Was ist Menschenhandel?

Servicenavigation

Sie befinden sich hier: Themen > Menschenhandel > Basisinformationen zu Menschenhandel >  Was ist Menschenhandel?

Was ist Menschenhandel?

Menschenhandel ist ein globales Problem und eine massive Menschenrechtsverletzung.

Menschenhandel ist seit 2000 in dem sogenannten Palermo-Protokoll der Vereinten Nationen international einheitlich definiert als: Menschen anwerben, anbieten, verbringen, vermitteln, beherbergen oder annehmen durch die Anwendung unerlaubter Mittel wie Täuschung, Zwang, Drohung oder Nötigung zum Zweck der Ausbeutung. Die Ausbeutung kann die sexuelle Ausbeutung, die Ausbeutung der Arbeitskraft oder die Entnahme von Körperorganen umfassen und alle Menschen unabhängig vom Alter und Geschlecht betreffen. Die Einwilligung eines Opfers in die Ausbeutung ist für die Definition unerheblich.

In Deutschland wird wegen Menschenhandels bestraft, wer eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder der auslandsspezifischen Hilflosigkeit zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution (§ 232 Strafgesetzbuch) oder in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse (§ 233 StGB) bringt. Als ausbeuterische Arbeitsverhältnisse werden in Paragraf 233 StGB aufgezählt: die Sklaverei, Leibeigenschaft, Schuldknechtschaft und sonstige Arbeitsbedingungen, die in einem auffälligen Missverhältnis zu Arbeitsbedingungen anderer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen stehen.

Die klassischen Konzepte von Sklaverei und Leibeigenschaft gehen jeweils von einer in unterschiedlichem Maße eingeschränkten Rechtsstellung einzelner Menschen aus. Sklaverei bedeutet danach, dass ein Mensch über einen anderen Menschen vollkommen verfügen kann, da dieser sein Eigentum ist. Wer in Leibeigenschaft lebt, hat gegenüber einem anderen Menschen eine verminderte Rechtsstellung, die er nicht selbstständig verändern kann. Diese völkerrechtlichen Begriffe haben sich im Laufe der letzten Jahre in ihrer Bedeutung verändert und insbesondere auch über die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) eine Auslegung erfahren, die die tatsächliche Entwicklung des Phänomens widerspiegelt. Der EGMR geht davon aus, dass modernen Formen der Sklaverei nicht mehr das Eigentumskonstrukt zugrunde liegt, aber die Handlungen, die damit typischerweise zusammenhängen, dieselben Auswirkungen haben. Kontrolle, Zwang, Gewalt und Bedrohung führen zu einer faktischen Verfügungsgewalt über eine andere Person, die in ihren Auswirkungen einer rechtlichen Verfügungsgewalt gleich stehen.

Mit Schuldknechtschaft ist ein Abhängigkeitsverhältnis gemeint, bei dem der Gläubiger oder die Gläubigerin die Arbeitskraft eines Schuldners oder einer Schuldnerin über Jahre mit dem Ziel ausbeutet, dass dieser beziehungsweise diese tatsächlich bestehende oder vermeintliche Schulden abträgt, ohne jemals schuldenfrei werden zu können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich Migrantinnen und Migranten tatsächlich oder vermeintlich immer weiter verschulden für ihren Transport, die Beschaffung gefälschter Dokumente, später für Unterkunft, Verpflegung und möglicherweise den Schutz vor deutschen Behörden, und Jahre für die Täter beziehungsweise Täterinnen arbeiten. So müssen beispielsweise Frauen aus weit entfernten Herkunftsländern zum Teil Schulden in Höhe von mehreren 10.000 Euro in der Prostitution abarbeiten.

Ein auffälliges Missverhältnis zu Arbeitsbedingungen anderer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist die Variante, die vermutlich in Deutschland am häufigsten vorkommt. Das ist der Rechtsprechung zufolge zum Beispiel dann der Fall, wenn der Lohn weniger als 2/3 des Tariflohns beträgt. Der Maßstab sind die Lohnverhältnisse oder Tarifbestimmungen in Deutschland. Wenn dazu noch eine verletzliche Situation von Menschen ausgenutzt wird, wie zum Beispiel Illegalität, spricht man von Menschenhandel.

zurück

Kontakt

Heike Rabe
Geschlechtsspezifische Gewalt und Zugang zum Recht
Tel.: 030 25 93 59 - 127
E-Mail: rabe(at)institut-fuer-menschenrechte.de