Lange Nacht des Menschenrechtsfilms: "Das glaubt uns keiner"

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Der 17-jährige Filmemacher Tim <br>Hartelt mit Moderator <br>Knut Elstermann © DIMR

Lange Nacht des Menschenrechtsfilms: "Das glaubt uns keiner"

Großer Publikumsandrang bei der diesjährigen Filmnacht am 15. Januar in Berlin

Der Theatersaal im Haus der Kulturen der Welt in Berlin war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Moderator des Abends, rbb-Kino-Experte Knut Elstermann, gab zu Beginn der rund vierstündigen Filmnacht den Platzanweiser. Von der Bühne aus dirigierte er über Mikrofon noch stehende Gäste zu den letzten freien der fast 400 Plätze im Saal.

Mit im Publikum: die Macherinnen und Macher der fünf Werke, die an diesem Abend gezeigt wurden – die besten Menschenrechtsfilme des Jahres 2012. Die Filme wurden im Dezember in Nürnberg mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis ausgezeichnet.

Nicht immer sind jahrelange Erfahrung oder eine professionelle Ausbildung nötig, um einen Film zu machen, der anrührt, anregt oder gar aufregt. Das bewies an diesem Abend der Eröffnungsfilm "Syrien - zwischen Verzweiflung und Hoffnung", ausgezeichnet in der Kategorie "Amateurfilm". In dem Dokumentarfilm werden syrische Exilantinnen und Exilanten mit ihrem Leiden, ihrer Wut und ihren politischen Forderungen zu Gehör gebracht. Dazwischen illustriert Filmmaterial aus Internet und Fernsehen die Unterdrückung jeder Form von Opposition, die Gewalt und maßlose Härte des Regimes gegenüber den Demonstrierenden.

Staunende Gesichter im Saal

Staunende Gesichter im Saal, als der Macher des Films die Bühne bestieg: Tim Hartelt, ein 17-jähriger Schüler aus Marl. Von den Recherchen über den Dreh bis hin zum Schnitt hatte er alles selbst gemacht. Die Idee dazu entstand aus einem Schulprojekt. "Es gab verschiedene Themenvorschläge für eine Projektarbeit, die wir anfertigen sollten. Ich habe mich für das Thema Naher Osten entschieden und bin hier auf das Thema Syrien gestoßen. Wir konnten auch etwas schreiben oder malen, ich habe gedacht, ich drehe einen Film." Für so viel Engagement und monatelange Arbeit erntete der junge Filmemacher viel Lob und Anerkennung vom Publikum.

Zu den filmischen Höhepunkten des Abends gehörte der Film "Rausch", ein kurzer Spielfilm zum Einsatz von Brechmitteln im Justizvollzug – ausgezeichnet in der Kategorie „Filmhochschule“. Spürbar still wurde es nach Ende des Abspanns im Saal. Der physischen und psychischen Gewalt, dem ein Drogendealer auf einem Polizeirevier ausgesetzt wird, konnte sich wohl niemand entziehen. In der Realität hätten sich zumindest in einem Fall und vermutlich auch in weiteren noch viel schlimmere Szenen auf Revieren abgespielt, sagte der Ko-Autor des Films, Sebastian Heeg. "Wir hatten Angst, dass uns das keiner glaubt, wenn wir wirklich zeigen, was passiert ist."

Gleichzeitig gibt es in dem Film kein einfaches Opfer-Täter-Schema. Die Szenen lösen vielmehr diffuse Gefühle bei den Zuschauerinnen und Zuschauern aus, wenn sie in die hilflosen und überforderten Gesichter der Polizeibeamten und der Beweissicherungsärztin, grandios gespielt von der vor wenigen Monaten verstorbenen Susanne Lothar, schauen. Ein radikaler Film, der das Publikum mit der Frage zurückließ: Wie hätte ich gehandelt? (av)

Weitere Informationen zu den an diesem Abend ausgezeichneten Filmen finden Sie in der Pressemappe auf der Website Menschenrechtsfilm-Preises (PDF, 222 KB, nicht barrierefrei)