, training or financial assistance. This precarious situation may result in an increased risk of older persons with disabilities being isolated and dependent on the schedules and preferences of their caregivers, which may entail their being forced to move to another city or country; the denial of autonomy over decisions about different aspects of life; enforced routines; deprivation of liberty in the home; and exposure to abuse and neglect. All these practices prevent older persons with disabilities from living independently and within the community, even if they live at home and in their own community.

²³ Titti Mattsson, „Age, vulnerability and disability“, in Ageing, Ageism and the Law: European Perspec-tives on the Rights of Older Persons, Israel Doron und Nena Georgantzi, Hrsg. (Cheltenham, Edward Elgar Publishing, 2018), S. 37–49.

35. In Artikel 19 des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wird anerkannt, dass alle Menschen mit Behinderungen ungeachtet ihres Alters und ihrer Beeinträchtigung ein Recht auf unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft haben. Dies umfasst das Recht zu entscheiden, wo, wie und mit wem sie leben, den Zugang zu einer Reihe von gemeindenahen Unterstützungsdiensten, einschließlich der persönlichen Assistenz, der Betreuung zu Hause und in Einrichtungen, und den Zugang zu allgemeinen gemeindenahen Diensten und Einrichtungen, die für Menschen mit Behinderungen inklusiv und barrierefrei sind. Während Standards in Bezug auf ältere Menschen nach wie vor weitgehend das Konzept der „Langzeitbetreuung“ verwenden, ist das Übereinkommen von dem Konzept der Betreuung abgerückt und hat ein Paradigma der Unterstützung entwickelt (siehe A/HRC/34/58). Diese begriffliche Unterscheidung ist Ausdruck der Kritik, die Menschen mit Behinderungen an den Leistungsmodellen der Betreuung üben, dass sie nämlich bevormundend sind, auf dem medizinischen Modell beruhen und die Absonderung, Ruhigstellung und Entmündigung von Menschen mit Behinderungen fördern.

35. The right of all persons with disabilities, regardless of age and impairment, to live independently and be included in the community is recognized in article 19 of the Convention of the Rights of Persons with Disabilities. This right includes the right to choose where, how and with whom to live; access to a range of community support services, including personal assistance, in-home support and residential services; and access to general community services and facilities that are inclusive of and accessible by persons with disabilities. While standards for older persons continue to extensively use the concept of “long-term care”, the Convention has moved away from the notion of care to develop a paradigm of support (see A/HRC/34/58). This terminological difference reflects the criticism of service models of care by the disability community for being paternalistic, reflecting the medical model and promoting the segregation, restraint and disempowerment of persons with disabilities.

E. Freiheit von Gewalt und Missbrauch

36. Ältere Menschen mit Behinderungen sind einem erheblichen Gewalt-, Missbrauchs- und Vernachlässigungsrisiko ausgesetzt. Mehreren Studien zufolge sind körperliche, kognitive und geistige Beeinträchtigungen wesentliche Risikofaktoren für die Misshandlung älterer Menschen.²⁴ So wurde in einer Studie festgestellt, dass ältere Menschen, die an Alzheimer oder anderen Formen von Demenz leiden, 4,8-mal so häufig misshandelt werden wie ältere Menschen ohne diese Erkrankungen.²⁵ Missbrauch, darunter körperliche und psychologische Misshandlung und sexueller Missbrauch, Vernachlässigung durch Betreuungspersonen und finanzielle Ausbeutung, findet sich sowohl im gemeindenahen Umfeld als auch im Rahmen der Betreuung in Einrichtungen, wie zum Beispiel in Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen Unterbringungsformen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind es im gemeindenahen Umfeld zu 90 Prozent Familienmitglieder, darunter Kinder sowie Ehe- und andere Partnerinnen und Partner, die diese Misshandlungen begehen²⁶. Für ältere Menschen mit stärkeren kognitiven Beeinträchtigungen scheint ein höheres Sterblichkeitsrisiko infolge von Missbrauch und Vernachlässigung zu bestehen²7.

 ²⁴ World Health Organization, „Risk factors for elder abuse“, Violence Info. Auf Englisch verfügbar unter apps.who.int/violence-info/studies/.

 ²⁵ Xin Qi Dong, „Elder abuse: systematic review and implications for practice“, Journal of the American Geriatrics Society, Vol. 63, Nr. 6 (Juni 2015), S. 1214–1238.

²⁶ World Health Organization, „Elder abuse: the health sector role in prevention and response“, 2016.

²⁷ Xin Qi Dong, Ruijia Chen und Melissa A. Simon, „Elder abuse and dementia: a review of the re-search and health policy“, Health Affairs, Vol. 33, Nr. 4 (April 2014), S. 642–649.

E. Freedom from violence and abuse

36. Older persons with disabilities face significant risks of violence, abuse and neglect. Several studies have shown that physical, cognitive and mental impairments are a strong risk factor for elder abuse.²⁴ For example, in a study, it was found that older persons with Alzheimer’s disease or other forms of dementia were 4.8 times more likely to experience elder abuse than those without these conditions.²⁵ These abuses occur both in the community and in institutionalized settings, including hospitals, nursing homes and other residential settings, and include physical, psychological and sexual abuse, caregiver neglect and financial exploitation. According to the World Health Organization, 90 per cent of all abusers in community settings are family members, including children, spouses and partners.²⁶ The risk of mortality from abuse and neglect seems to be higher in older adults with greater levels of cognitive impairments.²⁷

²⁴ World Health Organization, “Risk factors for elder abuse”, Violence Info. Available at apps.who.int/violence-info/studies/;

²⁵ Xin Qi Dong, “Elder abuse: systematic review and implications for practice”, Journal of the American Geriatrics Society, vol. 63, No. 6 (June 2015), pp. 1214–1238.

²⁶ World Health Organization, “Elder abuse: the health sector role in prevention and response”, 2016. 

²⁷ Xin Qi Dong, Ruijia Chen and Melissa A. Simon, “Elder abuse and dementia: a review of the research and health policy”, Health Affairs, vol. 33, No. 4 (April 2014), pp. 642–649.

37. In der Langzeitbetreuung, wo ältere Menschen mit Behinderungen stark vertreten sind, ist der Missbrauch älterer Menschen ein kritisches Problem. Zahlreichen Berichten und Studien zufolge ist der Missbrauch älterer Menschen in Einrichtungen häufig, wobei vermutlich eine hohe Dunkelziffer besteht, weil viele Fälle nicht entsprechend aufgedeckt und/oder gemeldet werden²⁸. Menschen mit Demenz sind wegen ihres hohen Unterstützungsbedarfs und der Verständigungsschwierigkeiten besonders gefährdet. Ebenso wie Menschen, bei denen psychische Erkrankungen diagnostiziert wurden, werden ihnen häufig gegen ihren Willen Neuroleptika und andere Psychopharmaka als eine Form der chemischen Fixierung oder unter dem Vorwand einer therapeutischen „Behandlung“ verabreicht²⁹. Außerdem sind die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen und betreuten Wohneinrichtungen häufig unzureichend über das Angebot an Schutzdiensten für Erwachsene informiert und im Unklaren darüber, welche Optionen ihnen im Fall einer nicht optimalen Betreuung offenstehen. Ältere Frauen mit Behinderungen, die sexuelle Gewalt überlebt haben, sehen sich bei der Enthüllung dieser Tatsache und dem Zugang zur Justiz besonderen Hindernissen gegenüber, weshalb ihre Erfahrungen oft im Verborgenen bleiben³0. Wenn sie den Missbrauch doch anzeigen, werden ältere Frauen, insbesondere wenn sie kognitive Beeinträchtigungen haben, wegen Gedächtnisproblemen unter Umständen nicht als verlässliche Zeuginnen angesehen.

²⁸ Elizabeth Bloemen et al., „Trends in reporting of abuse and neglect to long term care ombudsmen: data from the national ombudsman reporting system from 2006 to 2013“, Geriatric Nursing, Vol. 36, Nr. 4 (Juli–August 2015), S. 281–283; und Britt-Inger Saveman et al., „Elder abuse in residential set-tings in Sweden“, Journal of Elder Abuse & Neglect, Vol. 10, Nr. 1–2 (1999), S. 43–60.

²⁹ Human Rights Watch, „They Want Docile: How Nursing Homes in the United States Overmedicate People with Dementia“ (United States, Human Rights Watch, 2018).

³⁰ Bianca Fileborn, „Sexual assault and justice for older women: a critical review of the literature“, Trauma, Violence, & Abuse, Vol. 18, Nr. 5 (Dezember 2017), S. 496–507.

37. In long-term care settings, in which older persons with disabilities represent a significant proportion of the residents, elder abuse is a critical issue. Numerous reports and studies have shown high rates of elder abuse in institutions, which are likely to be underestimated owing to the lack of proper detection and/or reporting.²⁸ Persons with dementia are particularly at risk owing to their high support needs and communication difficulties. They, along with persons diagnosed with mental health conditions, are often administered neuroleptics and other psychotropic drugs as a form of chemical restraint or in the guise of therapeutic “treatment” against their will.²⁹ Furthermore, residents of nursing homes and assisted living facilities are often poorly informed of existing adult protective services and remain uncertain about options when care is not optimal. Older women with disabilities who are survivors of sexual violence face particular barriers to disclosure and access to justice, resulting in their experiences remaining hidden.³0 When they do report abuse, older women, in particular those with cognitive disabilities, may be viewed as poor witnesses owing to memory problems.

²⁸ Elizabeth Bloemen and others, “Trends in reporting of abuse and neglect to long term care ombudsmen: data from the national ombudsman reporting system from 2006 to 2013”, Geriatric Nursing, vol. 36, No. 4 (July–August 2015), pp. 281–283; and Britt-Inger Saveman and others, “Elder abuse in residential settings in Sweden”, Journal of Elder Abuse & Neglect, vol. 10, Nos. 1–2 (1999), pp. 43–60.

²⁹ Human Rights Watch, “They Want Docile”: How Nursing Homes in the United States Overmedicate People with Dementia (United States, Human Rights Watch, 2018).  

³⁰ Bianca Fileborn, “Sexual assault and justice for older women: a critical review of the literature”, Trauma, Violence, & Abuse, vol. 18, No. 5 (December 2017), pp. 496–507.

38. Nach Artikel 16 des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen sind die Vertragsstaaten verpflichtet, alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um Menschen mit Behinderungen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Wohnung vor jeder Form von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch, einschließlich ihrer geschlechtsspezifischen Aspekte, zu schützen. Dazu gehören auch eine geeignete, das Geschlecht und das Alter berücksichtigende Unterstützung für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien und Betreuungspersonen, eine wirksame Überwachung aller Einrichtungen und Programme, die für Menschen mit Behinderungen bestimmt sind, sowie geeignete Maßnahmen, um die Genesung, die Rehabilitation und die soziale Wiedereingliederung derjenigen zu fördern, die Missbrauch überlebt haben. Alle diese Standards gelten für ältere Menschen mit Behinderungen unabhängig davon, ob sie zu Hause oder in einer Wohneinrichtung leben.

38. Under article 16 of the Convention of the Rights of Persons with Disabilities, States parties are required to take all appropriate measures to protect persons with disabilities, both within and outside the home, from all forms of exploitation, violence and abuse, including their gender-based aspects. This includes the provision of appropriate gender- and age-sensitive support for persons with disabilities and their families and caregivers; effective monitoring of all facilities and programmes designed to serve persons with disabilities; and appropriate measures to promote the recovery, rehabilitation and social reintegration of survivors. All these standards apply to older persons with disabilities regardless of whether they live at home or in a residential setting.

F. Sozialer Schutz

39. Ältere Menschen mit Behinderungen tragen ein erhebliches Armutsrisiko. Aufgrund eines gesetzlich vorgeschriebenen Ruhestandsalters haben viele ältere Menschen mit Behinderungen nicht das Recht, weiter erwerbstätig zu sein, auch wenn sie es wünschen. Dies stellt nicht nur eine willkürliche Einschränkung des Rechts auf Arbeit dar, sondern kann auch zu Einkommensverlusten führen und ältere Menschen in ihrer autonomen Lebensführung beeinträchtigen. Darüber hinaus tragen ältere Menschen mit Behinderungen im Zusammenhang mit ihrer Behinderung eine Reihe von Zusatzkosten, die für ältere Menschen ohne Behinderung nicht anfallen. Diese Kosten entstehen einerseits für Produkte und Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Behinderung (zum Beispiel Mobilitätshilfen, unterstützende Geräte und persönliche Assistenz), andererseits häufig auch aufgrund mangelnder Barrierefreiheit (zum Beispiel Transportmittel) oder aufgrund von Diskriminierung (zum Beispiel Krankenversicherung).

F. Social protection

39. Older persons with disabilities are at significant risk of living in poverty. Owing to mandatory retirement ages, many older persons with disabilities do not have the right to continue working even if they wish to do so. This is not only an arbitrary restriction on the right to work, but it may also lead to loss of income and affect the ability of older persons to lead autonomous lives. In addition, older persons with disabilities incur a range of disability-related extra costs that their peers without disabilities do not have. Some of these costs are for disability-related goods and services (e.g. mobility aids, assistive devices and personal assistance), while manyothers are the result of the lack of accessibility (e.g. transportation) or discrimination (e.g. medical insurance).

40. Ältere Menschen mit Behinderungen erhalten häufig keine behinderungsbezogenen Dienst- oder Versorgungsleistungen, wie etwa Invaliditätsrenten und Mobilitätsbeihilfen, da von der Annahme ausgegangen wird, dass Altersrenten einen Einkommensersatz für diejenigen darstellen, die aufgrund einer Behinderung nicht mehr arbeiten können. Menschen mit Behinderungen haben jedoch aufgrund höherer Arbeitslosigkeit, Nichterwerbstätigkeit und informeller Beschäftigung wesentlich weniger Möglichkeiten, in beitrags-pflichtige Systeme einzuzahlen, als Menschen ohne Behinderungen und dementsprechend im Alter geringere Chancen auf Bezug einer Altersrente. Hinzu kommt, dass beim Zugang zu Altersrenten deutliche Unterschiede bestehen: In Regionen mit hohem Einkommen erhalten mehr als 95 Prozent der Menschen im Ruhestandsalter eine Altersrente, während es in Zentral- und Südasien nur 26 Prozent und in Afrika südlich der Sahara lediglich 23 Prozent sind³¹.

³¹ Promoting Inclusion through Social Protection: Report on the World Social Situation 2018, S. 47.

40. Older persons with disabilities are often excluded from receiving disability services or benefits, including disability pensions and mobility allowances, on the assumption that retirement pensions represent an income replacement for those who can no longer work owing to disability. However, persons with disabilities have considerably fewer opportunities to contribute to contributory schemes than persons without disabilities, owing to their higher unemployment rates, economic inactivity and informal employment. Therefore, those ageing with a disability have fewer chances of receiving a pension. Moreover, there are considerable discrepancies in terms of access to pensions, with more than 95 per cent of people above retirement age receiving a pension in high-income regions, compared with only 26 per cent in Central and Southern Asia and 23 per cent in sub-Saharan Africa.³¹

³¹ Promoting Inclusion through Social Protection: Report on the World Social Situation 2018, p. 47.

41. Zwar gibt es in vielen Ländern beitragsfreie Altersrenten, die zumindest ein gesichertes Grundeinkommen im Alter garantieren sollen, jedoch sind die Leistungen daraus häufig niedriger als bei beitragspflichtigen Altersrenten. Daher liegt die Wahrscheinlichkeit für ältere Menschen mit Behinderungen niedriger, über ausreichende Mittel zur Deckung ihrer behinderungsbedingten Bedürfnisse zu verfügen. Für Menschen mit Behinderungen, beispielsweise mit Down-Syndrom, bei denen alterungsbedingte Beeinträchtigungen frühzeitig einsetzen, ist unter Umständen ein vorzeitiger Ruhestand erforderlich. In vielen Ländern besteht darauf jedoch kein Anspruch, oder die Bezüge liegen deutlich unter dem Durchschnitt. Ältere Frauen mit Behinderungen sehen sich im Hinblick auf den Zugang zu angemessenem sozialem Schutz zusätzlichen Schwierigkeiten gegenüber, da sie im Durchschnitt weniger häufig erwerbstätig sind und eine höhere Lebenserwartung haben als Männer.

41. While many countries have implemented non-contributory pensions to guarantee at least basic income security in old age, they are frequently of a lower amount than contributory pensions. Older persons with disabilities are therefore less likely to have adequate resources to pay for their disability-related needs. Persons with disabilities who experience an early onset of conditions associated with ageing, such as persons with Down syndrome, may be in need of early retirement. However, in many countries, they may not qualify for early retirement or the resulting pension will be significantly lower than the average. Older women with disabilities face additional difficulties in obtaining access to appropriate social protection, as on average they are less likely to work and have a higher life expectancy than men.

42. Ältere Menschen mit Behinderungen sind bei der Inanspruchnahme von Dienst- und Versorgungsleistungen häufig Diskriminierung ausgesetzt. So wird ihnen unter Umständen kein gleichberechtigter Zugang zu unterstützenden Technologien angeboten, weil angenommen wird, dass sie nicht fähig oder willens sind, sich neuer Technologien zu bedienen und sich auf diese einzustellen. Da gesundheitliche Beeinträchtigungen als ein Symptom des Älterwerdens und nicht als behandlungsbedürftige Erkrankung angesehen werden, sind ältere Menschen mit Behinderungen regelmäßig von medizinischen Behandlungsangeboten wie Vorsorgeuntersuchungen, chirurgischen Eingriffen und Organtransplantationen ausgeschlossen. Ebenso kommen sie weniger häufig in den Genuss von Initiativen zur Nutzbarmachung ihres Potenzials, wie zum Beispiel Schulungen. Darüber hinaus finden sich ältere Menschen mit Behinderungen häufig von Dienst- und Versorgungsleistungen ausgeschlossen, für deren Inanspruchnahme eine offizielle Bescheinigung ihrer Behinderung erforderlich ist, weil ihre funktionellen Einschränkungen als natürliche Begleiterscheinung des Alterns betrachtet werden. Dies kann dazu führen, dass das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Praxis nicht auf ältere Menschen mit Behinderungen angewandt wird.

42. Older persons with disabilities often experience discrimination in the enjoyment of services and benefits. For example, because they are seen as incapable or unwilling to adopt and adapt to new technologies, they may not be offered equal access to assistive technologies. In addition, because ill health is seen as a symptom of older age instead of as a medical condition that merits treatment, older persons with disabilities are regularly excluded from medical interventions, including preventive screening, surgical treatment and organ transplantation. Similarly, they are less likely to benefit from initiatives aiming to harness their potential, such as training. Furthermore, where disability certification is a prerequisite for access to benefits or services, older persons with disabilities are often excluded, as their functional limitations are considered to be a natural aspect of ageing. This may result in the Convention on the Rights of Persons with Disabilities not being applied to older persons with disabilities in practice.

43. Angemessen angelegte und umgesetzte Sozialschutzsysteme können bei der Gewährleistung der Einkommenssicherheit und des Zugangs zu grundlegenden Diensten wie Gesundheits- und Unterstützungsleistungen für ältere Menschen mit Behinderungen eine wesentliche Rolle spielen (siehe A/70/297). Nach Artikel 28 des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen müssen die Vertragsstaaten das Recht von Menschen mit Behinderungen auf sozialen Schutz ohne Diskriminierung anerkennen und geeignete Schritte zum Schutz und zur Förderung der Verwirklichung dieses Rechts unternehmen. Dieser Schutz umfasst den Zugang zu allgemeinen Sozialschutzprogrammen und -diensten, einschließlich Grundversorgung, Armutsbekämpfungsprogrammen, Wohnraumprogrammen sowie Ruhestandsleistungen und -programmen, ebenso wie zu spezifischen Programmen und Dienstleistungen zur Deckung der mit einer Behinderung verbundenen Bedürfnisse und Kosten. Darüber hinaus muss der soziale Schutz für ältere Menschen mit Behinderungen anstelle von Bevormundung, Abhängigkeit und Absonderung eine aktive Wahrnehmung bürgerlicher Rechte und Pflichten, die soziale Inklusion und die Teilhabe an der Gemeinschaft fördern. Wird älteren Menschen mit Behinderungen keine finanzielle Unterstützung, beispielsweise eine Invaliditätsrente, angeboten, so stellt dies eine Form der Diskriminierung aufgrund von Alter und Behinderung dar.

43. When adequately designed and implemented, social protection systems can play a significant role in ensuring income security and access to essential services, including health and support, for older persons with disabilities (see A/70/297). According to article 28 of the Convention on the Rights of Persons with Disabilities, States parties must recognize the right to social protection of persons with disabilities without discrimination and take appropriate steps to safeguard and promote its realization. Such protection includes access to mainstream social protection programmes and services – including basic services, poverty reduction programmes, housing programmes and retirement benefits and programmes – as well as access to specific programmes and services for disability-related needs and expenses. Moreover, social protection for older persons with disabilities needs to promote active citizenship, social inclusion and community participation, rather than paternalism, dependence and segregation. The failure to offer financial support, such as disability benefits, to older persons with disabilities constitutes a form of discrimination on the basis of age and disability.

G. Palliativversorgung

44. Im Diskurs über Behinderung galt der Palliativversorgung zur Linderung von Schmerzen und Leiden bisher wenig Aufmerksamkeit, während sie in Diskussionen über die Rechte älterer Menschen ein zentrales Thema ist. Erwiesenermaßen erhalten Menschen über 85 weniger oft Zugang zu Palliativversorgung als Jüngere, wobei ältere Menschen mit Demenz besonders gefährdet sind³². Diese diskriminierende Behandlung geht auf altersdiskriminierende Einstellungen zurück und kann zu Vernachlässigung, fehlender Unterstützung, mangelnden Leistungen und zur Missachtung des Willens und der Präferenzen der betreffenden Person führen. Darüber hinaus werden Leistungen im Rahmen der Palliativversorgung fälschlicherweise ausschließlich mit einer Betreuung am Lebensende oder mit spezifischen Erkrankungen wie Krebs in Verbindung gesetzt, und ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen bleiben weitgehend unberücksichtigt.

³² Lara Pivodic et al., „Palliative care service use in four European countries: a cross-national retro-spective study via representative networks of general practitioners“, PLOS ONE, Vol. 8, Nr. 12 (Dezember 2013).

G. Palliative care

44. Palliative care for the alleviation of pain and suffering has received little attention in the disability discourse. However, it has been a central issue in discussions on the rights of older persons. Evidence shows that people over the age of 85 years are less likely to have access to palliative care than younger individuals, with older persons with dementia being particularly at risk.³² Discriminatory treatment is driven by ageist attitudes, which may lead to neglect, lack of support and services, and disregard of individual will and preferences. In addition, palliative care services are incorrectly associated with only end-of-life situations or specific conditions such as cancer, leaving older persons with chronic conditions largely uncovered.

³² Lara Pivodic and others, “Palliative care service use in four European countries: a cross-national retrospective study via representative networks of general practitioners”, PLOS ONE, vol. 8, No. 12 (December 2013).

45. Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen schützt das Recht älterer Menschen mit Behinderungen, gleichberechtigt mit anderen Zugang zu Palliativversorgung zu erhalten. Eine Diskriminierung beim Zugang zu Palliativversorgung aufgrund von Behinderung ist verboten (Artikel 5). Darüber hinaus müssen die Vertragsparteien Menschen mit Behinderungen eine unentgeltliche oder erschwingliche Gesundheitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität und auf demselben Standard zur Verfügung stellen wie anderen Menschen (Artikel 25 Buchstabe a), einschließlich palliativer Gesundheitsversorgung. Ältere Menschen mit Behinderungen sollten im Rahmen von beitragspflichtigen wie von beitragsfreien Systemen Zugang zu Palliativversorgung haben. Da die Palliativversorgung auf einem interdisziplinären Ansatz beruht, kann die Verpflichtung zur Bereitstellung dieser Leistungen auch an dem Recht auf unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft (Artikel 19) und dem Recht auf Rehabilitation (Artikel 26) festgemacht werden. In dieser Hinsicht muss die Palliativversorgung den Grundsatz der Achtung des Willens und der Präferenzen der betreffenden Person einhalten.

45. The Convention on the Rights of Persons with Disabilities protects the right of older persons with disabilities to have access to palliative care on an equal basis with others. Discrimination in access to palliative care on the basis of disability is prohibited (art. 5). Moreover, States parties must provide persons with disabilities with the same range, quality and standard of free or affordable health care and programmes, including palliative health care, as provided to other persons (art. 25 (a)). Older persons with disabilities under contributory and non-contributory schemes should have access to palliative care. Owing to the interdisciplinary approach of palliative care, the obligation to provide those services can also be grounded in the right to live independently in the community (art. 19) and the right to have access to rehabilitation (art. 26). In this regard, palliative care must adhere to the principle of respect for an individual’s will and preferences.

V. Die Verwirklichung der Rechte älterer Menschen mit Behinderungen

46. Zur Verbesserung der Rechte älterer Menschen mit Behinderungen können die Staaten eine Reihe von Maßnahmen ergreifen, darunter die Überprüfung ihrer rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen und konkrete Schritte in den Bereichen Unterstützung, Barrierefreiheit, Nichtdiskriminierung, Zugang zur Justiz und Teilhabe sowie die Mobilisierung von Ressourcen zur Durchführung dieser Maßnahmen.

V. Fulfilling the rights of older persons with disabilities

46. States can implement a number of measures to improve the rights of older persons with disabilities, including reviewing their legal and policy frameworks; taking concrete measures in the areas of support, accessibility, non-discrimination, access to justice and participation; and mobilizing resources for their implementation.

A. Rechtliche und politische Rahmenbedingungen

47. Die Staaten müssen rechtliche und politische Rahmenbedingungen schaffen, die die volle Wahrnehmung aller Menschenrechte für alle älteren Menschen mit Behinderungen sicherstellen und fördern. Dazu müssen die Staaten in der gesamten Gesetzgebung und Politik einen Menschenrechtsansatz verfolgen und von einem medizinischen und fürsorgegeprägten Ansatz für Behinderung und Altern abgehen. Darüber hinaus sind die Staaten verpflichtet, sofort alle Rechtsvorschriften aufzuheben, nach denen es zulässig ist, älteren Menschen mit Behinderungen auf der Grundlage einer Behinderung und/oder des Alters die Rechts- und Handlungsfähigkeit zu verweigern oder die Freiheit zu entziehen, sie in Einrichtungen einzuweisen oder unfreiwilliger Behandlung zu unterziehen.

A. Legal and policy frameworks

47. States must establish legal and policy frameworks that ensure and promote the full realization of all human rights for all older persons with disabilities. For that purpose, States must adopt a human rights-based approach in all legislation and policies and move away from medical and charity approaches to disability and ageing. In addition, States have an obligation to immediately repeal all legislation that allows the denial of legal capacity, deprivation of liberty, institutionalization and involuntary treatment of older persons with disabilities on the basis of disability and/or age.

48. Die Staaten müssen die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen zu einem festen Bestandteil aller ihrer politischen Konzepte und Programme für ältere Menschen wie für Menschen mit Behinderungen machen. So wird die Lage älterer Menschen mit Behinderungen in den nationalen Aktionsplänen Deutschlands und Sloweniens zu Behinderungsfragen thematisiert. Nationale Strategien und Aktionspläne zu den Themen Altern und Behinderung müssen einander ergänzen und sicherstellen, dass ältere Menschen mit Behinderungen unabhängig von ihrem Alter und ihrer jeweiligen Beeinträchtigung nicht durch den Rost fallen. Ältere Menschen mit psychosozialen Behinderungen müssen in diesen politischen Konzepten in vollem Umfang berücksichtigt werden und dürfen weder zurückgelassen werden noch allein mit Strategien zur geistigen Gesundheit angesprochen werden, die nicht auf einem auf Rechte gestützten Ansatz zum Umgang mit Behinderung beruhen und die Menschenrechte der Betroffenen verletzen könnten.

48. States must mainstream the rights of older persons with disabilities into all their policies and programmes for both older persons and persons with disabilities. For example, the situation of older persons with disabilities is addressed in the national action plans on disability of Germany and Slovenia. National strategies and action plans on ageing and disability must complement each other and ensure that older persons with disabilities, regardless of their age or impairment, do not fall between the cracks. Older persons with psychosocial disabilities must be fully included in these policies and must not be left behind or addressed solely through mental health strategies that lack a rights-based approach to disability and may violate their human rights.

49. Die Staaten müssen vergleichbare, nach Behinderung und Alter aufgeschlüsselte Daten sammeln, damit die Hindernisse, denen sich ältere Menschen mit Behinderungen bei der Ausübung ihrer Rechte in verschiedenen Lebensbereichen gegenübersehen, erkannt und beseitigt werden können. Aufgeschlüsselte Daten sind eine unabdingbare Voraussetzung dafür, feststellen zu können, ob ältere Menschen mit Behinderungen bei der Umsetzung der Agenda 2030 zurückgelassen werden.

49. States must collect comparable disability- and age-disaggregated data to identify and address the barriers faced by older persons with disabilities in exercising their rights across various spheres of life. Disaggregated data is indispensable to assessing whether older persons with disabilities are being left behind in the implementation of the 2030 Agenda.


B. Nichtdiskriminierung

50. Die Staaten müssen jegliche Diskriminierung aufgrund von Behinderung und Alter verbieten.³³ Jede Unterscheidung, Ausschließung oder Beschränkung aufgrund von Behinderung oder Alter oder aufgrund von Überschneidungen zwischen diesen, die zum Ziel oder zur Folge hat, dass die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen eingeschränkt werden, sollte beseitigt werden. So sollten Bestimmungen, durch die ältere Menschen mit Behinderungen aus Gründen des Alters und/oder einer Behinderung davon ausgeschlossen oder dabei eingeschränkt werden, auf Dienst- und Versorgungsleistungen oder Sozialschutzprogramme für Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen zuzugreifen, so geändert werden, dass sie den allgemeinen und gleichberechtigten Zugang erleichtern. Die Staaten müssen außerdem alle geeigneten Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass für ältere Menschen mit Behinderungen angemessene Vorkehrungen getroffen werden.

³³ Committee on the Rights of Persons with Disabilities, general comment No. 6 (2018) on equality and non-discrimination, Ziff. 17.

B. Non-discrimination

50. States must prohibit all discrimination on the grounds of disability and age.³³ Any distinction, exclusion or restriction on the basis of disability or age, or relating to the intersection between the two grounds, that has the purpose or effect of restricting the rights of older persons with disabilities should be eliminated. For example, provisions excluding or restricting the access of older persons with disabilities to disability or age-related services and benefits or to any social protection programme on the basis of age and/or disability should be amended to facilitate universal and equitable access. States must also take all appropriate steps to ensure that reasonable accommodation is provided to older persons with disabilities.

³³ Committee on the Rights of Persons with Disabilities, general comment No. 6 (2018) on equality and non-discrimination, Ziff. 17.

51. Die Staaten müssen älteren Menschen mit Behinderungen gleichen und wirksamen rechtlichen Schutz vor Diskriminierung, gleichviel aus welchen Gründen, garantieren, auch vor sich überschneidenden und mehrfachen Formen der Diskriminierung³⁴. In Spanien hat das Verfassungsgericht entschieden, dass Alter an sich keine Bedingung für eine Einschränkung des Zugangs zu behinderungsbezogener Unterstützung sein kann; diese soll unabhängig vom Alter der Einzelperson bereitgestellt werden³⁵. Außerdem müssen die Staaten erwägen, besondere Maßnahmen zu ergreifen, um die tatsächliche Gleichberechtigung älterer Menschen mit Behinderungen zu beschleunigen oder herbeizuführen, damit diese Menschen verstärkt an verschiedenen Bereichen wie etwa Bildung und Erwerbstätigkeit und am kulturellen und politischen Leben teilhaben können. In Kolumbien bietet ein Programm für soziales Unternehmertum alternative Möglichkeiten zur Schaffung von Einkommen für Menschen mit Behinderungen, einschließlich älterer Menschen mit Behinderungen, die Teil der Schattenwirtschaft sind und im öffentlichen Raum arbeiten.

³⁴ Ebd.

³⁵ Spanisches Verfassungsgericht, Zweite Kammer, A.R.S. gegen die Gemeinde Madrid, Verfassungsbeschwerde Nr. 2699-2016, Urteil Nr. 3/2018, 22. Januar 2018, veröffentlicht im Dokument BOE-A-2018-2459, 21. Februar 2018.

51. States must guarantee to older persons with disabilities equal and effective legal protection against discrimination on all grounds, including intersecting and multiple forms of discrimination.³⁴ In Spain, the Constitutional Court has established that age cannot in itself be a condition for limiting access to disability-related support, which should be provided regardless of the age of the individual.³⁵ In addition, States must consider adopting specific measures to accelerate or achieve de facto equality of older persons with disabilities in order to increase their participation in different areas, such as education, employment, cultural life and political participation. In Colombia, the social entrepreneurship programme offers alternative income generation opportunities for persons with disabilities, including older persons with disabilities, who are part of the informal economy and work in the public space.

³⁴ Ibid.  

³⁵ Constitutional Court of Spain, Second Chamber, A.R.S. v. the Community of Madrid, Amparo Case No. 2699-2016, Judgment No. 3/2018, 22 January 2018, published in document BOE-A-2018-2459, 21 February 2018.

C. Gemeindenahe Unterstützung

52. Die Staaten müssen sicherstellen, dass ältere Menschen mit Behinderungen effektiv Zugang zu einem breiten Spektrum von gemeindenahen Unterstützungsdiensten und -vorkehrungen haben, darunter persönliche Assistenz, Unterstützung bei Entscheidungen, betreute Wohnformen, Mobilitätshilfen, unterstützende Geräte und Technologien, Palliativversorgung und gemeindenahe Dienstleistungen. Diese Unterstützungsdienste müssen für alle Menschen mit Behinderungen unabhängig vom Alter und der jeweiligen Beeinträchtigung verfügbar, zugänglich, erschwinglich, annehmbar und anpassbar sein. Bei der Ausgestaltung und Umsetzung von Unterstützungsdiensten müssen die Staaten für Kohärenz und Abstimmung zwischen allen Programmen, Akteuren und Verwaltungsebenen sorgen, die für die Bereitstellung von Unterstützung für Menschen mit Behinderungen und für ältere Menschen zuständig sind. Die Staaten müssen auch garantieren, dass Dienst- und Versorgungsleistungen weiterlaufen, wenn eine Person von einem System in ein anderes überwechselt.

C. Community-based support

52. States must ensure the effective access of older persons with disabilities to a wide range of community-based support services and arrangements, including personal assistance; support for decision-making; assisted living arrangements; mobility aids; assistive devices and technologies; palliative care; and community services. These support services must be available, accessible, affordable, acceptable and adaptable to all persons with disabilities regardless of age and impairment. When designing and implementing support services, States must ensure coherence and coordination across programmes, actors and levels of government responsible for the provision of support for both persons with disabilities and older persons. States must also guarantee the continuity of benefits and services when a person moves from one system to another.

53. Die gemeindenahe Unterstützung muss älteren Menschen mit Behinderungen sowohl Wahlfreiheit als auch Kontrolle ermöglichen. Dementsprechend müssen alle Unterstützungsdienste in ihrer Inanspruchnahme freiwillig sein und sowohl die Rechte als auch die Würde älterer Menschen mit Behinderungen achten. Die Staaten müssen außerdem garantieren, dass ältere Menschen mit Behinderungen Gelegenheit haben, die von ihnen in Anspruch genommene Unterstützung selbst zu planen und zu steuern, auch durch Vorausplanung und individuelle Ansätze. In Chile bietet das Programm für häusliche Betreuung älteren Menschen mit Behinderungen, die sozioökonomisch schwach sind und über keine Unterstützung durch die Familie verfügen, Unterstützungsdienste für die Bewältigung des Alltags. Darüber hinaus müssen Unterstützungsdienste kulturell angemessen, geschlechts-, beeinträchtigungs- und altersgerecht sowie auf die Achtung der Privatsphäre der Betroffenen hin ausgelegt sein. In Uruguay können ältere Menschen mit Behinderungen Fernunterstützungsdienste in Anspruch nehmen, bei denen sie Verbindung zu einem rund um die Uhr verfügbaren Betreuungszentrum aufnehmen und bei Bedarf Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn zu Hause kontaktieren können.

53. Community-based support must enable choice and control by older persons with disabilities. Accordingly, all support services must be provided on a voluntary basis and respect the rights and dignity of older persons with disabilities. States must also guarantee to older persons with disabilities the opportunity to plan and direct their own support, including through advance planning and personalized approaches. In Chile, the domiciliary care programme provides support services for the realization of activities of daily living to older persons with disabilities who are socioeconomically vulnerable and do not have family support. In addition, support services must be culturally appropriate; sensitive to gender, impairment and age requirements; and designed to respect the privacy of those concerned. In Uruguay, older persons with disabilities can benefit from tele-assistance services, allowing them to activate a connection with a 24-hour care centre and to contact a family member, friend or neighbour in the event of need at home.

54. Kein älterer Mensch mit Behinderungen sollte zu Betreuungszwecken in eine Einrichtung eingewiesen werden. Die Staaten müssen ihre vorhandenen Formen von Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen mit Behinderungen umgestalten und gemeindenahe Unterstützung und Dienste bereitstellen. Zu diesem Zweck sollten die Staaten mittels Strukturreformen unter anderem das Angebot an häuslichen und gemeindenahen Unterstützungsdiensten erhöhen, die Barrierefreiheit innerhalb der Gemeinden verbessern, ausreichende Informationen und Unterstützungsdienste für Betreuungspersonen aus der Familie bereitstellen und den Zugang zu Sozialschutzsystemen gewährleisten, die Menschen mit Behinderungen einschließen. Bei der Langzeitpflege und der Palliativversorgung muss das Recht älterer Menschen mit Behinderungen geachtet werden, innerhalb der Gemeinschaft zu leben, sei es in der eigenen Wohnung, der Wohnung der Familie, in Wohngemeinschaften oder anderen Wohnformen.

54. No older person with disabilities should be institutionalized for the purpose of care. States need to transform their institutional forms of care for older persons with disabilities and to provide support and services within the community. To that end, States should implement structural reforms to, inter alia, increase the provision of inhome and community support; improve accessibility within the community; provide adequate information and support services to family carers; and ensure access to disability-inclusive social protection systems. Long-term care and palliative services must respect the right of older persons with disabilities to live in the community, whether in the person’s own home, the family home, shared housing or another residential living arrangement.

D. Barrierefreiheit

55. Barrierefreiheit ist eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau inklusiver Gesellschaften, in denen ältere Menschen mit Behinderungen ein unabhängiges Leben führen und in allen Lebensbereichen voll teilhaben können. Die Staaten sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die physische Umwelt, die Transportmittel, Information und Kommunikation, einschließlich Informationstechnologien und  -systemen, sowie andere Einrichtungen und Dienste, die der Öffentlichkeit offenstehen oder für sie bereitgestellt werden, barrierefrei sind, unabhängig davon, ob sie öffentlich oder privat sind oder in städtischen, ländlichen oder entlegenen Gebieten bereitgestellt werden. Der Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat mit seiner Allgemeinen Bemerkung Nr. 2 (2014) eine nützliche Orientierungshilfe für die Wahrnehmung der Verpflichtungen im Bereich Barrierefreiheit zur Verfügung gestellt.

D. Accessibility

55. Accessibility is an important condition to build barrier-free, inclusive societies where older persons with disabilities can live independently and participate fully in all aspects of life. States have an obligation to ensure the accessibility of the physical environment, transportation, information and communications, including information technologies and systems, and other facilities and services open or provided to the public, be they public or private, in urban, remote and rural settings. The Committee on the Rights of Persons with Disabilities provided useful guidance on implementing accessibility obligations in its general comment No. 2 (2014) on accessibility.

56. Die Verbesserung der Barrierefreiheit für ältere Menschen mit Behinderungen ist nicht nur ein Menschenrechtsgebot, sondern auch unabdingbar für eine nachhaltige Entwicklung. Wird etwa der Zugang älterer Menschen mit Behinderungen zu Transportmitteln verbessert, so werden sie mobiler und damit unabhängiger, sozial weniger isoliert und körperlich aktiver³⁶. Ebenso kann ein barrierefreierer Wohnraum älteren Menschen mit Behinderungen dabei helfen, im täglichen Leben unabhängig zu bleiben und weniger häusliche Unterstützungsdienste in Anspruch zu nehmen³⁷. Beeinträchtigungen der Seh- und Hörfähigkeit treten bei älteren Menschen besonders häufig auf. Aus diesem Grund ist die Förderung von unterstützenden Technologien wie zum Beispiel induktiven Höranlagen und Audiodeskription wichtig.

³⁶  Roger Mackett, „Improving accessibility for older people – investing in a valuable asset“, Journal of Transport & Health, Vol. 2, Nr. 1 (März 2015), S. 5–13.

³⁷ Björn Slaug et al., „Improved housing accessibility for older people in Sweden and Germany: short-term costs and long-term gains“, International Journal of Environmental Research and Public Health, Vol. 14, Nr. 9 (September 2017).

56. Improving accessibility for older persons with disabilities is not only a human rights imperative but also a sine qua non for sustainable development. For example, improving their access to transportation will enable them to increase their mobility, thus facilitating their independence, reducing social isolation and increasing their physical activity.³⁶ Similarly, improved housing accessibility can help older persons with disabilities to maintain independence in activities of daily living, reducing the need for home services.³⁷ Visual and hearing losses are particularly common among older persons; promoting assistive technologies, such as audio induction loop systems and audio description, is therefore important.

³⁶ Roger Mackett, “Improving accessibility for older people – investing in a valuable asset”, Journal of Transport & Health, vol. 2, No. 1 (March 2015), pp. 5–13.  

³⁷ Björn Slaug and others, “Improved housing accessibility for older people in Sweden and Germany: short-term costs and long-term gains”, International Journal of Environmental Research and Public Health, vol. 14, No. 9 (September 2017).

57. Im Gesamtdesign von Gebäuden, Dienstleistungen und Produkten sollte die Barrierefreiheit vorrangig mittels universellen Designs hergestellt werden, insbesondere da viele ältere Menschen mit Behinderungen eigens angebrachte Vorrichtungen nicht nutzen würden, da ihnen eine Einstufung als „alt“ oder „behindert“ widerstrebt. Einfache Maßnahmen, wie zum Beispiel eine bessere Beschilderung, Beleuchtung und Bodenbelagsauswahl, barrierefreie Toiletten und Umkleideräume sowie Bereiche mit Sitzgelegenheiten können dazu beitragen, dass ältere Menschen mit Behinderungen, insbesondere Demenz, autonomer und unabhängiger leben können³⁸. Der Übergang zur E-Verwaltung und zur ausschließlichen oder vorwiegenden Leistungserbringung mittels Informationstechnologie kann für ältere Menschen mit Behinderungen erhebliche Probleme verursachen, wenn sie Vorrichtungen zur Herstellung der Barrierefreiheit benötigen, jedoch die erforderlichen informationstechnologischen Kenntnisse oder Geräte weder besitzen noch erlangen können (siehe A/HRC/41/39/Add.1, Ziff. 59–66).

³⁸ Althea Gordon et al., Guidelines for the Development of Dementia-Friendly Communities (Alz-heimer’s Australia WA, 2016).

57. Universal design strategies should be prioritized to integrate accessible features into the overall design of buildings, services or products, in particular as many older persons with disabilities who may be unwilling to be categorized as “old” or “disabled” will be unlikely to make use of them otherwise. Simple things such as having better signage, lighting and flooring, accessible toilets and changing rooms, and sitting areas, can contribute to the autonomy and independent living of older persons with disabilities, notably those with dementia.³⁸ The shift to e-governance and service delivery exclusively or predominantly through information technology services can cause significant difficulties for older persons with disabilities who may need accessibility features but do not have the necessary information technology skills or equipment, nor opportunities to acquire them (see A/HRC/41/39/Add.1, paras. 59–66).

³⁸ Althea Gordon and others, Guidelines for the Development of Dementia-Friendly Communities (Alzheimer’s Australia WA, 2016).

E. Zugang zur Justiz

58. Die Staaten müssen für ältere Menschen mit Behinderungen einen wirksamen Zugang zur Justiz gewährleisten. Der Zugang zu wirksamen Rechtsbehelfen ist zur Bekämpfung aller Formen von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch gegenüber älteren Menschen mit Behinderungen im öffentlichen wie im privaten Bereich unverzichtbar. Die Staaten müssen alle Einschränkungen aufheben, die ältere Menschen mit Behinderungen am Zugang zur Justiz hindern, wie etwa die Verweigerung der Parteifähigkeit in Verfahren oder mangelnde Barrierefreiheit. Die Staaten sind gehalten, alters- und geschlechtergerechte verfahrensbezogene Vorkehrungen bereitzustellen, um die wirksame Teilnahme von älteren Menschen mit Behinderungen an allen Gerichtsverfahren zu ermöglichen.

E. Access to justice

58. States must ensure effective access to justice for older persons with disabilities. Access to effective remedies is critical to combating all forms of exploitation, violence or abuse against older persons with disabilities in the public and private spheres. States must eliminate all restrictions preventing older persons with disabilities from obtaining access to justice, including denial of legal standing and accessibility barriers. States are required to provide age- and gender-appropriate procedural accommodations to facilitate the effective participation of older persons with disabilities in all legal proceedings.

59. Darüber hinaus müssen die Staaten alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial-, Bildungs- und sonstigen Maßnahmen treffen, um ältere Menschen mit Behinderungen vor jeder Form von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch, einschließlich ihrer geschlechtsspezifischen Aspekte, zu schützen. Die Staaten sind verpflichtet, alle Gewalt- und Missbrauchshandlungen zu verhindern und zu untersuchen, die Tatverantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen und im Falle ihrer Verurteilung zu bestrafen sowie die Rechte und Interessen der Opfer und Überlebenden zu schützen. Alle Schutzleistungen müssen das Alter, das Geschlecht und die Behinderung der Betroffenen berücksichtigen.

59. In addition, States must take all appropriate legislative, administrative, social, educational and other measures to protect older persons with disabilities from all forms of exploitation, violence and abuse, including their gender-based aspects. States have an obligation to prevent and investigate all acts of violence and abuse and to prosecute and, when convicted, punish the perpetrators, as well as to protect the rights and interests of the victims and survivors. All protection services must be age-, gender- and disability-sensitive.

60. Nationale Präventionsmechanismen, nationale Menschenrechtsinstitutionen und unabhängige Mechanismen für die Förderung, den Schutz und die Überwachung der Durchführung des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen sollten ein ausdrückliches Mandat erhalten, Wohneinrichtungen regelmäßig zu überprüfen, bei Ausbeutung, Gewalt oder Missbrauch gegenüber älteren Menschen mit Behinderungen Ermittlungen und Untersuchungen zu veranlassen und diese Menschen beim Zugang zu Rechtsbehelfen zu unterstützen. Nationale Menschenrechtsinstitutionen sollten außerdem über ein klares Mandat verfügen, die Rechte älterer Menschen und von Menschen mit Behinderungen im Allgemeinen zu schützen, wozu auch der Schutz vor mehrfachen und sich überschneidenden Formen der Diskriminierung gehört.

60. National preventive mechanisms, national human rights institutions and independent mechanisms for the promotion, protection and monitoring of the implementation of the Convention on the Rights of Persons with Disabilities should be expressly mandated to carry out regular monitoring of residential facilities, to initiate inquiries and investigations into exploitation, violence or abuse against older persons with disabilities and to assist them in obtaining access to legal remedies. National human rights institutions should also have a clear mandate to protect the rights of older persons and persons with disabilities more generally, including to protect them from multiple and intersecting forms of discrimination.

F. Teilhabe

61.Die Staaten müssen die Teilhabe älterer Menschen mit Behinderungen und der sie vertretenden Organisationen an allen Entscheidungsprozessen im Zusammenhang mit der Verwirklichung ihrer Rechte fördern. Aufgrund der Überschneidungen zwischen Altern und Behinderung haben ältere Menschen mit Behinderungen weniger Gelegenheiten, Organisationen, die ihre Forderungen als ältere Menschen und als Menschen mit Behinderungen vertreten können, zu gründen oder ihnen beizutreten. Die Staaten müssen auf die Beseitigung der Hindernisse hinwirken, die die Teilhabe dieser Menschen an öffentlichen Entscheidungsprozessen verhindern, und sie müssen sicherstellen, dass alle Mitwirkungs- und Konsultationsmechanismen sowohl behinderungs- als auch altersbezogene Faktoren sowie deren Überschneidungen berücksichtigen.

F. Participation

61. States must promote the participation of older persons with disabilities and their representative organizations in all decision-making processes related to the implementation of their rights. Owing to the intersection between older age and disability, older persons with disabilities have fewer opportunities to establish or join organizations that can represent their demands as older persons and persons with disabilities. States must take steps to eliminate the barriers that prevent their participation in public decision-making and ensure that all participatory and consultative mechanisms take into account both disability- and age-related factors and their intersection.

62. Die Staaten sollten direkt auf ältere Menschen mit Behinderungen zugehen, wenn diese von den bestehenden repräsentativen Organisationen in einem bestimmten Land nicht ausreichend vertreten werden, und sie in ihrer Fähigkeit zur Selbstorganisation und zur aktiven Teilhabe an Entscheidungsprozessen unterstützen. Die Staaten sollten außerdem dialogorientierte und flexible Mechanismen schaffen, um Gruppen älterer Menschen mit Behinderungen, die in der Vergangenheit diskriminiert oder benachteiligt wurden, darunter Menschen mit geistigen Behinderungen, Menschen mit psychosozialen Behinderungen, Menschen mit Demenz, taubblinde Menschen, Angehörige indigener Völker und Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche Menschen, eine wirksame Teilhabe zu ermöglichen.

62. States should reach out directly to older persons with disabilities when they may be inadequately represented by existing representative organizations in a given country and support their capacities to self-organize and actively participate in decision-making processes. States should also establish outreach and flexible mechanisms to enable the effective participation of groups of older persons with disabilities historically discriminated against or disadvantaged, such as persons with intellectual disabilities, persons with psychosocial disabilities, persons with dementia, deafblind persons, indigenous people and lesbian, gay, bisexual, transgender and intersex persons.

G. Kapazitätsaufbau und Bewusstseinsbildung

63. Die Staaten müssen sofort wirksame und geeignete Maßnahmen ergreifen, um in der gesamten Gesellschaft das Bewusstsein für ältere Menschen mit Behinderungen aus einer auf Rechte gestützten Perspektive zu schärfen. Ältere Menschen mit Behinderungen sollten nicht als „krank“ oder als „Patientinnen oder Patienten“, sondern genauso wie andere Mitglieder der Gesellschaft als Trägerinnen und Träger von Rechten angesehen werden. Die Staaten sollten Maßnahmen ergreifen, um eine positive Wahrnehmung von älteren Menschen mit Behinderungen und ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein ihnen gegenüber zu fördern und Stigmatisierung, Klischees und schädliche Praktiken, darunter im medizinischen und rechtlichen Bereich, zu bekämpfen. In Deutschland wird versucht, im Rahmen des Programms „Altersbilder“ mittels einer Wanderausstellung mit dem Titel „Was heißt schon alt?“ und anderer Materialien, die zeigen, wie ältere Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft wahrgenommen werden, das öffentliche Bewusstsein zu schärfen.

G. Capacity-building and awareness-raising

63. States must adopt immediate, effective and appropriate measures to raise awareness throughout society of older persons with disabilities from a rights-based perspective. Older persons with disabilities should not be seen as “ill” or as “patients”, but as rights-holders in the same way as other members of society. States should take measures to promote positive perceptions and greater social awareness of older persons with disabilities and to combat stigma, stereotypes and harmful practices against them, including harmful medical and legal practices. In Germany, the “New Images of Ageing” programme seeks to raise awareness through a travelling exhibition entitled “What’s old anyway?” and other materials showing how older persons with disabilities are perceived in society.

64. Die Staaten müssen außerdem die Achtung der Rechte und der Würde älterer Menschen mit Behinderungen fördern, indem sie Fachkräfte und anderes Personal, das mit Menschen mit Behinderungen arbeitet, entsprechend sensibilisieren und schulen. Familienmitglieder und informelle Betreuungspersonen sollten darin geschult werden, älteren Menschen mit Behinderungen eine aus einer auf Rechte gestützten Perspektive heraus bessere Unterstützung bereitzustellen. Im Rahmen dieser Schulungen sollten die mehrfachen und sich überschneidenden Formen der Diskriminierung, von denen ältere Menschen mit Behinderungen betroffen sind, thematisiert werden. Das kroatische Gesundheitsministerium richtet Schulungen für professionelle und informelle Betreuungspersonen von Menschen mit Alzheimer und anderen Formen von Demenz aus.

64. States must also foster respect for the rights and dignity of older persons with disabilities through awareness-raising among and the training of professionals and staff working with them. Family members and informal caregivers should be trained to improve the provision of assistance to older persons with disabilities from a rightsbased perspective. Training should address the multiple and intersecting forms of discrimination that affect older persons with disabilities. The Ministry of Health of Croatia is providing training for formal and informal caregivers of persons who experience Alzheimer’s and other forms of dementia.

H. Mobilisierung von Ressourcen

65. Die Staaten sind verpflichtet, unter umfassender Nutzung ihrer verfügbaren Ressourcen, einschließlich der im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit zur Verfügung gestellten Ressourcen, unverzüglich Schritte zu unternehmen, um die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen, darunter sozialer Schutz und Zugang zu einer auf Rechte gestützten Unterstützung, zu garantieren. In vielen Ländern sind Dienste und Programme für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, darunter auch häusliche Unterstützungsdienste, erheblich unterfinanziert. Infolgedessen haben viele ältere Menschen mit Behinderungen entweder gar keinen Zugang zu diesen Diensten oder sind bestenfalls von Familienmitgliedern und informellen Betreuungspersonen abhängig. In dieser Hinsicht sollten die Staaten Strategien und Pläne erarbeiten, die realistische, erreichbare und messbare Indikatoren und termingebundene Zielvorgaben enthalten, anhand deren die Fortschritte bei der schrittweisen Verwirklichung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte älterer Menschen mit Behinderungen gemessen werden können. Im Rahmen der staatlichen Haushalts- und Programmplanung müssen die von älteren Menschen mit Behinderungen benötigten konkreten Dienste sowie ihre besonderen Bedürfnisse in allen Haushaltstiteln berücksichtigt werden. Partizipative Haushaltsverfahren und zweckgebundene Mittel können dazu beitragen, dass mehr öffentliche Gelder für ältere Menschen mit Behinderungen veranschlagt werden.

H. Resource mobilization

65. States have an obligation to take immediate steps, making full use of their available resources, including those made available through international cooperation, to guarantee the rights of older persons with disabilities, including social protection and access to rights-based support. In many countries, services and programmes for both older persons and persons with disabilities, including home support services, are significantly underfunded. Consequently, many older persons with disabilities have no access at all to those services or, at most, depend on family members and informal caregivers. In this regard, States should formulate strategies and plans that include realistic, achievable and measurable indicators and time-bound targets, and are designed to assess advancements in the progressive realization of the economic, social and cultural rights of older persons with disabilities. Government planning and budgeting must incorporate the specific services needed by older persons with disabilities, as well as the particular needs of older persons with disabilities, across all budget lines. Participatory budgeting processes and earmarked funds can help to expand the allocation of public funds for older persons with disabilities.

66. Die Beseitigung von Diskriminierung bei der Ausübung des Rechts auf sozialen Schutz und beim Zugang zu einer auf Rechte gestützten Unterstützung ist eine Verpflichtung mit unmittelbarer Wirkung. Die Staaten können ältere Menschen mit Behinderungen nicht einfach deshalb diskriminieren, weil die Ausdehnung einer bestimmten Maßnahme auf alle Menschen mit Behinderungen unerschwinglich wäre. Ebenso bilden die Gewährleistung des Zugangs zu sozialem Schutz und eines Mindestumfangs an grundlegenden Versorgungs- und Dienstleistungen für alle älteren Menschen mit Behinderungen und ihre Familien, darunter grundlegende gemeindenahe Unterstützung und unterstützende Geräte und Technologien, einen zentralen Bestandteil des auf innerstaatlicher Ebene festgelegten Basisniveaus für sozialen Schutz, der für die Sicherung eines angemessenen Lebensstandards für ältere Menschen mit Behinderungen – Lebensunterhalt, unverzichtbare primäre Gesundheitsversorgung, grundlegende Unterkunft und Wohnung – unerlässlich ist. Diesen Kernverpflichtungen müssen die Staaten auch bei Ressourcenknappheit nach-kommen. In Indien stellt das Ministerium für soziale Gerechtigkeit und Selbstbestimmung im Rahmen eines neuen Programms älteren Menschen mit Seh-, Hör- und Mobilitätsbeeinträchtigungen unterstützende Geräte zur Verfügung. Ferner sollten die Staaten keine rückschrittlichen Maßnahmen ergreifen, die sich auf die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen auswirken, und sie dürfen keine Praktiken finanzieren, die dem Menschenrechtsansatz in Bezug auf Behinderung entgegenstehen (zum Beispiel Einweisung in Einrichtungen oder Zwangsmaßnahmen im Gesundheitsbereich).

66. The elimination of discrimination in the exercise of the right to social protection and access to rights-based support is an obligation of immediate effect. States cannot discriminate against older persons with disabilities just because of the unaffordability of extending a measure to all persons with disabilities. Similarly, securing access to social protection and ensuring a minimum essential level of benefits and services for all older persons with disabilities and their families, including essential communitybased support, assistive devices and technologies, constitute the core of nationally defined social protection floors, which are crucial to securing an adequate standard of living for older persons with disabilities that includes basic subsistence, essential primary health care, basic shelter and housing. States must meet these core obligations even if their resources are scarce. In India, the Ministry of Social Justice and Empowerment has introduced a scheme for providing assistive devices to older persons who experience vision, hearing and mobility impairments. Furthermore, States should not adopt retrogressive measures that affect the rights of older persons with disabilities and must refrain from funding practices contrary to the human rightsbased approach to disability (e.g. institutionalization or coercive health interventions).

67. Die internationale Zusammenarbeit, die Süd-Süd-Zusammenarbeit und die Dreieckskooperation können bei der Verwirklichung der Rechte älterer Menschen mit Behinderungen eine wesentliche Rolle spielen. Geberländer und internationale Organisationen müssen sicherstellen, dass alle internationalen Entwicklungsanstrengungen im Rahmen der Agenda 2030 ältere Menschen mit Behinderungen einbeziehen und für sie zugänglich sind. Die internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Altern und Behinderung muss außerdem mit dem auf Rechte gestützten Konzept von Behinderung im Einklang stehen und auf eine nachhaltige und kulturell angemessene Art und Weise erfolgen. Internationale Organisationen, gemeinnützige und wohltätige Organisationen und andere im innerstaatlichen Umfeld tätige Organisationen sollten keine Projekte durchführen, die nicht nachhaltig sind oder die die Rechte von Menschen mit Behinderungen verletzen, wie zum Beispiel die Schaffung von Einrichtungen für ältere Menschen mit Behinderungen.

67. International, South-South and triangular cooperation can play a crucial role in the implementation of the rights of older persons with disabilities. Donor countries and international organizations need to ensure that all international development efforts in the context of the 2030 Agenda are inclusive of and accessible by older persons with disabilities. International cooperation in the areas of ageing and disability must also be consistent with the rights-based approach to disability and provided in a sustainable and culturally appropriate manner. International organizations, non-profit organizations, charities and other organizations operating in national contexts should refrain from implementing projects that are not sustainable or that violate the rights of persons with disabilities, such as the creation of institutions for older persons with disabilities.

68. Im Rahmen der jüngst verabschiedeten Strategie der Vereinten Nationen zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen sollten die Organisationen des Systems der Vereinten Nationen, einschließlich aller ihrer Programme, Fonds und Sonderorganisationen, dafür sorgen, dass ihre Bediensteten sich der Rechte und der Inklusion älterer Menschen mit Behinderungen stärker bewusst sind und über mehr Sachverstand in dieser Hinsicht verfügen, um unter anderem durch technische Anleitung, Informationsaustausch und Kapazitätsaufbau eine wirksamere Zusammenarbeit mit den Staaten zu ermöglichen. Die Vereinten Nationen sollten in Bezug auf ältere Menschen mit Behinderungen einen Menschenrechtsansatz gewährleisten, damit in die Politiken und Programme für ältere Menschen die Behinderungsperspektive und in diejenigen für Menschen mit Behinderungen die Altersperspektive mit Erfolg durchgängig einbezogen wird.

68. In the framework of the recently adopted United Nations Disability Inclusion Strategy, organizations of the United Nations system, including all its programmes, funds and specialized agencies, should increase the awareness and expertise of its staff on the rights and inclusion of older persons with disabilities to be able to cooperate more effectively with States, including through technical guidance, information-sharing and capacity-building. The United Nations should ensure a human rights-based approach to older persons with disabilities for the successful mainstreaming of a disability perspective into policies and programmes related to older persons and vice versa.

VI. Schlussfolgerungen und Empfehlungen

69. Ältere Menschen mit Behinderungen sehen sich aufgrund der Überschneidungen zwischen Behinderungs- und Altersdiskriminierung bei der Ausübung ihrer Rechte erheblichen Hindernissen gegenüber. Zu diesen Hindernissen gehören Stigmatisierung und Klischees, diskriminierende Rechtsvorschriften und Praktiken, die Verweigerung der Autonomie und der Rechts- und Handlungsfähigkeit, die Einweisung in Einrichtungen und mangelnde gemeindenahe Unterstützung sowie Gewalt und Missbrauch und unzureichender sozialer Schutz. Viele dieser Menschenrechts-verletzungen werden häufig als normal angesehen und bleiben staatlichen Stellen gegenüber verborgen, was den Kreislauf der Diskriminierung und Ausgrenzung älterer Menschen mit Behinderungen noch verstärkt.

VI. Conclusions and recommendations

69. Older persons with disabilities encounter significant barriers to the exercise of their rights owing to the intersection between ableism and ageism. Such barriers include stigma and stereotypes; discriminatory laws and practices; denial of autonomy and legal capacity; institutionalization and lack of community support; violence and abuse; and lack of adequate social protection. Many of these human rights violations are frequently regarded as normal and rendered invisible to Governments, deepening the circle of discrimination and exclusion of older persons with disabilities.

70. Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bietet Gelegenheit, die mehrfachen und sich überschneidenden Formen der Diskriminierung gegenüber älteren Menschen mit Behinderungen ans Tageslicht zu bringen und durch entsprechende Maßnahmen dafür zu sorgen, dass ältere Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen alle ihre Menschenrechte genießen. Die wirk-same Anwendung eines auf Rechte gestützten Ansatzes an der Schnittstelle zwischen Altern und Behinderung muss mit einem Paradigmenwechsel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Alterns und älterer Menschen einhergehen. Zwar mögen Beeinträchtigungen ein normaler Aspekt des Alterns sein, den es als Teil der menschlichen Vielfalt zu akzeptieren gilt, nicht jedoch Diskriminierung und soziale Ausgrenzung.

70. The Convention on the Rights of Persons with Disabilities represents an opportunity to shed light on the multiple and intersecting forms of discrimination experienced by older persons with disabilities and to take action to ensure that older persons with disabilities enjoy all their human rights on equal basis with others. The effective application of a rights-based approach at the intersection between older age and disability needs to be accompanied by a paradigm shift with respect to society’s perception of ageing and older persons. While impairment might be a normal aspect of ageing that should be embraced as part of human diversity, discrimination and social exclusion are not.

71. Die Staaten haben eine internationale Verpflichtung, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle älteren Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten, unter anderem durch Maßnahmen wie die Überprüfung ihrer rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen, das Verbot von Diskriminierung aufgrund von Alter und/oder Behinderung, die Gewährleistung des Zugangs zu einer auf Rechte gestützten gemeindenahen Unterstützung, die Verbesserung der Barrierefreiheit der physischen Umwelt, der Transportmittel und der Information und Kommunikation, die Gewährleistung des Zugangs zur Justiz, die Förderung der Teilhabe in Entscheidungsprozessen, die Förderung von Kapazitätsaufbau und Bewusstseinsbildung sowie die Mobilisierung von Ressourcen zur Durchführung dieser Maßnahmen.

71. States have an international obligation to promote, protect and ensure the full and equal enjoyment of all human rights and fundamental freedoms by all older persons with disabilities, including by reviewing their legal and policy frameworks; prohibiting discrimination on the basis of age and/or disability; ensuring access to rights-based community support; improving the accessibility of the physical environment, transportation and information and communications; guaranteeing access to justice; promoting participation in decision-making; fostering capacity-building and awareness-raising; and mobilizing resources for the implementation of these measures.

72. Mit dem Ziel, den Staaten bei der Verwirklichung der Rechte älterer Menschen mit Behinderungen behilflich zu sein, empfiehlt ihnen die Sonderberichterstatterin,

a) eine umfassende Überprüfung der Rechtsvorschriften mit dem Ziel durchzuführen, alle Gesetze und sonstigen Vorschriften abzuschaffen oder zurück-zunehmen, die ältere Menschen mit Behinderungen direkt oder indirekt diskriminieren;

b) alle Formen der Diskriminierung aufgrund von Behinderung und Alter und aufgrund der zwischen ihnen bestehenden Überschneidungen gesetzlich zu verbieten und älteren Menschen mit Behinderungen gleichen und wirksamen rechtlichen Schutz vor Diskriminierung, gleichviel aus welchen Gründen, zu garantieren;

c) die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen durchgängig in alle mit Behinderung und Altern im Zusammenhang stehenden Politiken und Programme zu integrieren, um die angemessene Berücksichtigung der Anliegen und Bedürfnisse älterer Menschen mit Behinderungen sicherzustellen;

d) die Verfolgung eines Menschenrechtsansatzes in Bezug auf Behinderung und Altern bei der Erarbeitung, Durchführung und Auswertung aller mit Behinderung und Altern im Zusammenhang stehenden Politiken und Programme sicherzustellen;

e) in alle mit Behinderung und Altern im Zusammenhang stehenden Politiken und Programme eine Geschlechterperspektive zu integrieren, um der Mehrfachdiskriminierung älterer Frauen mit Behinderungen Rechnung zu tragen;

f) umfassende und inklusive Sozialschutzsysteme so zu gestalten, dass das Thema Behinderung in alle Programme und Interventionsmaßnahmen einbezogen wird, und den Zugang zu spezifischen Programmen und Diensten für ältere Menschen mit Behinderungen sicherzustellen;

g) Unterstützungssysteme so zu gestalten und umzusetzen, dass ältere Menschen mit Behinderungen Zugang zu einer auf Rechte gestützten und gemeindenaher Unterstützung und entsprechenden Diensten haben, die verfügbar, barrierefrei, ausreichend und erschwinglich sind;

h) zur Verhinderung jeder Form von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch sicherzustellen, dass alle öffentlichen und privaten Einrichtungen und Programme, die Dienste für ältere Menschen mit Behinderungen erbringen, wirksam von unabhängigen Behörden überwacht werden;

i) den Zugang zur Justiz und zu wirksamen Rechtsbehelfen für alle älteren Menschen mit Behinderungen zu garantieren und sicherzustellen, dass Schutzleistungen und -programme für Erwachsene ältere Menschen mit Behinderungen einbeziehen und für sie zugänglich sind;

j) Strategien anzunehmen, die eine direkte Teilhabe älterer Menschen mit Behinderungen an allen sie direkt oder indirekt betreffenden öffentlichen Entscheidungsprozessen sicherstellen;

k) Aufklärungskampagnen zur Bekämpfung von Klischees, Vorurteilen und schädlichen Praktiken gegenüber älteren Menschen mit Behinderungen durchzuführen und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Behinderung und Altern zu verändern;

l) vergleichbare, nach Behinderung und Alter aufgeschlüsselte Daten zur Lage älterer Menschen mit Behinderungen zu erheben, damit die Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung angemessen überwacht werden kann;

m) Ressourcen zur Verbesserung des Zugangs älterer Menschen mit Behinderungen zu Unterstützungsdiensten und sozialem Schutz zu mobilisieren und dabei ihre Inklusion in alle Investitionen sicherzustellen.

72. The Special Rapporteur makes the following recommendations to States with the aim of assisting them in realizing the rights of older persons with disabilities:  

(a) Conduct a comprehensive review of laws with a view to abolishing or revoking all laws and regulations that directly or indirectly discriminate against older persons with disabilities;  

(b) Prohibit by law all forms of discrimination on the grounds of disability and age, as well as on the basis of the intersection between both grounds, and guarantee to older persons with disabilities equal and effective legal protection against discrimination on all grounds;  

(c) Mainstream the rights of older persons with disabilities into all disability and ageing-related policies and programmes in order to ensure that the concerns and needs of older persons with disabilities are adequately addressed;

  (d) Ensure a human rights-based approach to disability and ageing in the design, implementation and evaluation of all disability- and ageing-related policies and programmes;  

(e) Integrate a gender perspective into all disability and ageing-related policies and programmes, addressing the intersectionality of discrimination faced by older women with disabilities;

 (f) Design comprehensive and inclusive social protection systems so that disability is mainstreamed into all programmes and interventions, and ensure access to specific programmes and services for older persons with disabilities;  

(g) Design and implement support systems so that older persons with disabilities have access to rights- and community-based support and services that are available, accessible, adequate and affordable;  

(h) Ensure that independent authorities effectively monitor all public and private facilities and programmes providing services to older persons with disabilities to prevent all forms of exploitation, violence and abuse;  

(i) Guarantee access to justice and effective remedies for all older persons with disabilities, and ensure that adult protection services and programmes are inclusive of and accessible by older persons with disabilities;  

(j) Adopt strategies to ensure the direct participation of older persons with disabilities in all processes of public decision-making that directly or indirectly concern them;

(k) Implement awareness-raising programmes designed to combat stereotypes, prejudices and harmful practices against older persons with disabilities, and change the societal perceptions regarding disability and ageing;
 
(l) Collect comparable disability- and age-disaggregated data on the situation of older persons with disabilities to adequately monitor the implementation of the Sustainable Development Goals;  

(m) Mobilize resources to increase the access of older persons with disabilities to support services and social protection, ensuring that all investments are inclusive of them.

73. Die Sonderberichterstatterin empfiehlt außerdem den Vereinten Nationen, einschließlich aller ihrer Programme, Fonds und Sonderorganisationen, die Rechte älterer Menschen mit Behinderungen bei ihrer gesamten Arbeit, darunter auch bei der Unterstützung von Staaten bei der Umsetzung allgemeiner Politiken und Programme, aus der Menschenrechtsperspektive ausreichend zu berücksichtigen. Vertragsorgane sollten proaktiv Auskünfte über die Lage älterer Menschen mit Behinderungen einholen, um den Genuss der Menschenrechte durch diese Menschen besser überwachen zu können. Umsetzung allgemeiner Politiken und Programme, aus der Menschenrechtsperspektive ausreichend zu berücksichtigen. Vertragsorgane sollten proaktiv Auskünfte über die Lage älterer Menschen mit Behinderungen einholen, um den Genuss der Menschenrechte durch diese Menschen besser überwachen zu können.

73. The Special Rapporteur also recommends that the United Nations, including all its programmes, funds and specialized agencies, adequately consider the rights of older persons with disabilities from a rights-based perspective in all its work, including when assisting States in the implementation of mainstream policies and programmes. Treaty bodies should proactively request information on the situation of older persons with disabilities in order to improve monitoring of the enjoyment of their human rights.

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