Viele negative Altersbilder sind allgegenwärtig - Konsultation zum Schutz der Menschenrechte Älterer

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Dr. Claudia Mahler (li.) © DIMR

Viele negative Altersbilder sind allgegenwärtig - Konsultation zum Schutz der Menschenrechte Älterer

Öffentliche Konsultation zu den Menschenrechten Älterer, eine Veranstaltung des Büros der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte

Der UN-Menschenrechtsrat hat mit der Resolution 21/23 "Human rights of older persons" das Büro der Hochkommissarin für Menschenrechte beauftragt, eine öffentliche Konsultation zur Verbesserung und zum Schutz der Menschenrechte Älterer durchzuführen. Bei dieser Konsultation sollten Mitgliedstaaten, relevante internationale Organisationen, Organisationen der Vereinten Nationen und andere wichtige Gruppen Informationen austauschen und gute Beispiele vorstellen, die geeignet sind, die Menschenrechte von Älteren zu stärken. Diese Konsultation fand am 15. April 2013 in Genf statt.

Claudia Mahler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Menschenrechte, nahm für das Institut am Podium zu Altersdiskriminierung und "Ageism" teil. Sie stellte den rechtlichen Rahmen gegen Altersdiskriminierung in Deutschland dar und die Möglichkeiten, gegen Altersdiskriminierung vorzugehen. Sie trug unter anderem Erkenntnisse zu Altersbildern aus den Altersberichten der Bundesregierung und die Ansätze zur Verbesserung dazu vor. Dass Altersdiskriminierung in Deutschland vorkommt, wurde anhand einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) aufgezeigt, in der jede und jeder fünfte Befragte über Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Alters berichtet hatte. Auch wies Claudia Mahler darauf hin, dass die Nationalen Menschenrechtsinstitutionen es sehr begrüßen, dass sie im Rahmen der Konsultation des Menschenrechtsrates einbezogen werden, sie aber immer noch kein Mandat für die "UN Open endet working group on ageing" bei der UN-Generalversammlung in New York haben und dieser Umstand, wenn möglich bis zur nächsten Sitzung im August 2013, verändert werden sollte.

Neue Regelungen dürfen den bestehenden Schutz nicht verringern

Die Konsultation wurde von der neuen Stellvertretenden UN-Hochkommissarin, Falvia Pansieri, als erste Amtshandlung im neuen Amt geleitet. Das erste Panel setzte sich mit den Herausforderungen für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte Älterer auseinander. Dazu sprachen aus internationaler Perspektive Alanna Armitage (UNFPA) und Virginia Bras Gomes (Mitglied des Ausschusses über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte), die sich für einen besseren Schutz der Rechte der Älteren aussprachen, aber klar stellten, dass neue Regelungen keinesfalls den bereits bestehenden Schutz verringern dürfen. Ebenso trug in dieser Runde aus nationaler Perspektive Monica Roque aus Argentinien, die Direktorin für nationale Politik für Ältere, vor und gab einen detaillierten Bericht ab.

Die zweite Diskussionsrunde widmete sich den Themen Altersdiskriminierung und "Ageism". Susan Ryan von der Australischen nationalen Menschenrechtskommission ist die Kommissarin zur Bekämpfung von Altersdiskriminierung und legte dar, dass Australien ein spezifisches Gesetz zur Vermeidung und Bekämpfung von Altersdiskriminierung erlassen hat. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden unter anderem Untersuchungen zu Altersbildern und Vorurteilen in der Gesellschaft durchführen, und hätten dabei festgestellt, dass sehr viele negative Altersbilder und Zuschreibungen allgegenwärtig sind. Dies war auch die Diskussionsrunde, in der Claudia Mahler zu Deutschland vortrug. Den Abschluss bildete Israel Doron, der auf die Ursprünge der Gerontologie und des Begriffs „Ageism“ einging und aufzeigte, dass der rechtliche Rahmen noch nicht ausreichend sei, da bisher Alter meist als Krankheitsbild gewertet würde.

Lageberichte zu Gewalt an älteren Frauen in Kirgisistan und Tanzania

Am Nachmittag ging es weiter mit dem Recht auf Arbeit, Gesundheit und soziale Sicherheit für Ältere. Zum Thema Soziale Sicherheit, speziell zum "Social Protection Floor", trug eine Vertreterin der ILO, Emmanuelle St. Pierre-Guibault, vor. Das Recht auf Gesundheit für Ältere und Nationale Aktionspläne zu dessen Umsetzung wurden aus Sicht der WHO von Islene Araujo de Carvalho vorgestellt. Den Abschluss dieses Panels bildete eine Schilderung der Situation der Älteren in Marokko durch einen Vertreter einer marokkanischen NGO.

Die abschließende Runde widmete sich den Themen Misshandlungen, Vernachlässigungen und Gewalt gegen Ältere. Eine Vertreterin der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) machte darauf aufmerksam, dass diese Themen in der Arbeitsgruppe zu Älteren von UNECE schon lange aktuell sind, es aber an Daten und Informationen mangele, um konkrete Lösungsansätze zu entwickeln. Lageberichte speziell zu Gewalt an älteren Frauen wurden aus Kirgisistan und Tanzania vorgetragen und zeigten drastische Entwicklungen in beiden Staaten auf: Speziell Ältere Frauen werden sogar mit dem Tode bedroht, um sie daran zu hindern, beispielsweise ihr Recht auf Landbesitz in Anspruch zu nehmen. (cm)

Video-Interview mit Claudia Mahler (folgt)

Programm auf der Website OHCHR