Mediathek

Servicenavigation

Sie befinden sich hier:  Mediathek

Audio

Audio: Für eine Kultur der Menschenrechte, 22.11.2018, Tanasgol Sabbagh (MP3, 5,9 MB, 04:17 Min.)

| Thema: Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte | Audio: auf Deutsch

Audio: Für eine Kultur der Menschenrechte, 22.11.2018 (MP3, 82,3 MB, 1 Std. 30 Min.)
Audiomitschnitt der anlässlich des 70jährigen Jubiläums der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen vom Deutschen Institut für Menschenrechte zusammen mit dem Deutschen Kulturrat im Rahmen des Projekts "Initiative kulturelle Integration" am 22. November 2018 in Berlin ausgerichteten Festveranstaltung.

Poetry Slam von Tanasgol Sabbagh, 1. Teil.

Audio: Für eine Kultur der Menschenrechte, 22.11.2018, Tanasgol Sabbagh (MP3, 5,9 MB, 04:17 Min.)

Herunterladen im Dateiformat: mp3 (5.9 MB)

Tanasgol Sabbagh: Guten Morgen, meine Name ist Tanasgol Sabbagh. Ich darf beginnen. Ich bin Poetry-Slammerin, Ich darf einen Text vortragen. Erlauben Sie mir, mit einem Zitat zu beginnen, mit einem Gedicht von Saadi, einem alten persischen Dichter.

"bani âdam azâye yek peykarand
ke dar âfarinesh ze yek goharand
cho ozwi bedard âwarad ruzegâr
degar ozwhârâ namânad gharâr
to kaz mehnate digarân bighami
nashâyad ke nâmat nehand âdami"

"Die Kinder Adams sind aus einem Stoff gemacht,
als Glieder eines Leibes von Gott, dem Herrn, erdacht.
Geschieht Leid nur einem dieser Glieder,
dann klingt sein Schmerz sogleich in allen wider.
Ein Mensch, den nicht die Not der Menschenbrüder rührt,
verdient nicht, daß er noch der Menschen Namen führt."

Anlehnend daran mein Text mit dem Titel "Der Mensch":

Der Mensch
"Er baut ein Haus, er pflanzt einen Baum, er trägt in sich Träume, doch erfüllt sie sich kaum, er schuftet die Tage und verzweifelt bei Nacht und stellt sich die Frage, warum er das macht, warum er so schwach und unfähig ist, warum er sein Glück stets an anderen misst und Kummer und Schmerz bis zum Tod nicht vergisst. Der Mensch, er kann lieben, doch dann tut er sich weh. Er blockiert sich im Leben durch Leiden in spe, er weiß das nicht immer. Er weiß gar nicht viel. Das Konstrukt seines Wesens ist allzu fragil, ja allzu subtil, befallen ihn Zweifel und Sorgen. So vergeht jedes Heute mit der Angst vor dem Morgen, so vergeht jeder Tag mit dem Herz voller Reue, also zwingt sich ein jeder zu Sitte und Treue, der Mensch er kann rechnen und berechnet die Chancen. Er liebäugelt mit Ruhm und macht dem Reichtum Avancen, er vermählt sich mit Geld und stirbt im goldenen Sarg und die verkommene Seele nimmt er mit sich zu Grab. Jaaa, der Mensch – ein Hampelmann aus Fleisch und Blut. Sein Herz faustgroß, haltlos, mal schlecht, mal gut, mal zerrissen und verzweifelt und auf nichts ganz vorbereitet, ist es oft Brutstätte für Angst und Wut und der Mensch ist so traumatisch, dass es ihn verbrennt. Und der Mensch wird so fanatisch, dass er sich nicht kennt. Und er ist enttäuscht von Menschen, die er Freunde nennt, weil in Wirklichkeit kein anderer seine Schmerzen teilt und für ihn hemmt. Es gibt in Wirklichkeit nur ihn und er steht immer ganz allein. Deshalb gibt er sich stets stark und bewahrt somit jenen Schein, den er zum Überleben braucht, weil er zu sonst nichts anderem taugt, weil er sich überlegen glaubt und sich dennoch nicht vertraut und seine Logik ist dem Verstand ein rechter Hohn. Er lernt Arbeit auszubeuten und dann nennt er es Lohn. Er lernt Menschen auszuspähen und nennt das dann Sicherheit und ärgert sich dann über jeden, dem das nicht sicher scheint. Und ich? Ja, ich frag mich dann oft. Ist der Mensch wirklich so komplex? Ist er nicht eigentlich Produkt aus Kuss, Umarmungen und Sex? Ist er nicht eigentlich ein Kind, von irgendwem, zu jeder Zeit, und was geht wirklich in ihm vor in seiner leeren Einsamkeit und ich hätt’ so gern ein Messer und ich würd’ ihn dann sezier’n. Dann würde ich seh’n, er hat ein Rückgrat, ein Herz und auch ein Hirn und ich wär’ irgendwie beruhigt und ich nähte ihn wieder zu. Ich will nur sichergehen, dass sich unsere Adern gleichen, dass wenn unsere Taten schon nicht reichen, unser Pulsschlag dennoch gleich ist, unsere Haut immer noch weich ist und auf dieselbe Art verwundbar. Und wenn ich mich dann noch immer wunder’ über die Menschen, … diese Tiere, dann denke ich an ihr Venennetz, denk’ an das, was sie verletzt und was sie deshalb auch vereint, und wenn auch du schon oft geweint, weil du den Mensch nicht recht verstehst, weil du dich verloren wähnst, dann denke immer an dein Messer und geh’ Menschen unter die Haut, denn erst dann begreifst du besser und sie werden dir vertraut, denn ja, der Mensch, er baut ein Haus und er pflanzt auch immer einen Baum, doch geht er nicht darüber hinaus, berührt er andere Menschen kaum."

Vielen Dank!

Zurück zu Liste