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70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: „Für eine Kultur der Menschenrechte“

© DIMR/P. Hahn

· Meldung

Veranstaltungsbericht

Am 10. Dezember 1948 proklamierte die Generalversammlung der Vereinten Nationen feierlich die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als gemeinsame Richtschnur, auch genannt „common standard of achievement“. 70 Jahre danach hat die Erklärung nichts von ihrer Aktualität verloren. Nach wie vor ist sie die Grundlage für die weltweite Anerkennung der Menschenrechte und für die Forderung nach deren Verwirklichung.

Anlässlich des 70. Jahrestags ihrer Verabschiedung luden das Deutsche Institut für Menschenrechte, der Deutsche Kulturrat und die Initiative kulturelle Integration zur Festveranstaltung „Für eine Kultur der Menschenrechte“ ein. Sie fand am 22. November in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt.

Die Rede der Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die nachfolgende Diskussionsrunde griffen insbesondere die Wechselwirkung zwischen Kultur und Menschenrechten auf: Welche Rolle spielen Menschenrechte im und für den Kulturbereich? Und haben Kulturschaffende angesichts der aktuellen Herausforderungen eine besondere Verantwortung für den Einsatz für Menschenrechte?

Prof. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrates

„Es gibt keine Menschen erster und zweiter Klasse. Punkt! Angesichts mitunter geführter politischer Debatten in Deutschland ist es notwendig, dieses klar zu stellen. Die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig multilaterale Abkommen sind. Es kann und darf in der globalen Welt nicht darum gehen, wie sich jeder selbst der Nächste ist, sondern wie gemeinsam für die Rechte aller Menschen eingetreten werden kann.“

Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien

„Kunst, Kultureinrichtungen und Medien können in besonderer Weise dazu beitragen, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ihre zivilisatorische Wirkung auch in der kleinen Welt des einzelnen entfaltet. Wir brauchen dafür die Vielstimmigkeit unabhängiger und kritischer Medien, wir brauchen die Lehren aus der Aufarbeitung unserer Vergangenheit, wir brauchen die Phantasie und auch den Widerspruchsgeist der Kunst – und eine Kultur- und Medienpolitik, die dafür Raum und Rahmenbedingungen schafft. Ob Literatur, Theater, bildende Kunst, Musik, Tanz oder Film, ob in Museen und Gedenkstätten, Projekten und Initiativen: Kunst und Kultureinrichtungen können Verbindendes sichtbar machen, wo das Trennende die Wahrnehmung beherrscht, sie können Perspektiven verschieben und Vorstellungsräume erweitern – und damit auch das Bewusstsein für Grausamkeit und Gewalt, für Unterdrückung und Diskriminierung.“

Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins

„Menschenrechte sind nichts Statisches, sondern eröffnen einen Gestaltungsraum, der gefüllt werden muss. Ich erkenne leider in weiten Teilen keine automatische Anerkennung der Menschenrechte und der Komplexität des Miteinanders mehr, sondern eine große Frustration und Freiheitsunmündigkeit. Unsere Gesellschaft, die durch Freiheit und Menschenrechte gekennzeichnet und so wahnsinnig komplex ist, ist allerdings immer noch die beste aller Welten. Aber sie ist auch eine große Herausforderung. Zu lernen, damit umzugehen – also auch mit Leuten, die sie in Frage stellen – ist eine Aufgabe. Der konkrete Bedeutung der Menschenrechte muss jeden Tag neu verhandelt werden.“

Dalia Grinfeld, Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland

„Warum müssen Juden aufstehen, wenn gegen Muslime gehetzt wird? Für die Beantwortung der Frage berufe ich mich nicht nur auf das Jüdischsein, sondern auch auf das Grundgesetz und die Menschenrechtserklärung. Genau weil ich diese Werte habe, ist es für mich sowohl aus jüdischer Perspektive als auch als deutsche Bürgerin relevant, für andere Gruppen einzustehen. Und zwar unabhängig davon, ob ich Teil dieser Gruppen bin und unabhängig davon, was ich von diesen Gruppen zurückerwarte. Dass eine jüdische Wohlfahrtsorganisation eine unglaublich große Flüchtlingshilfekampagne auf die Beine gestellt hat, ist so erstmal absolut unabhängig vom Antisemitismus unter Geflüchteten.“

Prof. Dr. Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte

„Eine Kultur der Menschenrechte braucht engagierte Menschen, die vom Staat die Beachtung der Menschenrechte einfordern und diese selbst im Alltag leben. Respekt vor dem Anderen, Anerkennung der gleichen Würde und Rechte aller Menschen, Bereitschaft zum unvoreingenommenen Meinungsaustausch – all das macht eine Kultur der Menschenrechte aus und sichert das friedliche Miteinander in einer Gesellschaft. Kunst und Kultur öffnen hierfür Räume. Im besten Fall lassen sie Menschen ihre individuelle Würde erfahren und stärken die Bereitschaft zum solidarischen Einsatz für die Rechte anderer.“

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Moderator der Initiative kulturelle Integration

„Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist kein Poesiealbum. Sie ist eine Verpflichtung und ihre Umsetzung verlangt Anstrengungen. Sie ist kein völkerrechtlicher Vertrag und daher leider nicht individuell einklagbar, aber sie entfaltet eine universelle zivilisatorische Wirkung. Sie gehört zum Besten, was wir Menschen uns als Menschen zugestehen.“

Prof. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrates © DIMR/P. Hahn
Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien © DIMR/P. Hahn
Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins © DIMR/P. Hahn
Prof. Dr. Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte © DIMR/P. Hahn
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Moderator der Initiative kulturelle Integration © DIMR/P. Hahn
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