Interview Eileen Moritz

Servicenavigation

Sie befinden sich hier: Menschenrechtsbildung > Bildungsmaterialien > Online-Handbuch "Inklusion als Menschenrecht" >  Interview Eileen Moritz

Interview mit Eileen Moritz

"Das Handbuch zeigt, dass Menschen mit Behinderungen starke Vorbilder sein können"

Eileen Moritz © E. Moritz

Eileen Moritz, Supervisorin, seit Oktober 2009 Referentin der Bundesgeschäftsstelle der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V.

Was bedeutet Inklusion für Sie?
Inklusion bedeutet für mich Zugehörigkeit, nicht auf das vermeintliche Defizit - die Behinderung - reduziert zu werden. Alle können sich mit den vielfältigen Facetten ihrer Persönlichkeit einbringen und allen wird von Anfang an Respekt entgegengebracht für ihre individuellen Erfahrungswelten. Wenn Inklusion verwirklicht ist, brauche ich mich nicht mehr als "die Andere" zu fühlen.

Wie lassen sich für Sie Bildungsarbeit und Inklusion verbinden?
Bildung bedeutet für mich auch immer eine sogenannte Herzensbildung oder die Bildung einer Haltung den Menschen und dem Leben gegenüber. Auf Inklusion gibt es genauso ein Recht wie auf Bildung. Inklusion fordert vor allem die Politik und die Entscheidungsträger bzw. Gesetzgeber heraus, doch sie fordert auch einzelne Menschen auf, ihre Einstellung zu reflektieren und zu erkennen, dass Menschen mit Behinderungen Rechtsträger sind und keine Objekte des Mitleids, der Fürsorge. Um diese Einstellungen breit in der Gesellschaft zu verankern, braucht es Bildung, braucht es eine inklusive Bildung.

Wie arbeiten Sie mit dem Online-Handbuch "Inklusion als Menschenrecht"?
Bisher habe ich mit dem Online-Handbuch in unterschiedlichen Workshops gearbeitet. Das Schöne ist, dass ich damit einen ganzen Workshop gestalten kann, aber auch mal nur einzelne Übungen einarbeite. Eigentlich benutze ich das Online-Handbuch wie ein Kochbuch. Die Bilder und Angebote machen Appetit, dann suche ich einige - die leckersten – Zutaten/Methoden zusammen und koche meine eigene "Suppe"/setze meinen eigenen Workshop um.

Mit welcher Methode aus dem Online-Handbuch arbeiten Sie besonders gerne?
Besonders gerne arbeite ich mit der Biografie-Arbeit der sogenannten Zeitleiste, weil sie Menschen auf unterschiedlichen Ebenen anspricht. Sie informiert über gesellschaftliche Hintergründe und Gesetzessituationen zu unterschiedlichen Zeitepochen und stellt aber andererseits auch persönliche Lebenswege und Bewältigungsstrategien von Menschen mit Behinderungen zur Verfügung. Mit den persönlichen Lebenswegen können sich fast alle Menschen gut identifizieren. Wenn Menschen mit Behinderungen in den Workshops sind, ist es besonders schön zu erleben, wie sie realisieren, dass Menschen mit Behinderungen eine vielfältige Community sind, dass sie eine Geschichte haben mit interessanten und starken Vorbildern, und dass behinderte Menschen schon viel erreicht haben. Eine Herausforderung bleibt: viele der Methoden in den Workshops immer barrierefrei zu kommunizieren und umzusetzen.

Interessierten Personen empfehle ich…
einen Workshop zum inklusiven Online-Handbuch zu besuchen und sich inspirieren zu lassen von der Vielfalt und dem Leben, wie es so spielt.

(Interview: Mareike Niendorf)

Nach oben