"LSBTI sind willkürlichen Übergriffen ausgeliefert"

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Andrea Kämpf <br>© DIMR/<br>S. Pietschmann

"LSBTI sind willkürlichen Übergriffen ausgeliefert"

Institut forschte in Malawi und Kamerun zu LSBTI in der Entwicklungszusammenarbeit - Interviewpartner Eric Ohena Lembembe wurde vor wenigen Tagen ermordet

Andrea Kämpf, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Internationalen Abteilung, führte in den vergangenen Monaten in Malawi und Kamerun zahlreiche Interviews. Sie recherchierte im Rahmen ihres Forschungsprojektes zur Förderung der Menschenrechte in Bezug auf sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität durch Entwicklungszusammenarbeit. Kämpf interviewte lesbische, schwule, bisexuelle, trans*- und inter*- (LSBTI-) Aktivistinnen und Aktivisten, Vertreterinnen und Vertreter der weiteren Zivilgesellschaft, der Nationalen Menschenrechtskommissionen sowie staatlicher und internationaler Institutionen. Die LSBTI-Aktivistinnen und Aktivisten berichteten unter anderem von ihren Erfahrungen, wie sie gegen staatliche Kriminalisierung und gesellschaftliche Stigmatisierung am besten vorgehen können, und wie staatliche Geber sie dabei unterstützen können.

Ein Gesprächspartner in Kamerun war der vor wenigen Tagen ermordet aufgefundene Aktivist und Journalist Eric Ohena Lembembe, der als Geschäftsführer für die kamerunische Organisation CAMFAIDS (Cameroonian Foundation for AIDS) arbeitete. Kamerun stellt homosexuelles Verhalten nicht nur unter Strafe, sondern ist eines der afrikanischen Länder, die gegen sexuelle Minderheiten mit großer Härte vorgehen. Gleichzeitig wird Straftaten gegen LSBTI staatlicherseits mit wenig Enthusiasmus nachgegangen. "Wir bedauern den tragischen Tod von Eric Ohena Lembembe. Auch wenn Hintergrund und Motiv der Tat zunächst unklar sind, so steht außer Frage, dass die Menschenrechte von LSBTI in Staaten wie Kamerun und Malawi nicht ausreichend geschützt werden", sagte Andrea Kämpf. "LSBTI werden aufgrund gesellschaftlicher Stigmatisierung von informellen Systemen sozialer Sicherung wie Familie ausgeschlossen und sind willkürlichen Übergriffen nicht nur staatlicher Stellen, sondern oft auch der Bevölkerung ausgeliefert. Ihre Menschenrechte werden nicht 'automatisch' durch Entwicklungszusammenarbeit mitgefördert, sondern brauchen gezielte Unterstützung", so Kämpf weiter.

Das Forschungsprojekt wird von der gemeinnützigen Dreilinden gGmbH finanziert.

Weitere Informationen zum Tod von Eric Ohena Lembembe auf Spiegel Online

Weitere Informationen zum Projekt am Institut (Englisch; PDF, 47 KB, nicht barrierefrei) 

(ak)