Wie funktioniert Menschenhandel?

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Wie funktioniert Menschenhandel?

Den verschiedenen Formen von Menschenhandel liegt ein gemeinsamer Mechanismus zugrunde. Die Betroffenen werden mit dem Ziel der wirtschaftlichen Ausbeutung massiv in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt und grundlegend in ihren Rechten verletzt.

Die betroffenen Personen reisen häufig legal, zum Beispiel als EU-BürgerInnen, im Rahmen von Entsendearbeit als Bauarbeiter, als Saisonarbeitskraft oder mit einem Touristenvisum nach Deutschland ein. Andere haben keine gültigen Papiere, gelangen aber mithilfe von privaten Kontakten oder professionellen Schleusern nach Deutschland. Einige Frauen gehen eine Ehe ein, um einreisen zu können.

Manche Betroffene willigen zur Existenzsicherung zunächst freiwillig in das Arbeitsverhältnis ein. Die Arbeitsverhältnisse entsprechen aber nicht denen, die ihnen zugesagt wurden. Frauen wissen zum Teil vorher nicht, dass sie in der Prostitution arbeiten müssen. Die Arbeitsbedingungen sind in jedem Fall ungesetzlich sowie psychisch und körperlich gefährdend. Die Betroffenen werden in der Regel direkt oder indirekt bedroht, und in einigen Fällen körperlich misshandelt. Sie haben häufig einen prekären Aufenthaltsstatus oder ihr Aufenthalt ist von der Beschäftigung bei einem Arbeitgeber abhängig. Sie haben kein Wissen über ihre Rechte und sprechen wenig Deutsch. Dies alles sind Bedingungen, die Menschen verletzlich und ausbeutbar machen.

Die Betroffenen arbeiten in der Regel weit über die gesetzlichen Arbeitszeiten hinaus. In Privathaushalten müssen sie zum Teil rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Sie werden mit überhöhten Kosten für Arbeitsmittel, Unterkunft und Verpflegung konfrontiert und erhalten nur einen Bruchteil des von ihnen verdienten Geldes. Frauen, die in die Prostitution gezwungen werden, können nicht frei über die Auswahl von Kunden oder Sexualpraktiken bestimmen.

Die Notwendigkeit, ihre Existenz zu sichern und die Angst vor Sanktionen, aber auch die Hoffnung auf irgendeine Form der Weiterbeschäftigung zu besseren Bedingungen lassen Betroffene in der Situation verharren. Wenn sie ihren Lohn oder Freiräume einfordern, werden manche Arbeitgeber gewalttätig, oft verlieren die Betroffenen dann auch ihre Arbeit. Im Fall von Razzien oder sonstigen behördlichen Überprüfungen müssen sie in der Regel ohne Lohn das Land verlassen.

Die von Zwang und Kontrollverlust geprägte Situation erhöht besonders für Frauen die Gefahr sexualisierter Gewalt. Frauen arbeiten oft in privaten Haushalten als Au-pair, Pflegekräfte, Haushaltsangestellte oder in der Kinderbetreuung. Diese Branchen sind unreguliert und werden behördlich nicht überwacht. Die Betroffenen leben räumlich eng mit  ihren Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen zusammen, sind aber isoliert von der Außenwelt, sodass es häufig zu  Überschneidungen zwischen Arbeitsausbeutung und sexueller Gewalt kommt.

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Kontakt

Heike Rabe
Geschlechtsspezifische Gewalt und Zugang zum Recht
Tel.: 030 25 93 59 - 127
E-Mail: rabe(at)institut-fuer-menschenrechte.de