"Gleiche Rechte für alle Frauen verwirklichen!"

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"Auch in Deutschland sind wir weit davon entfernt, dass die Menschenrechte für alle Frauen Wirklichkeit sind" © DIMR/Amélie Losier

"Gleiche Rechte für alle Frauen verwirklichen!"

Interview mit der Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Beate Rudolf, anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März 2018

Frauenrechte sind Menschenrechte. Warum braucht es dann noch einen internationalen Frauentag?

Beate Rudolf: Es ist richtig: Auf der Weltfrauenkonferenz von Beijing haben die Staaten der Welt sich 1995 zu Frauenrechten als Menschenrechten bekannt. Die UN-Frauenrechtskonvention CEDAW schreibt die Menschenrechte von Frauen sogar schon seit 1979 verbindlich fest. Auch hierzulande bestreitet kein relevanter politischer Akteur die Existenz von Frauenrechten.

Aber Frauenrechte feierlich zu bekräftigen und Frauenrechte ernst zu nehmen, sind zweierlei. Überall auf der Welt – leider auch in Deutschland – sind wir weit davon entfernt, dass die Menschenrechte für alle Frauen Wirklichkeit sind.

Wo sehen Sie für Deutschland den größten Handlungsbedarf im Bereich der Frauenrechte?

Es gibt in Deutschland in vielen Feldern großen Handlungsbedarf. Der UN-Frauenrechtsausschuss hat diesen im vergangenen Jahr in seinen Concluding observations (PDF, 334 KB, nicht barrierefrei) im Einzelnen benannt. Er reicht von der Überwindung von Geschlechterstereotypen durch Bildung über gleiche Teilhabe von Frauen in allen Bereichen und Positionen des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, die Verwirklichung von Lohngleichheit, die Bekämpfung von Frauenarmut, gerade bei Alleinerziehenden und im Alter, bis hin zur umfassenden Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Entscheidend ist, genau hinzuschauen: Welche Frauen können in welchen Lebenslagen ihre Menschenrechte nicht wahrnehmen und warum? Wer Frauenrechte ernst nimmt, richtet sein gesamtes politisches Handeln an ihnen aus und beruft sich nicht nur punktuell auf sie, wenn es gerade nützlich erscheint.

Was meinen Sie damit?

Auch in Deutschland erleben wir immer wieder, dass sich politische Gruppierungen dann besonders lautstark für Frauenrechte stark machen, wenn es um Frauenrechtsverletzungen durch Migranten und Geflüchtete geht. Doch wer nur auf Teilgruppen von Tätern schaut, misst im besten Fall mit zweierlei Maß und instrumentalisiert im schlimmsten Fall Frauenrechte für rassistische Stimmungsmache. Das untergräbt die Menschenrechte. Wer sich beispielsweise ernsthaft gegen Gewalt gegen Frauen engagiert, nimmt jegliche Partnergewalt in den Blick. Schließlich hat in Deutschland jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Übergriffe durch einen Beziehungspartner erlebt. Wer derartige Erkenntnisse ausblendet und Menschenrechte selektiv einsetzt, macht nicht nur sich selbst unglaubwürdig, sondern die Menschenrechte insgesamt. Hier müssen wir alle in Politik und Gesellschaft wachsam bleiben und uns entschieden gegen den Missbrauch der Menschenrechtsidee stellen.

Immer wieder wird argumentiert, dass manche Kulturen eben nicht die Gleichheit von Frauen und Männern anerkennen. Wie ist Ihre Sicht darauf?

Pauschale Zuschreibungen sind immer falsch, denn Kulturen sind nicht homogen und sie sind nicht statisch. Patriarchale Vorstellungen und Strukturen sind überall auf der Welt tief verankert – auch in Europa beziehungsweise der westlichen Welt. Das zeigen die Frauenbewegungen in Europa und den USA seit dem 19. Jahrhundert.

Deshalb ist es so wichtig, uns daran zu erinnern: Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 bekräftigt die Gleichheit der Geschlechter. Sie ist ein Dokument mit vielfältigen philosophischen, religiösen und kulturellen Wurzeln. Sie bildet für alle Staaten der Welt den akzeptierten Bezugsrahmen. In diesem Jahr feiert die Weltgemeinschaft das 70-jährige Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass die in der Erklärung proklamierten Menschenrechte für alle Frauen Wirklichkeit werden, jederzeit und überall!

Weitere Informationen:

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Thema Frauenrechte

CEDAW: Concluding observations on the combined seventh and eighth periodic reports of Germany (PDF, 334 KB, nicht barrierefrei)