Barrieren abbauen beim Zugang zu Informationen

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Barrieren abbauen beim Zugang zu Informationen

Den Zugang zu menschenrechtlichen Informationen zu verbessern, gehört zu den wesentlichen Aufgaben des Instituts. Ein wichtiges Instrument hierfür ist die öffentliche Spezialbibliothek und deren umfassendes Online-Angebot. Ein Interview mit Anne Sieberns, Leiterin der Bibliothek, über die Herausforderung, Barrieren beim Zugang zu menschenrechtlichen Informationen und Quellen abzubauen.
 
Warum ist der Informationszugang für die Menschenrechtsarbeit ein wichtiges Thema?

Anne Sieberns: Der Zugang zu Informationen ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche und politische Partizipation. Die Bedeutung für die Menschenrechtsarbeit ist dabei offensichtlich: Nur wer sich über Menschenrechte und die Möglichkeiten ihrer Durchsetzung informieren kann, ist in der Lage, diese Rechte auch wahrzunehmen.

Haben wir in Deutschland keine ausreichenden Möglichkeiten, um uns über Menschenrechte zu informieren?

Anne Sieberns: Da Deutsch nicht zu den offiziellen Sprachen der UN oder des Europarates gehört, gibt es eine sprachliche Barriere, die den Zugang zu den Dokumenten des internationalen Menschenrechtsschutzes in Deutschland erschwert. Wir haben es deshalb zu unserer Aufgabe gemacht, vorhandene deutsche Übersetzungen zu sammeln und auf unserer Website an einem zentralen Ort bereitzustellen, ergänzt durch Links zu weiteren deutschsprachigen und internationalen Ressourcen. So ist nach und nach in der Rubrik "Menschenrechtsinstrumente" eine deutschsprachige Dokumentation und ein Wegweiser zu den Informationen des internationalen und europäischen Menschenrechtsschutzes entstanden.

Wie wird dieses Angebot wahrgenommen?

Anne Sieberns: Anhand der Website-Statistik können wir sehen, dass die Rubrik Menschenrechtsinstrumente sehr oft aufgerufen wird. Vor allem dann, wenn in einem anstehenden Staatenberichtsverfahren an die UN-Vertragsorgane oder den Menschenrechtsrat nach früheren Staaten- oder Parallelberichten gesucht wird. 2012 wurden in diesem Zusammenhang vor allem Informationen und Dokumente zum UN-Zivilpakt, zur UN-Behindertenrechtskonvention und zum UPR-Verfahren des Menschenrechtsrates abgerufen.

Welche weiteren Barrieren beim Zugang zu Information haben Sie in der Bibliothek bereits abgebaut?

Anne Sieberns: Die Bibliothek ist für Rollstuhlfahrende zugänglich. Für blinde und sehbehinderte Menschen haben wir einen speziell ausgestatteten Arbeitsplatz. Seit 2010 sammeln wir auch fachliche Literatur in Leichter Sprache.
Unsere zweimal im Jahr stattfindenden Autorenlesungen werden simultan in Gebärdensprache übersetzt. In Zukunft wollen wir einen Teil der aktuellen Forschungsliteratur als E-Books erwerben, da deren Technologie die Veränderung von Schriftgrößen oder das Vorlesen von Texten mithilfe von Screenreadern erlaubt. Damit wird blinden und sehbehinderten Leserinnen und Lesern ein breiter Zugang zu aktueller Literatur ermöglicht, während davor nur circa fünf Prozent der weltweiten Publikationen in Großdruck oder Brailleschrift erschienen sind.

Eine digitale Bibliothek ist also barrierefrei?

Anne Sieberns: Keinesfalls. Nicht alle E-Books sind gleichermaßen barrierefrei und PDF-Dokumente galten sogar lange Zeit als unzugänglich für blinde und sehbehinderte Menschen. Mittlerweile sind aber Standards wie PDF/UA entwickelt worden, in denen die Anforderungen an barrierefreie elektronische Texte und Formate beschrieben werden. Jetzt liegt es an den Verlagen und Anbietern, diese Standards auch umzusetzen. Insbesondere öffentliche Einrichtungen sollten gemäß Art. 21 der UN-Behindertenrechtskonvention ihre Publikationen nach diesen Vorgaben barrierefrei gestalten.

"Open Access" ist seit 2012 ebenfalls ein wichtiges Stichwort Ihrer Arbeit: Was bedeutet dieser Begriff, und warum ist er für den Zugang zu Informationen wichtig?

Anne Sieberns: Die Open-Access-Bewegung ist in den 1990er Jahren als Reaktion auf horrende Preissteigerungen für wissenschaftliche Zeitschriften entstanden. Ziel der Bewegung, die von namhaften Forschungsgemeinschaften unterstützt wird, ist es, die Ergebnisse aus öffentlich geförderter Forschung kostenlos über das Internet bereitzustellen. Das Institut unterstützt die Open-Access-Bewegung, da damit finanzielle, technische und rechtliche Barrieren auch beim Zugang zu menschenrechtlichen Publikationen abgebaut werden.

Seit Herbst 2012 kooperiert das Institut mit dem sozialwissenschaftlichen Open-Access-Repositorium (SSOAR) des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften. Was bedeutet die Zusammenarbeit?

Anne Sieberns: Durch diese Kooperation werden die Publikationen des Instituts bei Internet-Suchen noch besser auffindbar. In der SSOAR-Datenbank werden aktuelle und frühere Instituts-Publikationen hochgeladen, mit Metadaten beschrieben und einer Nutzungslizenz versehen. Sie erhalten dauerhafte Web-Adressen, werden langfristig verfügbar gehalten und über das SSOAR hinaus auch in bekannten Open-Access-Suchmaschinen angezeigt.
(A. Viohl, B. Hildebrand)

Das Interview stammt aus unserem Jahresbericht 2012