Fluchtpunkt Europa - Unsere humanitäre Verantwortung

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Michael Richter sitzt hinter einem Tisch. Hinter ihm sind Bücherregale einer Bibliothek zu sehen. Am Tisch befinden sich Wasserflaschen und das Buch Fluchtpunkt Europa.

Autor und Regisseur Michael Richter © DIMR/Sieberns

Fluchtpunkt Europa - Unsere humanitäre Verantwortung

Der Autor Michael Richter las im Institut aus seinem aktuellen Buch

Am 23. November 2015 las Michael Richter in der Bibliothek des Deutschen Instituts für Menschenrechte vor rund 30 Zuhörenden aus seinem kürzlich erschienenen Buch "Fluchtpunkt Europa. Unsere humanitäre Verantwortung". Petra Follmar-Otto, Leiterin der Abteilung Menschenrechtspolitik Inland/Europa, moderierte den Abend.

Michael Richter arbeitet als freier Autor und Regisseur vor allem zu politischen und sozialen Themen. Seine Reportage "Abschied im Morgengrauen" über die Abschiebepraxis in Deutschland wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. In seinem neuen Buch beschreibt er die Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge und die oft katastrophalen Zustände in den provisorischen Flüchtlingslagern der Nachbarstaaten, die dazu führen, dass sich immer mehr Menschen auf den Weg nach Europa begeben.

Gefährliche Fluchtrouten

In der Lesung zeichnete Michael Richter einige Stationen der Fluchtwege nach Europa nach. Besonders eindrucksvoll waren die Passagen, in denen er über seine Begegnungen und Gespräche mit Menschen auf der Flucht erzählte. Darunter eine syrische Arztfamilie, die bei der Überfahrt nach Europa zwei Kinder verlor, als das völlig überfüllte Flüchtlingsboot kenterte. Diese Familie lebt heute in Deutschland.

Systematische Abwehr

In der anschließenden Diskussionsrunde kritisierte der Autor die Flüchtlingspolitik in der Europäischen Union, die von systematischer Abwehr geprägt sei. Es gäbe keine einheitliche europäische Asylpolitik, das Refoulement-Verbot (völkerrechtlich geregeltes Ausweisungs- und Zurückweisungsverbot) werde häufig nicht respektiert und die bestehenden EU-Richtlinien über soziale Standards in Flüchtlingsunterkünften seien in einigen Ländern immer noch nicht umgesetzt worden. Besonders verurteilte er die „Push-Back“-Aktionen der europäischen Grenzschutzagentur Frontex. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union müssten endlich ihre völkerrechtliche Verpflichtung umsetzen und Schutzsuchende aufnehmen, das Dublin-Verfahren abschaffen und die Nothilfe stärken.

"Wenn Angela Merkel kippt, wird auch die Stimmung kippen"

Positiv hob Michael Richter die "Willkommenskultur" der deutschen Bevölkerung und die gute und differenzierte Berichterstattung der Medien hervor. Im Gegensatz zur Berichterstattung in den 90er-Jahren, in der eher die Kriminalität der Asylbewerber und Asylbewerberinnen herausgestellt wurde, wird nun auf die Not der Flüchtlinge eingegangen. Gleichzeitig fürchtet er: "Wenn Angela Merkel kippt, wird auch die Stimmung kippen". Die Zunahme der rechtspopulistischen Bewegungen in Europa sei eine gefährliche Entwicklung. In Deutschland mache die AfD mit Angst und Ressentiments Politik und vertrete dabei angeblich nationale Interessen.

Zum Abschluss berichtete Michael Richter noch über sein aktuelles Projekt: Eine Dokumentation über die Aufnahme von Flüchtlingen in Norddeutschland. (dm/sar)

Das Buch von Michael Richter, "Fluchtpunkt Europa. Unsere humanitäre Verantwortung", ist im Oktober 2015 in der Ed. Körber-Stiftung, Hamburg, erschienen und kostet 16,00 Euro.