Mit Zollstock und Checkliste: Workshop "Veranstaltungen in Bibliotheken barrierefrei gestalten"

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(v.l.) Doreen Hennig, Sotiria Midelia, Rose Jokic, René Strauß, Oya Ataman © DIMR/Tosic

Mit Zollstock und Checkliste: Workshop "Veranstaltungen in Bibliotheken barrierefrei gestalten"

Am 14. November 2016 hatte die Bibliothek zu einem ganztägigen Workshop "Veranstaltungen in Bibliotheken barrierefrei gestalten" ins Deutsche Institut für Menschenrechte eingeladen. Der Einladung folgten 20 Mitarbeitende aus wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken, Spezialbibliotheken und Fachhochschulen. Rose Jokic und Sotiria Midelia vom Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V. leiteten den praxisorientierten Workshop.

In der UN-Behindertenrechtskonvention werden Bibliotheken in Artikel 30, Teilhabe am kulturellen Leben, ausdrücklich erwähnt. Als öffentliche Kultur- und Bildungseinrichtungen sind sie wichtige Orte für gesellschaftliche Inklusion. Der eintägige Workshop vermittelte praxisnah und interaktiv, wie Bibliotheken künftig ihre Veranstaltungen barrierefrei gestalten können, damit sie für möglichst viele Menschen wahrnehmbar und zugänglich sind.

Sensibilisierung und Grundlagen

"Was ist Barrierefreiheit? Wer benötigt Barrierefreiheit? Wie können Barrieren vermieden werden?" lauteten die Einstiegsfragen in das Thema. Anhand von Fotos, die öffentliche Gebäude und Veranstaltungsräume zeigten, lernten die Teilnehmenden mögliche Barrieren für Menschen mit Behinderungen sowie inklusive Gestaltungskonzepte (Universal Design) zu identifizieren. In einer späteren Phase des Workshops testeten sie aktiv mit Zollstock und Checkliste die baulichen Gegebenheiten in der Umgebung sowie die Zugänglichkeit des Instituts und der Bibliothek. Sie bestätigten danach eine der Kernaussagen der Trainerinnen: "Ein Zugang ohne Hürden ist komfortabler für alle, nicht nur für Menschen mit Behinderungen".

Barrierefreie Kommunikation

Im zweiten Teil des Programms stand die Kommunikation vor und während einer Veranstaltung im Mittelpunkt. Die Leitfragen dazu lauteten: "Wie spreche ich die Zielgruppen an? Wo mache ich mein Angebot bekannt, um möglichst viele Menschen zu erreichen? Welche Vorkehrungen sind während der Veranstaltung zu treffen?" Die Trainerinnen informierten über barrierefreie Web-Angebote und PDFs, über Leichte und einfache Sprache, Gebärdensprache, Schriftdolmetschen, Höranlagen und Mehrsprachigkeit. Da schon aus Kostengründen nicht jede Veranstaltung komplett barrierefrei geplant werden könne, schlugen sie den anwesenden Bibliotheken vor, bei der Anmeldung mögliche Bedarfe abzufragen und danach angemessene Vorkehrungen zu treffen. In öffentlichen Veranstaltungen, die Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zum Thema haben, sollte aber eine barrierefreie Gestaltung von Anfang an gegeben sein, so das Plädoyer der Trainerinnen.

"Laura rettet die Welt"

Der Workshop endete mit einer Lesung in einfacher Sprache. Doreen Hennig, Mitarbeiterin der Lebenshilfe Berlin e.V. und Leiterin eines LEA Leseclubs für Menschen mit und ohne Behinderungen, las zusammen mit René Strauß, einem regelmäßigen Teilnehmer am Leseclub, eine Geschichte von Charlotte Richter-Peill: "Laura rettet die Welt". Oya Ataman vom Berufsverband der Gebärdensprachdolmetschenden Berlin/Brandenburg (BGGB e.V.), dolmetschte die Lesung simultan und beantwortete anschließend zahlreiche Fragen der Teilnehmenden zum Thema Gebärdensprachdolmetschen. (as)

Weitere Informationen:
Beim Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V. kann die Broschüre: "Barrierefreiheit aktiv gestalten" als PDF (5 Euro) oder gedruckt (10 Euro) erworben werden.

Das Buch "Die Kunst der Einfachheit. Geschichten in Einfacher Sprache" (ISBN: 978-3-88617-552-9) kostet 10 Euro plus Versand. Sie können es auf der Website der Bundesvereinigung Lebenshilfe bestellen. Dort finden Sie auch Informationen über die Lea Leseclubs.

Auf der Website des BGGB e.V. können Sie Gebärdensprachdolmetschende für Veranstaltungen buchen.