"Menschenrechtsaktivistinnen leiden am meisten unter geschlechtsspezifischen Bedrohungen und Attacken auf die eigene Person"

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Die sechs Podiumsgäste stehen vor einer weißen Wand. Sie lächeln in die Kamera.

v. l.: Frank Schwabe, Julia Duchrow, Alejandra Ancheita, Michel Forst, Sieglinde Weinbrenner und Michael Windfuhr © Brot für die Welt/Hermann Bredehorst

"Menschenrechtsaktivistinnen leiden am meisten unter geschlechtsspezifischen Bedrohungen und Attacken auf die eigene Person"

Alejandra Ancheita hielt die 2. Werner Lottje Lecture am 11. November in Berlin

Am 10. November 2014 hielt Alejandra Ancheita, Direktorin der mexikanischen Menschenrechtsorganisation ProDESC, die "Werner Lottje Lecture". Ihr Thema: Wenn Staat und Unternehmen wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte verletzen – Probleme und Lösungsstrategien von Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern in Mexiko. Ancheita betonte unter anderem, dass vor allem Menschenrechtsaktivistinnen unter geschlechtsspezifischen Bedrohungen und Attacken auf die eigene Person zu leiden hätten, aber auch Kinder und Verwandte.

Auch Ancheita selbst wird immer wieder aufgrund ihres Engagements bedroht. Die kürzlich mit dem Martin Ennals Award ausgezeichnete Anwältin setzt sich unter anderem für Arbeitsschutzrechte und indigene Gemeinden ein, die ihre Landrechte gegen internationale Konzerne verteidigen. Ancheita hat in diesem Zusammenhang mehrere Unternehmen verklagt.

Der neue UN-Sonderberichterstatter zum Schutz von Menschenrechtsverteidigerinnen- und verteidigern, Michel Forst, bestätigte in seinem Vortrag über neue Herausforderungen beim Schutz von Menschenrechtsverteidigern, dass Menschenrechtsaktivistinnen weltweit verstärkt von Einschüchterungsmaßnahmen durch staatliche Stellen oder korrupte Unternehmen betroffen seien.

"Das Engagement der deutschen Botschaften für bedrohte Menschenrechtsverteidiger muss fortgeführt werden"

Ancheita, Forst, und Frank Schwabe, Sprecher der AG Menschenrechte und humanitäre Hilfe der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied des Menschenrechtsausschusses des Deutschen Bundestages, diskutierten im Anschluss die Frage, wie Menschenrechtsverteidiger bei Auseinandersetzungen mit Unternehmen besser geschützt werden könnten und welche Rolle Deutschland und die deutschen Botschaften hierbei spielen sollten.

Schwabe erinnerte unter anderem an das Programm des Deutschen Bundestages "Parlamentarier schützen Parlamentarier". Deutsche Abgeordnete könnten sich mit der Übernahme von Patenschaften für gefährdete Kolleginnen und Kollegen wie auch für Menschenrechtsaktivistinnen  und -aktivisten in anderen Ländern ganz konkret für deren Schutz einsetzen. Zudem sei das Engagement der Botschaften vor Ort für bedrohte Menschenrechtsverteidiger im Rahmen des bereits bestehenden Beobachtungssystems fortzuführen. Deutschland kooperiert dabei eng mit anderen Staaten der Europäischen Union. Grundlage hierfür sind die "EU-Leitlinien zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern", die entwickelt wurden, um die Situation von Menschenrechtsverteidigern weltweit nachhaltig zu verbessern.

In Erinnerung an einen großen Visionär der Menschenrechtsarbeit in Deutschland laden Brot für die Welt und das Deutsche Institut für Menschenrechte jährlich zur "Werner Lottje Lecture" ein. Die Werner Lottje Lecture diskutiert aktuelle Probleme und Herausforderungen des Menschenrechtsschutzes, besonders des Schutzes von Menschenrechtsverteidigerinnen und –verteidigern.
(hil)