Der verpasste Frühling - Lesung und Gespräch mit Julia Gerlach

Servicenavigation

Sie befinden sich hier: Bibliothek > Aktuelles > 
Zwei Personen sitzen hinter einem Tisch, vor ihnen zwei Bücher sowie mehrere Wasserflaschen, hinter ihnen Bücherregale. Beide lächeln.

Julia Gerlach (li.) lebte von 2008 bis 2015 in Kairo und interviewte dort Menschen, die an der Revolution beteiligt waren © Sieberns/DIMR

Der verpasste Frühling - Lesung und Gespräch mit Julia Gerlach

Am 10. Mai las Julia Gerlach in der Bibliothek des Instituts aus ihrem neuen Buch "Der verpasste Frühling: Woran die Arabellion gescheitert ist". Anna Würth, Leiterin der Abteilung Internationale Menschenrechtspolitik, moderierte den Abend. Rund 30 Zuhörende waren gekommen.

Zu Beginn der Lesung zeigte Julia Gerlach ein Musikvideo mit einer der "Hymnen" der Ägyptischen Revolution, "Sout Al Horeya" (Stimme der Freiheit).

Julia Gerlach ist Politik- und Islamwissenschaftlerin. Als Journalistin arbeitet sie unter unterem für das ZDF, die Berliner Zeitung und den arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Von 2008 bis 2015 lebte sie als Pressekorrespondentin in Kairo und interviewte dort über Jahre hinweg Menschen, die an der Revolution beteiligt waren – Aktivistinnen und Aktivisten jedweder politischer Ausrichtung, Politiker und Politikerinnen sowie Bürgerinnen und Bürger. In ihrem Buch geht sie der Frage nach, wie es dazu kommen konnte, dass "aus dem arabischen Traum ein Albtraum wurde" und wie langfristig eine andere Entwicklung aussehen könnte.

Das Wunder des 25. Januar 2011

Der "Arabische Frühling" fand in vielen arabischen Ländern statt – unter anderem in Ägypten, Algerien, Jemen, Libyen, Marokko und Syrien. Angestoßen wurde er in Tunesien im Dezember 2010, als sich der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi als Protest gegen die ihm widerfahrene Polizeiwillkür und Demütigung selbst anzündete. Millionen Menschen gingen in der Folge auf die Straße und demonstrierten für ihre Menschenwürde, gegen Menschenrechtsverletzungen und soziale Ungerechtigkeit. Sie hofften auf ein Ende der autokratischen Regime und setzten sich für eine freie und Gesellschaft ein.

Julia Gerlach berichtete, dass der Ausbruch der Revolution in Ägypten für alle überraschend kam, fast wie ein Wunder. Niemand hatte damit gerechnet, dass die erste große Demonstration am 25. Januar 2011 gegen die 30-jährige Herrschaft von Präsident Mubarak von den staatlichen Sicherheitskräften zugelassen werden würde. Dieser Erfolg und die daraus resultierende Hoffnung mobilisierten zehntausende  Menschen, generationen- und klassenübergreifend, öffentlich für sozialen und politischen Wandel einzustehen.

"Neu-altes Regime"

Um die heutige politische Situation in Ägypten zu beschreiben, prägte Julia Gerlach den Begriff "neu-altes Regime", das nun fest im Sattel sitzt. Den Begriff bebildert ein Graffiti von Omar Picasso, das die drei aufeinander folgenden ägyptischen Präsidenten zeigt und dabei ihre Gleichartigkeit in den Mittelpunkt stellt. Das Graffiti ist auch das Cover von Julia Gerlachs Buch. Angesichts dieser Verhältnisse und der zunehmenden Repression gegen jedwede Kraft, die als politische Opposition betrachtet wird, hat sich in der Bevölkerung Ernüchterung breit gemacht. Tiefgreifende Verbesserungen der Lebensverhältnisse sind nicht eingetreten.  
(V. Rock)

Julia Gerlach: "Der verpasste Frühling - Woran die Arabellion gescheitert ist", 18,- Euro

Audio-Mitschnitte der Lesung: