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Im Zuge der Globalisierung haben Bekleidungs- und Sportartikelhersteller ihre Produktion vermehrt in Länder des Globalen Südens verlagert. Diese umwerben ausländische Investoren, weil sie auf einen wirtschaftlichen Aufschwung hoffen. Sie nehmen dabei niedrige menschenrechtliche Standards in Kauf. Dadurch wird es Unternehmen ermöglicht, zu extrem niedrigen Herstellungs- und Lohnkosten produzieren zu lassen. Gleichzeitig machen die Heimatstaaten für die Aktivitäten und Geschäftsbeziehungen ihrer Unternehmen im Ausland in der Regel keinerlei Vorgaben zum Schutz der Menschenrechte.

In der Textilindustrie mit ihrer ausgeprägten internationalen Verflechtung gibt es deshalb gravierende Lücken im Menschenrechtsschutz: Die Löhne von Näherinnen in Bangladesch und anderen Ländern liegen unter dem Existenzminimum; Kinderarbeit ist weit verbreitet und das Recht auf gewerkschaftliche Organisation ist stark eingeschränkt. Die Arbeitsbedingungen sind geprägt von Überstunden und Diskriminierung vor allem von Frauen; Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit fehlen meist völlig. Die Folgen sind beispielsweise die Einstürze und Brände von Produktionsstätten wie jüngst in Bangladesch, Pakistan und auf den Philippinen.

Inzwischen gibt es viele Initiativen, die sich für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie stark machen. Solche Zusammenschlüsse können wichtige Impulse geben. Sie beruhen jedoch auf Freiwilligkeit, und Verstöße gegen ihre Standards bleiben häufig ohne Folgen.

Konsequente Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ist wichtig

Die Konkurrenz um Märkte und Investoren sowie die Ausrichtung auf kurzfristige Wettbewerbsvorteile dürfen nicht zu einer Missachtung der Menschenrechte in den Zulieferketten der Textilindustrie führen. Daher ist die konsequente Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (PDF, 982 KB, nicht barrierefrei) so wichtig.

Die Prinzipien sehen vor, dass Heimat- und Gaststaaten von Unternehmen - vor allem durch geeignete Gesetze - Menschenrechtsverstöße verhindern, aufklären, bestrafen und Betroffene entschädigen. Zusätzlich zu dieser staatlichen Pflicht müssen alle Unternehmen eigene menschenrechtliche Sorgfaltspflichten erfüllen. Diese unternehmerische Verantwortung gilt auch entlang komplexer Zulieferketten. Sowohl Staaten als auch Unternehmen müssen darüber hinaus dafür sorgen, dass von Menschenrechtsverletzungen Betroffene einen Zugang zu Rechtsmitteln und Wiedergutmachung erhalten.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte befasst sich in einem Forschungsvorhaben damit, wie Nationale Menschenrechtsinstitutionen in ausgewählten Partnerländern bei der Umsetzung der UN-Leitprinzipien gestärkt werden können. Zudem berät es die Bundesregierung bei ihrer Umsetzung der Leitprinzipien in Deutschland und in der Entwicklungszusammenarbeit.

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Kontakt

Jan-Christian Niebank
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Textilsektor, öffentliche Beschaffung, Wirtschaft und EZ
Tel.: 030 25 93 59 - 243
E-Mail: niebank(at)institut-fuer-menschenrechte.de