Wie viele Menschen sind in Deutschland von Menschenhandel betroffen?

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Wie viele Menschen sind in Deutschland von Menschenhandel betroffen?

Belastbare Zahlen über das Ausmaß von Menschenhandel liegen weder national noch international vor. Das tatsächliche Ausmaß in Deutschland ist unbekannt.

Das polizeiliche Hellfeld wird erfasst durch die polizeilichen Kriminalstatistiken. Darauf basiert das jährliche Lagebild des Bundeskriminalamtes. Im Jahr 2012 wurden laut Bundeskriminalamt in Deutschland 491 Ermittlungsverfahren im Bereich des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung (§ 232 StGB) abgeschlossen und dabei insgesamt 612 überwiegend weibliche Betroffene aus Osteuropa ermittelt. Im selben Jahr registrierte die Polizeiliche Kriminalstatistik insgesamt 11 Fälle von Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft (§ 233 StGB).

Lagebilder Menschenhandel auf der Website des BKA, dort u. a. Bundeslagebild Menschenhandel 2012

Die EU-Kommission hat 2013 einen Bericht über Menschenhandel in den EU-Staaten von 2008 bis 2010 vorgelegt. Der Bericht basiert auf Zahlen, die in den einzelnen Mitgliedstaaten erfasst werden. Für Deutschland sind dort die Zahlen der Strafverfolgungsbehörden aufgeführt, die sich daher mit den Befunden aus den Lagebildern decken.

Bericht: Trafficking in human beings: more victims in the EU but Member states are slow to respond

Die derzeit vorliegenden Schätzungen des Dunkelfeldes unterscheiden sich nach Berechnungsgrundlage sowie -methode und zugrunde liegender Definition der zu erfassenden Betroffenengruppe. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat 2005 in einer Untersuchung zu Formen und Ausmaß von Zwangsarbeit veröffentlicht, dass in den Industrieländern zum Erhebungszeitpunkt insgesamt 270.000 Menschen Zwangsarbeit infolge von Menschenhandel leisten. Diese Angabe umfasst den Menschenhandel zur sexuellen wie zur Arbeitsausbeutung.

Nach einer Schätzung der ILO gab es 2012 in den sogenannten entwickelten Wirtschaftsländern (Kanada, USA, Australien, Neuseeland, Israel, Japan, Schweiz, Island, Norwegen) und der EU insgesamt 1,5 Millionen Betroffene von Zwangsarbeit.

ILO 2012 Global estimate of forced labour Executive summary (PDF, 292 KB, nicht barrierefrei)

Eine Schätzung des Ausmaßes von Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung in Deutschland hat 2009 das Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen einer bundesweiten Studie "Entwicklung tragfähiger Unterstützungsstrukturen für die Betroffenen von Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung" in Auftrag gegeben. Da aufgrund der  unzureichenden offiziellen Datenlage eine Schätzung der Gesamtzahl der Betroffenen nicht sinnvoll war, wurde eine "sehr grobe Einschätzung zur Zahl der Betroffenen, bei denen erheblicher Betreuungsbedarf unterstellt werden kann", vorgenommen und mit 480 pro Jahr beziffert.

Studie Entwicklung tragfähiger Unterstützungsstrukturen für die Betroffenen von Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung (PDF, 8,17 MB, nicht barrierefrei)

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Kontakt

Heike Rabe
Geschlechtsspezifische Gewalt und Zugang zum Recht
Tel.: 030 25 93 59 - 127
E-Mail: rabe(at)institut-fuer-menschenrechte.de