Fotoserie

„Menschen. Würde.“ - Fotos und Interviews (Teil 1)

Die Berliner Fotografin Barbara Dietl hat für das Institut 20 Personen porträtiert. Sieben von ihnen haben uns außerdem erzählt, was sie mit dem Thema Menschenrechte verbinden.

Fitsame Teferra Woldemichael

Porträt einer Schwarzen Person mit halblangen rotbraunen Locken. Zu sehen ist nur der Oberkörper, sie trägt eine weiße Bluse und schaut ohne zu lächeln direkt in die Kamera. Sehr unscharf im Hintergrund geparkte Autos und Fahrräder, Bäume, Häuser und eine grüne Markise.
© DIMR/Barbara Dietl

Anja Müller

Porträt einer ca. 50-jährigen weißen Person mit kurzen grauen Haaren. Nur ihr Oberkörper ist zu sehen. Sie trägt einen orangefarbenen Pullover und schaut direkt in die Kamera, ohne zu lächeln. Leicht unscharf im Hintergrund mehrere Personen, eine trägt ein Paket, andere sitzen auf Fahrrädern, Tische mit zusammengeklappten Stühlen, eine Straße, geparkte Autos und Fahrräder, Bäume und mehrstöckige Altbauten.
© DIMR/Barbara Dietl

Anja Müller, was hat Sie dazu bewogen, an einem Fotoprojekt zum Thema Menschenrechte mitzuwirken? Was hat Sie daran interessiert?

Anja Müller: Die Fotografin hat mich gefragt, ob ich mich und mein Gesicht für die Fotoreihe zur Verfügung stellen würde.  Ich vertraue der Fotografin und möchte die unterstützen, die sich für Menschenrechte einsetzen.

Was verbinden Sie mit Menschenrechten?

A. Müller: Im Sinne einer humanistischen Weltanschauung: das Recht des Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt und Ausbeutung.

Gibt es eine Botschaft, die für Sie persönlich wichtig ist?

A. Müller: Lasst die Menschen ausschlafen. Kümmert und sorgt euch um die Menschen in eurer Nähe, seid gut zu den Menschen, mit denen ihr seid.

Abdurrahman Gügercin

Porträt einer Person mit schwarzen Locken, Vollbart und einem silbernen Ohrring. Zu sehen ist nur der Oberkörper, die Person trägt ein hellblaues T-Shirt. Sie blickt direkt in die Kamera, ohne zu lächeln. Unscharf im Hintergrund ein dunkelblaues Haus und viele Büsche oder Bäume.
© DIMR/Barbara Dietl

Abdurrahman Gügercin, was hat Sie dazu bewogen, an einem Fotoprojekt zum Thema Menschenrechte mitzuwirken? Was hat Sie daran interessiert?

Abdurrahman Gügercin: Über meine Freundin habe ich von dem Fotoprojekt erfahren und hatte sofort Lust mitzumachen. Ich fotografiere selbst gerne und wollte wissen, wie ein professionelles Shooting aussieht. Ich habe mich während des Shootings sehr aufgehoben gefühlt. Die Fotografinnen waren sehr respektvoll und wertschätzend. Menschenrechte sind ein sehr sensibles Thema und auch in der bildlichen Umsetzung braucht es sehr viel Feingefühl. Es ist wichtig, dabei keine klischeehaften Bilder zu reproduzieren, die eventuell stigmatisierend oder bevormundend wirken.

Was verbinden Sie mit Menschenrechten?

A. Gügercin: Mit Menschenrechten verbinde ich die Rechte auf Wohnen, Gesundheit, Arbeit, Kultur, Teilhabe, Sprache, Religion, Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung. Tatsächlich musste ich in Deutschland selbst menschenrechtsverletzende oder diskriminierende Erfahrungen machen. Ich kam vor vier Jahren aus der Türkei nach Deutschland, mit dem Ziel, hier ein Studium aufzunehmen. Aufgrund der aufenthaltsrechtlichen Regelungen durfte ich erstmal nicht arbeiten und musste mich privat versichern lassen. Während der Corona-Pandemie habe ich deutlich zu spüren bekommen, an wen sich die Schutz- und Hilfsmaßnahmen richten: eher an deutsche bzw. europäische Staatsbürger*innen. Alle anderen, wie etwa Geflüchtete, Nicht-EU-Migrant*innen, wohnungslose Menschen usw. werden nicht mitgedacht.

Gibt es eine Botschaft, die für Sie persönlich wichtig ist?

A. Gügercin: Wenn ich Bilder aus dem Geflüchtetenlager Moria sehe, dann zweifle ich sehr stark an der EU, die sich die Menschenrechte groß auf die Fahne geschrieben hat. Ich frage mich dann, für wen gelten diese Menschenrechte? Erst wenn es keine brennenden Geflüchtetenlager mehr gibt, keine Menschen mehr im Mittelmeer ertrinken und ein menschenwürdiger Schutz für Geflüchtete gewährleistet ist, kann ich wieder Vertrauen gewinnen, dass das mit den Menschenrechten eine ernst gemeinte Sache ist.

Karla Müller

Porträt einer weißen, älteren Person, zu sehen ist nur der Oberkörper. Sie hat kurze, graue Haare, trägt eine Brille und eine silberne Halskette. Sie trägt ein blaues Oberteil mit kleinen weißen Punkten. Sie schaut mit einem leichten Lächeln direkt in die Kamera. Unscharf im Hintergrund Häuser, Menschen, Fahrräder, Bäume und geparkte Autos.
© DIMR/Barbara Dietl

Karla Müller, was hat Sie dazu bewogen, an einem Fotoprojekt zum Thema Menschenrechte mitzuwirken? Was hat sie daran interessiert?

Karla Müller: Wenn sich jemand für meine Meinung interessiert, dann will ich sie gerne äußern.
Kein Mensch kann dafür, dass er geboren wurde. Alle haben die gleichen Menschenrechte. Sie sind für mich ein wichtiges Gut für das Wohlbefinden aller und für den Fortbestand der Menschheit. Solange für die regierenden Politiker eine wachsende Wirtschaft und deren zunehmenden Erlöse sowie das wachsende und überreichliche Privateigentum in Milliarden Euro wichtiger sind als das Wohlbefinden aller Menschen, spielen Menschenrechte eine geringe und untergeordnete Rolle. Mich interessiert daran, wie die sich Christen nennenden Politiker der CDU und CSU wenigstens die 10 christlichen Gebote, die Bestandteil der Menschenrechte sind, einhalten wollen. Bisher tun sie es nicht.

Was verbinden Sie mit Menschenrechten?

K. Müller: Alle Menschen auf der Welt haben das gleiche Recht auf ein Leben in Frieden und Wohlbefinden. Dazu gehören für mich ausreichend Lebensmittel, Schutz der Gesundheit und der Familie, Gleichberechtigung, Mitbestimmung, Hilfe, wenn es notwendig ist, Teilhabe an der Kultur.

Wie kann es sein, dass Waffenexporte in Länder erlaubt sind, die Kriege mit anderen Ländern führen? Wie kann es sein, dass Ärzten Minuten zugeteilt werden, die sie mit Patienten verbringen dürfen, sonst geht es ans Geld? Wie kann es sein, dass Krankenhäusern zugeteilt wird, wie lange sie einen Patienten behandeln dürfen? Wie kann es sein, dass private Krankenhäuser arbeiten, um in erster Linie Geld zu verdienen, statt Menschen zu heilen? Wenn sie sich nicht lohnen, werden sie geschlossen, obwohl sie für Kranke gebraucht werden. Wie kann es sein, dass in der Heimat bedrohte Flüchtlinge hier diskriminiert und oft ausgewiesen werden? Wieso hilft man nicht, dass sie in ihrer Heimat in Frieden leben können? Wie kann es sein, dass es obdachlose Menschen gibt?

Deutschland würde nicht zugrunde gehen, wenn man vorbildlich die Menschenrechte achten und einhalten würde. Der Kampf darum darf nicht aufgegeben werden.

Gibt es eine Botschaft, die für Sie persönlich wichtig ist?

K. Müller: Ich wünsche mir, dass die Regierungen in der ganzen Welt den Gelüsten vieler ihrer Leute und Lobbyisten nach Reichtum und Vorherrschaft nicht nachgeben und allen Bürgerinnen und Bürgern ein friedliches, gleichberechtigtes Leben garantieren. Dafür sind die heute reichen Staaten verantwortlich.

Lothar Bazynski

Porträt einer weißen Person mit regennasser Lederjacke und Basecap, deren Schirm nach hinten zeigt. Zu sehen ist nur der Oberkörper; die Person hat halblange Haare, viele Falten und lächelt in die Kamera. Unscharf im Hintergrund eine Straße mit einem vorbeifahrenden Auto, mehrgeschossige Häuser und ein Baum.
© DIMR/Barbara Dietl

Lyza Schwab

Porträt einer Schwarzen Person mit kurzen, blondierten Haaren. Zu sehen ist nur der Oberkörper, sie trägt Ohrringe, ein Unterlippenpiercing und einen hellblauen Rollkragenpullover. Sie schaut direkt in die Kamera und hat ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Sehr unscharf im Hintergrund ein Bürgersteig, Häuser, Bäume und Lichtreflexe.
© DIMR/Barbara Dietl

Jutta Ungemach

© DIMR/Barbara Dietl

Jutta Ungemach, was hat Sie dazu bewogen, an einem Fotoprojekt zum Thema Menschenrechte mitzuwirken? Was hat Sie daran interessiert?

Jutta Ungemach: Grundsätzlich unterstütze ich jede Initiative, die ich gut finde, wenn es im Bereich meiner Möglichkeiten liegt. Am Fotoprojekt zum Thema Menschenrechte interessierte mich, wie das Thema mit dem Medium Fotografie umgesetzt werden würde. Ich hatte selbst keine Idee dazu und stellte es mir schwierig vor.

Was verbinden Sie mit Menschenrechten?

J. Ungemach: Ich verbinde damit, dass es bei allen Ungleichheiten, die allein durch die verschiedenen Umstände der Geburt existent sind, unveräußerliche Rechte für jeden Menschen gibt. Deren Einhaltung würde die durch Ungleichheit bedingten Ungerechtigkeiten mindern können. Daher sehe ich es als eine Aufgabe für jeden Menschen, sich dafür einzusetzen. Im Kleinen begegnen uns dazu viele Möglichkeiten. Diejenigen, die es auch im Großen tun, haben meine unbedingte Anerkennung. Ich verbinde damit außerdem die Vision, dass es irgendwann eine Welt geben wird, in der es allen Menschen vom Grundsatz her gut gehen wird.

Gibt es eine Botschaft, die für Sie persönlich wichtig ist?

J. Ungemach: Mir ist wichtig, nicht zu verzagen angesichts der unvorstellbar vielen und massiven Menschenrechtsverletzungen weltweit, mich nicht von der Angst, sondern der Vision leiten zu lassen.

Rainer Lewalter

Porträt einer weißen Person mit Nickelbrille, Bart und Schiebermütze. Zu sehen ist nur der Oberkörper, sie trägt ein graues T-Shirt mit Schriftzug. Sie sitzt in einem Rollstuhl, am Rand des Fotos ist der Handgriff zu sehen. Die Person schaut direkt in die Kamera, ohne zu lächeln. Unscharf im Hintergrund ein Bürgersteig, geparkte Autos und Fahrräder, Bäume, Häuser.
© DIMR/Barbara Dietl

Alenka Petersen

Porträt einer ca. 25-jährigen weißen Person mit schulterlangen Haaren. Zu sehen ist nur der Oberkörper, sie trägt ein blaues T-Shirt und einen großen, silbernen Ohrring. Sie blickt direkt in die Kamera, ohne zu lächeln. Im Hintergrund, leicht unscharf, eine Straße, zwei Personen auf Fahrrädern, eine Litfaßsäule, Bäume, parkende Autos, mehrstöckige Altbauten.
© DIMR/Barbara Dietl

Chris Philipps

Porträt einer weißen Person mit kurzen Haaren und Bart. Zu sehen ist nur der Oberkörper, sie trägt ein dunkelblaues T-Shirt und schaut ohne zu lächeln direkt in die Kamera. Unscharf im Hintergrund geparkte Fahrräder und Autos, Häuser, Bäume, eine orange Markise.
© DIMR/Barbara Dietl

(Die Interviews führten I. Scheffer und T. Stelzer)

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