Ausschreibungen

Ausschreibung Werkvertrag Datenerhebungen Kinder- und Jugendrechte-Monitoring in Hessen

Ausschreibende Stelle: Die Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention

Die Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention (MSt. UN-KRK) des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR), der unabhängigen nationalen Menschenrechtsinstitution Deutschlands, begleitet seit ihrer Einrichtung 2015 die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland. Sie folgt dabei dem Mandat, die Rechte von Kindern im Sinne der UN-KRK zu fördern und zu schützen sowie die Umsetzung der Konvention in Deutschland durch sämtliche staatliche Stellen kritisch zu beobachten und zu bewerten. Seit 2021 begleitet die MSt. UN-KRK die Landesregierung in Hessen bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Hessen.

Ausgangssituation

Hessen ist das erste Bundesland, das ein Konzept für ein unabhängiges Kinder- und Jugendrechte-Monitoring in Auftrag gegeben hat. Das Deutsche Institut für Menschenrechte erstellte das Konzept und wird nun die erste Arbeitsphase des Kinder- und Jugendrechte-Monitoring in Hessen umsetzen. Hessen will damit die soziale und rechtliche Lebenswirklichkeit von über 835 000 Kindern und Jugendlichen auf Basis der Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) beobachten und bewerten.

Das Konzept empfiehlt, die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention in Hessen anhand von drei Startpunkten systematisch zu beobachten und zu bewerten:

  1. Bekanntmachung: Die Kinder- und Jugendrechte in Hessen unter Kindern und Jugendlichen, unter Erwachsenen und in Politik, Verwaltung und Justiz stärker bekannt machen,
  2. Beteiligung: die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Hessen in den Bereichen Bildung und Politik stärken,
  3. Bildungsgerechtigkeit: Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder und Jugendlichen in Hessen fördern.

Im Fokus der ersten Arbeitsphase steht die Bekanntmachung von Kinder- und Jugendrechten, da sie die Grundlage für die Verwirklichung aller Kinder- und Jugendrechte darstellt. Hierbei sollen insbesondere Kinder und Jugendliche als primäre Adressat*innen kinder- und jugendpolitischer Entscheidungen und als Träger*innen von Menschenrechten dazu befähigt werden, ihre Rechte zu kennen und auszuüben.

Ein wichtiges Instrument zur Beobachtung der Umsetzung von Kinder- und Jugendrechten in Hes­sen sind Kinder- und Jugendrechte-Indikatoren. Sie helfen bei der Bewertung der hessischen Kin­der- und Jugendrechtssituation und geben wich­tige Hinweise auf den Stand der Umsetzung von Kinder- und Jugendrechten. So können Kinder- und Jugendrechte-Indikatoren Erfolge anzeigen und auf Defizite in der Umsetzung in Hessen hinweisen. Dazu gehört, bereits vorhandene Daten zu bewerten und fehlende Daten zu erheben. Für das Konzept wurden insgesamt 38 Indikatoren entwickelt.

Zielsetzung

Zu dem Startpunkt 1 Bekanntmachung des Kinder- und Jugendrechte-Monitorings in Hessen zählen drei Indikatoren, für die Daten erhoben werden sollen:

  1. Bekanntheitsgrad der UN-KRK unter Kindern und Jugendlichen in Hessen
  2. Kenntnisstand über Möglichkeiten der Beteiligung und deren tatsächliche Nutzung durch Kinder und Jugendliche
  3. Bekanntheitsgrad der UN-KRK unter Erwachsenen in Hessen

Zwei Zielgruppen stehen im Fokus der Datenerhebungen in Hessen und stellen jeweils Lose der Ausschreibungen dar:

  1. Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre)
  2. Erwachsene.

Dementsprechend schreibt die Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention zwei jeweils wählbare Lose für die Datenerhebungen zum Startpunkt 1 „Bekanntmachung“ aus.

Los Nr. 1: Befragung von Kindern und Jugendlichen in Hessen (bis 18 Jahre)

Daten-Erhebungen von zwei Indikatoren mittels Befragung (bspw. Telefon oder Online):

  1. Bekanntheitsgrad der UN-KRK in Hessen (zum Indikator siehe Konzept: S. 27)
    a. unter Kindern und Jugendlichen
  2. Kenntnisstand über Möglichkeiten der Beteiligung (und deren tatsächliche Nutzung) (zum Indikator siehe Konzept: S. 38-39)
    a. bei Kindern und Jugendlichen

Kriterium Operationalisierung Zufallsstichprobe (gewünscht: 800-1000 Kinder und Jugendliche), geschichtet (Schichtungsmerkmale nach Absprache mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention)

  • Nach Vergleichsuntersuchung (2018): um eine Vergleichbarkeit zwischen den Monitoring-Intervallen zu gewährleisten, soll für den Indikator eins die Befragung dem Vorgehen des DKHW (vgl. 2018: S. 32)  folgen und um die Nennung von Kinder- und Jugendrechten (siehe nachfolgend (a)) ergänzt werden.

Beispiel der Befragung zur Bekanntheit der UN-Kinderrechtskonvention:

  • „Sind Dir die in der UN-Kinderrechtskonvention verankerten Kinder- und Jugendrechte bekannt?“
    • „Darin kenne ich mich ganz gut aus.“
      • (a) „Bitte nenne drei Kinder- und Jugendrechte:“
    • „Das Thema Kinderrechte kenne ich nur vom Namen her.“
    • „Davon habe ich noch nichts gehört oder gelesen.“
  • Bestimmung weiterer Items und Antwortkategorien für die Erhebung in Absprache mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention
  • Nach Vergleichsuntersuchung (2017): für den Indikator zwei soll die Befragung dem Vorgehen der Wiesbadener Stadtanalysen zum Thema Beteiligung folgen (vgl. Kinder- und Jugendrechte-Charta Hessen aus dem Jahre 2018: S. 38)

Kriterium Disaggregation/Schichtung (gilt für beide Indikatoren): soweit möglich und nach Absprache mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention, gewünscht sind u.a. folgende Zielinformationen:

  • Zu Lebensräumen in Hessen (bspw. städtisch/ländlich, Landesteile und Regionen),
  • Auf Basis von Art. 2 UN-Kinderrechtskonvention (Recht auf Nicht-Diskriminierung) sollen vulnerable Gruppen von Kindern und Jugendlichen (d.h. intersektional: im Besonderen mit Migrationsgeschichte bzw. nach Selbstzuordnung, mit Behinderungen und nach Geschlecht) mittels zielgruppen-adäquater Datenerhebung (bspw. alternatives Sampling) befragt werden.

Los Nr. 2: Befragung von Erwachsenen in Hessen

Daten-Erhebung von einem Indikator mittels Befragung (bspw. Telefon oder Online)

(zum Indikator siehe Konzept: S. 27-28):

  1. Bekanntheitsgrad der UN-KRK in Hessen.
    a. Unter Erwachsenen und Personensorgeberechtigten

Kriterium Operationalisierung:

  • Nach Vergleichsuntersuchung (2018): um eine Vergleichbarkeit zwischen den Monitoring-Intervallen zu gewährleisten, soll für diesen Indikator die Befragung dem Vorgehen des DKHW (vgl. 2018: S. 32) folgen und um die Nennung von Kinder- und Jugendrechten (nachfolgend (a)) ergänzt werden:

Beispiel der Befragung zur Bekanntheit der UN-Kinderrechtskonvention

  • „Sind Ihnen die in der UN-Kinderrechtskonvention verankerten Kinder- und Jugendrechte bekannt?“
    • „Darin kenne ich mich ganz gut aus.“
      • (a) „Bitte nennen Sie drei Kinder- und Jugendrechte:“
    • „Das Thema Kinderrechte kenne ich nur vom Namen her.“
    • „Davon habe ich noch nichts gehört oder gelesen.“
  • Bestimmung weiterer Items und Antwortkategorien für die Erhebung in Absprache mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention

Kriterium für die Stichprobe: Disaggregation/Schichtung der Zielgruppe Erwachsene (gewünscht: 800-1000 Erwachsene): soweit möglich und nach Absprache mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention. Gewünschte Zielinformationen sind u.a. Bildungsstand, Einkommen, Geschlecht, Migrationshintergrund und Wohnort (Stadt/Land, Region). Es sollen befragt werden:

  • Eltern und Personensorgeberechtigte sowie
  • Erwachsene allgemein

Aufgaben und Leistungen des externen Dienstleisters

Folgende Leistungen werden erwartet:

  • Vorlage eines Erhebungskonzepts:
    • Bearbeitung von 1 bis 2 Losen
  • Zugang und Kontaktaufnahme zu den Feldern und Zielgruppen
  • Gewährleistung von Datenschutz:
    • Bereitstellung der Einwilligungserklärungen (u.a. für das Einverständnis der Sorgeberechtigten bei der Befragung von Minderjährigen)
    • Beachtung der Kinderschutzrichtlinien der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention und Sensibilisierung hierzu für alle am Auftrag beteiligten Akteur*innen (einschließlich der im Kontext der Befragungen von Kindern und Jugendlichen beteiligten Interview*innen)
  • Durchführung eines Pre-Tests mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention zum Zwecke der Prüfung von Anforderungen an das Erhebungsmaterial und der eventuellen Qualitätsverbesserung
  • Regelmäßige Rücksprachen (digital oder telefonisch) mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention
  • Erstellung von Fragebögen bzw. Erhebungsinstrumenten, Schulung der Interviewer*innen
    • Los 2 (Kinder und Jugendliche) betreffend:
      • Checkliste für kinder- und jugendgerechte sowie diskriminierungskritische Forschung
      • alternatives Sampling für das Kriterium Disaggregation/Schichtung in Absprache mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention
  • Durchführung der Erhebungen entsprechend der Lose und in Absprache mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention
  • Analyse von Daten sowie ihre, Verfügbarmachung und Übermittlung an die Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention:
    • Bereitstellung der Rohdaten (u.a. Meta- und Paradatenblatt sowie Excel-Tabelle mit Rohdaten der Befragungen)
    • Ausführliche Zusammenstellung und Visualisierung deskriptiver Daten und Ergebnisse der Erhebungen (zu den Zielgruppen je nach Los; disaggregiert/geschichtet) in einem Bericht
    • Erstellung einer Zusammenfassung zu den Ergebnissen der Erhebungen (Fließtext, max. 3 Seiten).
    • Interpretation
      Eine kinder- und jugendrechtsfundierte Interpretation der erhobenen Daten für das Monitoring erfolgt im Anschluss durch das Deutsches Institut für Menschenrechte.

Ihr Profil

Folgendes Profil wird der Auswahl von Angeboten zugrunde gelegt:

  • Projektleitung mit Hochschulabschluss in einem sozialwissenschaftlichen, erziehungswissenschaftlichen oder vergleichbaren Fach.
    Wir streben eine gleichmäßige Repräsentation aller gesellschaftlichen Gruppen unter unseren Auftragnehmer*innen an. Wir möchten den Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte, Schwarzen Personen / People of Color und Menschen mit Behinderungen erhöhen und ermutigen daher zur Angebotsangabe.
  • Erfahrung in der quantitativen Forschung mit Kindern und Jugendlichen
  • Methodenkenntnisse: kinder- und jugendrechtsfundierte Forschung mit Kindern und Jugendlichen; Methodenvielfalt (einschließlich alternative sampling)
  • Gute Kenntnisse zum Bundesland Hessen, insbesondere zur Situation von Kindern und Jugendlichen in Hessen
  • Gute Kenntnisse zur UN-Kinderrechtskonvention
  • Erfahrung in der Erstellung von Studien und Berichten
  • Zuverlässiges, eigenständiges Arbeiten und Einhaltung von Abgabeterminen.

Zeitrahmen

Auftragsvergabe: 21. Dezember 2022

Ausführungsbeginn: 22. Dezember 2022

Gemeinsamer Termin mit MSt. UN-KRK zur Besprechung des Auftrags sowie zur geplanten Vorgehensweise (road map): Bis 15. Januar 2023

Abgabe: Leitfäden und Konzept Zugang zu den Interviewpartner*innen: Bis 15. Januar 2023

Abgabe der finalisierten und abgestimmten Konzeption der Studie (Methodik, Umfang, Format, Logistik, ethische Leitlinien etc.) sowie Pre-Tests mit der MSt. UN-KRK: Bis 20. Januar 2023

Zugang zu dem Feld etablieren: Ab Dezember 2022

Abschluss der empirischen Arbeiten sowie Abgabe des finalen Berichts an MSt. UN-KRK: Bis 21. April 2023, Nachbearbeitungen können eingefordert werden bis zum 22. Mai 2023

Gemeinsamer Termin mit MSt. UN-KRK zur Besprechung des finalen Berichts (Zusendung des Berichts vorab): im Mai 2023

Falls Sie Fragen zur Ausschreibung haben sollten, senden Sie diese bitte per E-Mail an den wissenschaftlichen Mitarbeiter im Projekt: Walīd Malik (malik(at)dimr.de).

Wir freuen uns, mit Ihnen zu den einzelnen Losen und zum Zeitplan der gewünschten Datenerhebungen ins Gespräch zu kommen.

Ihr Angebot reichen Sie bitte per Post an

Walīd Malik
Deutsches Institut für Menschenrechte
Zimmerstraße 26/27
10969 Berlin

oder digital an

Walid Malik

E-Mail: malik(at)dimr.de

bis zum 13.12.2022, 12 Uhr ein.

Wir bewerten Ihr inhaltliches Angebot mit 60 % (v.a. Konzeption, Vorgehen, Erfahrungen) und Ihr finanzielles Angebot mit 40 %.

Anforderungen an das Angebot

Ihr Angebot sollte mindestens folgende Bestandteile enthalten

  • Allgemeine Informationen (u. a. Name und Anschrift der Kontaktperson);
  • Kurzdarstellung: Auftragnehmer*in, institutionelle Struktur sowie ein Nachweis der Rechtsform;
  • Kurzdarstellung: inwieweit erfüllen Sie das unter 3. beschriebene Profil? Bitte reichen Sie hierzu Nachweise einschlägiger Erfahrungen und Referenzen ein; des Weiteren begrüßen wir Referenzen zu vergleichbaren Projekten;
  • Kurzvorstellung: das einzusetzende Personal (einschließlich ihrer Qualifikationen und Diversität)
  • Projektskizze:
    • Los-Entscheidung: zu welchen der unter 1. Zielsetzung genannten zwei Zielgruppen können Sie Daten erheben?
       
    • Zudem sollte Ihre Projektskizze beinhalten: Vorgehen (inkl. Erhebungsplan und statistischer Plan), kurzer Problemaufriss, Vorgehensweise der Operationalisierung und Disaggregation der unter 2. genannten Aufgaben zur Erreichung der unter 1. genannten Ziele im zeitlichen Rahmen (4.) sowie eine Kurzbeschreibung der durchzuführenden Arbeiten (als Grobkonzept).

Bitte stellen Sie in Ihrem Angebot transparent dar, in welchem Umfang Sie unsere Anforderungen erfüllen.

Bitte stellen Sie die angebotenen Leistungen sowie die entsprechenden Preise in Tagessätzen nach Losen aufgeschlüsselt transparent und nachvollziehbar dar, insbesondere die optionalen Leistungen.

Mehr Informationen zu den beiden Projekten im Vorhaben „Kinder- und Jugendrechte-Monitoring in Hessen“ können Sie den Steckbriefen entnehmen:
Aktuell: „Erste Arbeitsphase des Kinder- und Jugendrechte-Monitorings in Hessen (2022-2023)“ https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/das-institut/gefoerderte-projekte/erste-arbeitsphase-des-kinder-und-jugendrechte-monitorings-in-hessen

Abgeschlossen: „Konzeption eines Kinder- und Jugendrechte-Monitorings in Hessen (2021-2022)“: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/das-institut/gefoerderte-projekte/entwicklung-eines-konzepts-fuer-ein-kinder-und-jugendrechte-monitoring-in-hessen

Literatur:

Deutsches Kinderhilfswerk (2018): Kinderreport Deutschland 2018. Rechte von Kindern in Deutschland. Berlin

Hessisches Ministerium für Soziales und Integration (2018): Hessische Kinder- und Jugendrechte-Charta. Wiesbaden

Landeshauptstadt Wiesbaden (2017): Wiesbadener Stadtanalysen. Jugend in Wiesbaden, Ergebnisse der Jugendbefragung 2017, Band I: Konzepte und Ergebnisse, Wiesbaden

 

 

Ansprechpartner*in

Walid Malik

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Telefon: 030 259 359 - 245

E-Mail: malik(at)institut-fuer-menschenrechte.de

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