Wissenschaftliche Werkverträge

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Wissenschaftliche Werkverträge

Werkvertrag 1: "Desk Study und Analyse in den Bereichen Allgemeine Psychiatrie, Psychosomatik, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Behindertenheime, Alten- und Pflegeheime, Maßregelvollzug, Strafvollzug und Suchterkrankungen" (Kennziffer MSt 2017 004 W)

Das Deutsche Institut für Menschenrechte e. V. ist die Nationale Menschenrechtsinstitution Deutschlands. Es trägt als unabhängige Einrichtung zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte in und durch Deutschland bei. Zu seinen Aufgaben gehören Politikberatung, Menschenrechtsbildung, Information und Dokumentation, anwendungsorientierte Forschung zu menschenrechtlichen Themen sowie die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen.
Im Mai 2009 wurde die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention im Institut eingerichtet. Die Monitoring-Stelle hat den Auftrag, die Rechte von Menschen mit Behinderungen nach Maßgabe der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) zu fördern und zu schützen sowie die Umsetzung durch staatliche Stellen zu überwachen.
Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention beabsichtigt zur Aktualisierung seiner Kenntnisse, im Wege der freihändigen Vergabe
eine oder mehrere Expertisen im Themenfeld "Rechte von Menschen mit Behinderungen im deutschen psychiatrischen Hilfesystem mit dem Fokus Zwang und Zwangsvermeidung"
zu vergeben.

Hintergrund und Ziel

Menschen mit längerfristigen seelischen und geistigen Beeinträchtigungen haben nach der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) Rechte, die auch verbindliche Vorgaben für die gesundheitliche Versorgung machen. Gremien der Vereinten Nationen äußern sich besorgt darüber, dass diese Rechte in der deutschen Versorgungspraxis, insbesondere im psychiatrischen Hilfesystem, nicht immer hinreichend geachtet werden (siehe etwa die "Abschließenden Bemerkungen" des UN-Fachausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, 2015).
Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention verfolgt mit den ausgeschriebenen Expertisen das Ziel, ihre bestehenden Kenntnisse über das deutsche psychiatrische Hilfesystem zu aktualisieren, zu erweitern und zu vertiefen; der Fokus der Untersuchung liegt hierbei ausschließlich auf dem Thema Zwang und Zwangsvermeidung.
Zu den zu untersuchenden Zwangsmaßnahmen zählen:

  • Die unfreiwillige Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung,
  • (medizinische) Zwangsuntersuchungen und -behandlungen, wie etwa das zwangsweise Verabreichen von Medikamenten oder auch die Anwendung von Elektrokrampftherapie gegen den Willen der Betroffenen und
  • sonstige freiheitseinschränkende und -entziehende Maßnahmen, wie die Fixierung und Isolation oder die medikamentöse Sedierung von Betroffenen.
  • Unter Praktiken zur Vermeidung von Zwang fallen:
  • Die Entwicklung und der Einsatz milderer Mittel, insbesondere von Strategien und Methoden zur Vorbeugung und Vermeidung späterer Zwangsmaßnahmen und
  • die Bereitstellung "angemessener Vorkehrungen" im Sinne der UN-BRK.

Zur umfassenden Beschaffung und Analyse der verfügbaren Daten in allen psychiatrischen Bereichen, in denen es zu Zwangsanwendung kommt bzw. Zwangsvermeidung betrieben wird, vergibt die Monitoring-Stelle zunächst den folgenden Werkvertrag:

Werkvertrag 1: "Desk Study und Analyse in den Bereichen Allgemeine Psychiatrie, Psychosomatik, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Behindertenheime, Alten- und Pflegeheime, Maßregelvollzug, Strafvollzug und Suchterkrankungen" (Kennziffer MSt 2017 004 W).

Frist: 03.09.2017, Umfang: 40 Leistungstage
Kern dieser Arbeit ist die Frage, wie sich die Behandlung von Betroffenen in allen Bereichen des psychiatrischen Versorgungssystems aus menschenrechtlicher Sicht darstellt, namentlich in Einrichtungen der Allgemeine Psychiatrie, Psychosomatik, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Behindertenheime, Alten- und Pflegeheime, Maßregelvollzug und Strafvollzug (sowohl in den Justizvollzugsklinken als auch im sonstigen Vollzug). Ziel ist es, alle verfügbare, insbesondere wissenschaftlichen Daten zu Zwangsmaßnahmen und Zwangsvermeidung in den genannten Bereichen zu identifizieren und zu analysieren.

Ihre Aufgaben:

Bezüglich der Anwendung und Vermeidung von Zwang durchsuchen Sie alle einschlägigen Datenbanken der Evidenzforschung, auch internationale Datenbanken sofern dort Erkenntnisse über die Praxis in Deutschland zu finden sind. Darüber hinaus beziehen Sie auch alle anderen verfügbaren wissenschaftlichen Untersuchungen und Datenerhebungen mit ein. Sie legen dabei Ihre Suchstrategie offen und stellen dar, welche Quellen Sie einbezogen haben.
Bei der Suche differenzieren Sie genau zwischen den unterschiedlichen Zwangsmaßnahmen und stellen diese so genau wie möglich dar, zum Beispiel unter Angabe von Dauer und Intensität. Auch hinsichtlich der Vermeidung von Zwang durchsuchen Sie alle einschlägigen Datenbanken, national und international, und stellen die wissenschaftliche Entwicklung und die Praxis in Deutschland dar.
Die gefundenen Daten bewerten Sie hinsichtlich ihrer Qualität. Soweit Sie Lücken in den Datenbeständen entdecken, weisen Sie darauf hin. Sie analysieren die Daten auf Trends und regionale oder bereichsspezifische Unterschiede und stellen Forschungsbedarf fest.
Veranschlagt werden für die Arbeit 40 Leistungstage. Die anschließende Veröffentlichung als Autorenpublikation unter dem Namen des/der Werkvertragsnehmer_in wird ausgeschlossen.

Zuschlagsvoraussetzungen:

Sie sind als Teil einer Forschungseinrichtung oder selbständig tätig und haben

  • einen wissenschaftlichen Abschluss (Master/Diplom) im Fach Psychologie, Medizin oder im Bereich der Sozialwissenschaften,
  • Erfahrung im Bereich der Analyse und Auswertung wissenschaftlicher Fachliteratur und Daten und
  • sehr gute Englischkenntnisse.
  • Zudem entwickeln Sie auf maximal einer Seite ein Konzept für Ihre Herangehensweise an die Arbeit.

Wünschenswert sind zudem

  • Erfahrungen im Bereich der Psychiatrie oder klinischen Psychologie, insbesondere auch mit den dort gängigen Fachdatenbanken und
  • Vorerfahrungen mit oder Kenntnisse über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Zuschlagskriterien:

30% Preis, 70% Qualität des Angebots.
Die Qualität des Angebots wird bewertet nach (70 Punkte):

  • Fachliche Kenntnisse: 25 Punkte
  • Vorerfahrungen im Bereich der Analyse von wissenschaftlicher Literatur und Daten: 25 Punkte
  • Vorerfahrung im Bereich Psychiatrie / klinische Psychologie und/oder Menschenrechte: 10 Punkte
  • Konzeptvorschlag: 10 Punkte

Wir streben eine angemessene Vertretung aller gesellschaftlichen Gruppen unter unseren Mitarbeitenden und Werknehmenden an und freuen uns daher besonders über Angebote von Menschen mit Migrationshintergrund sowie mit Behinderungen.

Zeitplan:

Ende der Bewerbungsfrist ist Sonntag, der 03.09.2017. Der Zuschlag wird voraussichtlich bis zum 12.09.2017 erteilt werden.
Das jeweilige Werk muss dann in Endfassung spätestens am 30.11.2017 bei der Auftraggeberin vorliegen. Vorherige Entwürfe sind zur Kommentierung durch die Auftragnehmerin einzureichen, der erste Entwurf der vollständigen Expertise bis zum 14.11.2017.

Kontakt:

Bitte senden Sie Ihre elektronische Bewerbung unter Angabe der oben genannten Kennziffer und Ihr Preisangebot in einer PDF-Datei inklusive aller relevanten Unterlagen (Anschreiben, einseitiges Konzept zur Herangehensweise, Lebenslauf ohne Foto beziehungsweise Kurzvorstellung Ihrer Institution, ggf. Zeugniskopien) bis zum 03.09.2017 an Cathrin Kameni per E-Mail unter un-brk(at)institut-fuer-menschenrechte.de.


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Werkvertragsgruppe 2: "Datenerhebung durch Experten-Interviews in den Bereichen Kinder- und Jugendpsychiatrie, Alten- und Pflegeheime, Allgemeine Psychiatrie und Psychosomatik, Maßregelvollzug, Strafvollzug und Suchterkrankungen"

Zur Ergänzung des oben genannten Werkvertrags 1 (Kennziffer MSt 2017 004 W) werden weitere Aufträge (einzeln oder im Paket) zur Datenerhebung im Wege von leitfaden-gestützten Experten-Interviews vergeben werden. Diese Interviews sollen mit von Zwang betroffenen Menschen, Angehörigen und anderen sachkundigen Personen im jeweiligen Bereich geführt werden und dazu dienen, das Wissen des Instituts in diesem Feld zu erweitern und um individuelle Perspektiven zu bereichern. Nach Absprache können auch besondere Fälle genauer untersucht werden und dokumentiert werden. Für jeden der genannten und unten aufgeführten Bereiche sollen 5-10 Interviews konzeptionell vorbereitet, Experten ausgewählt und mit diesen Kontakt aufgenommen werden und sodann die Interviews durchgeführt und ausgewertet werden. Eine Bewerbung auf eine Mehrzahl dieser Themen ist dabei ausdrücklich erwünscht.

Die Monitoring-Stelle plant daher auch die freihändige Vergabe der folgenden weiteren Gruppe von Werkverträgen:

Werkvertragsgruppe 2: "Datenerhebung durch Experten-Interviews in den Bereichen Kinder- und Jugendpsychiatrie, Alten- und Pflegeheime, Allgemeine Psychiatrie und Psychosomatik, Maßregelvollzug, Strafvollzug und Suchterkrankungen"

Frist: 03.09.2017, Umfang: 2 Leistungstage je Interview

Modul 2.1: Allgemeine Psychiatrie (Kennziffer MSt 2017 005.1 W)
Modul 2.2: Psychosomatik (Kennziffer MSt 2017 005.2 W)
Modul 2.3: Kinder- und Jugendpsychiatrie (Kennziffer MSt 2017 005.3 W)
Modul 2.4: Behindertenheime (Kennziffer MSt 2017 005.4 W)
Modul 2.5: Alten- und Pflegeheime (Kennziffer MSt 2017 005.5 W)
Modul 2.6: Maßregelvollzug (Kennziffer MSt 2017 005.6 W)
Modul 2.7: Strafvollzug (Kennziffer MSt 2017 005.7 W)
Modul 2.8: Suchterkrankungen (Kennziffer MSt 2017 005.8 W)

Ihre Aufgaben:

Sie entwickeln einen Leitfaden für die Interviews und erschließen das Feld. Nach Absprache mit uns wählen Sie Interviewpartner_innen aus, die als Betroffene, Angehörige oder sonst Sachkundige zum Thema Zwang und Zwangsvermeidung berichten können. Die Auswahl der Interviewpartner_innen soll nach Kriterien der Repräsentanz erfolgen; es wäre wünschenswert, wenn zumindest hälftig Betroffene befragt würden. Die Transkription der Interviews kann das Institut auf Wunsch übernehmen. Anschließend werten Sie die Interviews nach Kriterien aus, die Sie im Rahmen der Leitfadenentwicklung noch genauer mit uns abstimmen. Nach Rücksprache mit uns vertiefen Sie gegebenenfalls einzelne Fälle und legen eine Dokumentation dazu an.

Die Veröffentlichung der Expertise als Autorenpublikation unter dem Namen des/der Werkvertragsnehmer_in wird ausgeschlossen.

Zuschlagsvoraussetzungen:

Sie sind als Teil einer wissenschaftlichen Forschungseinrichtung oder selbstständig tätig und haben

  • einen wissenschaftlicher Abschluss (Master/Diplom) im Fachbereich Psychologie, Medizin oder den Sozialwissenschaften und
  • nachgewiesene Kenntnisse der Methodik für und Vorerfahrung mit qualitativer Datenerhebung.

Außerdemdem entwickeln Sie auf maximal einer Seite ein Konzept für Ihre Herangehensweise an die Arbeit, das unter anderem Angaben dazu macht, wen Sie interviewen würden.


Wünschenswert sind zudem

  • insbesondere soweit Sie sich auf die Module 2.3, 2.4, 2.5 bewerben: Vorerfahrung in der Arbeit mit diesen Zielgruppen, idealerweise bereits im Zusammenhang von qualitativer Datenerhebung,
  • Erfahrung im Bereich wissenschaftlicher Arbeit und/oder im Bereich der Psychiatrie oder klinischen Psychologie und
  • Vorerfahrungen mit oder Kenntnisse über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Zuschlagskriterien:

30% Preis, 70% Qualität des Angebots.
Die Qualität des Angebots wird bewertet nach (70 Punkte):

  • Vorerfahrungen im Bereich der qualitativen Datenerhebung: 30 Punkte
    Soweit Sie sich auf die Module 2.3-2.5 bewerben entfallen dabei 5 Punkte auf die Vorerfahrung mit diesen speziellen Zielgruppen.
  • Sonstige fachliche Kenntnisse: 20 Punkte
  • Vorerfahrung im Bereich Psychiatrie und/oder Menschenrechte: 10 Punkte
  • Konzeptvorschlag: 10 Punkte

Wir streben eine angemessene Vertretung aller gesellschaftlichen Gruppen unter unseren Mitarbeitenden und Werknehmenden an und freuen uns daher besonders über Angebote von Menschen mit Migrationshintergrund sowie mit Behinderungen.

Zeitplan:

Ende der Bewerbungsfrist ist Sonntag, der 03.09.2017. Der Zuschlag wird voraussichtlich bis zum 12.09.2017 erteilt werden.

Das jeweilige Werk muss dann in Endfassung spätestens am 30.11.2017 bei der Auftraggeberin vorliegen. Vorherige Entwürfe sind zur Kommentierung durch die Auftragnehmerin einzureichen, der erste Entwurf der vollständigen Expertise bis zum 14.11.2017.

Kontakt:

Bewerbungen können für einzelne Module oder für mehrere im Paket – allerdings zur Vergleichbarkeit eingehender Angebote auf der Ebene der Kostendarstellung differenziert nach Modul – abgegeben werden. Bitte beachten Sie dabei den genannten Zeitplan: Die Vorabgabe der vollständigen Expertise muss bis zum 14.11.2017 erfolgen.

Bitte senden Sie Ihre elektronische Bewerbung unter Angabe der oben genannten Kennziffer oder den Kennziffern und Ihr Preisangebot in einer PDF-Datei inklusive aller relevanten Unterlagen (Anschreiben, einseitiges Konzept zur Herangehensweise, Lebenslauf ohne Foto oder Kurzvorstellung Ihrer Institution, ggf. Zeugniskopien) bis zum 03.09.2017 an Frau Cathrin Kameni per E-Mail unter un-brk(at)institut-fuer-menschenrechte.de.

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