"Der gleichberechtigte Zugang zu Bibliotheken ist ein Menschenrecht"

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Porträt

Prof. Dr. Theresia Degener © DIMR/Archiv

"Der gleichberechtigte Zugang zu Bibliotheken ist ein Menschenrecht"

Theresia Degener auf dem "Weltkongress Bibliothek und Information" über die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention für Bibliotheken

Vom 16. bis 22. August trafen sich rund 4.000 Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus der ganzen Welt in Lyon, Frankreich, um an der 80. Generalkonferenz des Internationalen Bibliotheksverbands (IFLA) teilzunehmen. Am 17. August, dem ersten offiziellen Konferenztag, fand auf Initiative von Anne Sieberns, Leiterin der Institutsbibliothek, eine Veranstaltung über die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) für Bibliotheken statt. Als Ehrengast und Hauptrednerin konnte Theresia Degener, deutsches Mitglied des UN-Fachausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, gewonnen werden.

Barrierefreier Zugang zu Information

Theresia Degener erläuterte den circa 140 Teilnehmenden zunächst die Grundlagen der UN-BRK und die Arbeit des UN-Ausschusses. Ausführlicher stellte sie die Artikel der Konvention vor, die für Bibliotheken besonders bedeutend sind. Darunter Artikel 9 zu Barrierefreiheit, der auch den barrierefreien Zugang zu Information und Kommunikation sowie Informations- und Kommunikationstechnologien enthält. Artikel 21, Meinungsfreiheit und Recht auf Zugang zu Information, fordert unter anderem die Bereitstellung von öffentlichen Informationen in barrierefreien Formaten und Technologien. Ausdrücklich erwähnt werden Bibliotheken gemeinsam mit anderen kulturellen Einrichtungen in Artikel 30 zum Recht auf Teilhabe am kulturellen Leben.

Bibliotheken als Akteure bei der nationalen Umsetzung der BRK

Bibliotheken könnten sich aktiv an der Umsetzung der Konvention in ihren Ländern beteiligen, so Theresia Degener, indem sie sich für Diskriminierungsfreiheit und das gleiche Recht auf Zugang zu Informationen einsetzten. Darüber hinaus seien Bibliotheken ideale Orte, um über die UN-BRK zu informieren und damit zur Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft beizutragen. Dabei könnten sie auf nationaler Ebene mit anderen Akteuren wie Nationalen Menschenrechtsinstitutionen, Monitoring-Stellen oder Behindertenrechtsorganisationen zusammenarbeiten. Theresia Degener forderte die Zuhörerinnen und Zuhörer auch ausdrücklich dazu auf, Informationen und Berichte über die Umsetzung der Konvention in ihren Ländern direkt beim UN-Ausschuss einzureichen, zum Beispiel im Rahmen der periodischen Staatenberichtsverfahren.

"Erklärung von Lyon über den Zugang zu Informationen und Entwicklung"

Bereits am Vormittag hatte die derzeitige Präsidentin der IFLA, Sinikka Sipilä, in ihrer Eröffnungsrede Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und das Recht auf Zugang zu Information als "Kernwert der IFLA und des Bibliothekswesens" bezeichnet. Auch deshalb habe die IFLA eine neue Erklärung zum Zugang zu Information und Entwicklung verfasst, mit der der Verband eine "positiven Einfluss auf die Post-2015-Agenda der Vereinten Nationen" nehmen möchte. Die Erklärung lege dar, dass Zugang zu Informationen Entwicklung fördert, indem sie Menschen befähigt, "von ihren bürgerlichen, politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Rechten Gebrauch zu machen, neue Fähigkeiten zu erlernen und anzuwenden, Entscheidungen zu treffen und an einer aktiven und engagierten Zivilgesellschaft teilzuhaben".
(A. Sieberns)

Erklärung von Lyon über den Zugang zu Informationen und Entwicklung (PDF, 375 KB, nicht barrierefrei)

The Lyon Declaration On Access to Information and Development