Interview Christoph Hamann

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Interview mit Christoph Hamann

"Die Methode 'Gemeinde-Detektivinnen und -Detektive' sensibilisiert den Blick für Barrieren im Alltag"

Dr. Christoph Hamann © Christa Penserot

Dr. Christoph Hamann, Referent für Gesellschaftswissenschaften am Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM), zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichtsdidaktik und Zeitgeschichte.

Was bedeutet Inklusion für Sie?
Zunächst einmal: Vielfalt wahrnehmen. Und dann auch: Vielfalt annehmen. Und schließlich: die Vielfältigen mitnehmen - und das heißt: alle mitnehmen. Das wunderbare Schullied der Rosa-Parks-Grundschule aus Kreuzberg formuliert das sehr schön: "Wir sitzen im Bus, der Leben heißt / komm setz dich doch dazu / hier ist Platz für dich / hier ist Platz für mich / hier ist Platz für uns alle / und jeder ist anders, irgendwie." 1955 musste sich die Bürgerrechtlerin Rosa Parks in Montgomery/Alabama ihren Platz im Bus erkämpfen. Heute muss Platz im "Bus des Lebens" für alle selbstverständlich sein.

Wie lassen sich für Sie Bildungsarbeit und Inklusion verbinden?
Auch hier gilt: Vielfalt wahr- und annehmen und alle mitnehmen. Das Lernangebot im Unterricht muss so gestaltet sein, dass alle sich angesprochen fühlen. Der Unterricht muss unterschiedliche Lernkanäle nutzen, Kompetenzanforderungen auf unterschiedlichen Niveaustufen stellen und Themen bieten, die die Vielfalt aufzeigen und individuelle Anknüpfungspunkte für das Lernen ermöglichen. Und außerdem: der Unterricht sollte lebensnah gestaltet sein. Nur dann ist das Lernen motivierend und hat eine Chance auf Nachhaltigkeit.

Wie arbeiten Sie mit dem Online-Handbuch "Inklusion als Menschenrecht"?
Es hilft mir auch, die Geschichte des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg zu verstehen. Dieses war von 1917 an ein Heim für Fürsorgezöglinge, in dem auch "minderbegabte" Kinder lebten. Die Erziehung und das alltägliche Leben für diese Kinder erfolgte inklusiv, der Unterricht aber exklusiv in sogenannten "Hilfsschulklassen".

Mit welcher Methode aus dem Online-Handbuch arbeiten Sie besonders gerne?
Handlungsorientierte Methoden empfinde ich immer als ausgesprochen fruchtbar – denn mit ihnen kann man sehr viele Schülerinnen und Schüler erreichen und motivieren. Wichtig sind auch Methoden, die einen Perspektivwechsel anregen. Die Tücken der "schweren Sprache" lassen sich erahnen, wenn diese übersetzt werden muss in Leichte Sprache. Oder: die Methode "Gemeinde-Detektivinnen und -Detektive" – die Suche nach Barrieren im Alltag sensibilisiert den Blick für Schwierigkeiten der Anderen.

Interessierten Personen empfehle ich…
sich vom Handbuch für Inklusion für ihren Unterricht anregen zu lassen. Es zeigt, dass das Leben in der Vielfalt und das Leben mit der Vielfalt eine lange Geschichte haben. Eine Geschichte, aus der man auch für die Gegenwart lernen kann. Und dies auch für den eigenen Unterricht.

(Interview: Mareike Niendorf)

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