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Veranstaltungsrückblicke

Kinder haben Rechte - und dann?

(v. l.) Heidrun Fritze, Patrick Rohde und Monika Hoegen © DIMR/Bettzieche

Am 13. Oktober veranstaltete das Projekt "Kinderrechte in der Entwicklungspolitik" ein Seminar für Journalistinnen und Journalisten zum Thema "Stärkung von Kinderrechten in der Entwicklungszusammenarbeit". Das Projekt hatte zu dem Seminar aus Anlass des 25. Geburtstages der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 2014 eingeladen.

Die UN-Kinderrechtskonvention ist die erfolgreichste Menschenrechtskonvention – auf dem Papier: 194 Länder haben sie verbindlich anerkannt. Doch die Praxis sieht vielfach ganz anders aus: Rund 60 Millionen Kinder weltweit haben keinen Zugang zu Schulbildung, 168 Millionen Jungen und Mädchen müssen arbeiten – oft unter sklavenähnlichen Bedingungen. Misshandlung, Marginalisierung und eine unsichere Zukunft für Kinder sind an der Tagesordnung. Dabei sind die Bedürfnisse von Kindern, etwa Schulbildung, sauberes Trinkwasser, ausreichende Ernährung und eine kindgerechte, lebenswerte und geschützte Umgebung, Rechtsansprüche und nicht Akte der Wohltätigkeit.

"Es gibt nicht 'den' deutschen Jugendlichen"

Am 13. Oktober referierten und diskutierten Medienschaffende, Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft sowie der Wissenschaft, Mitarbeitende des Deutschen Instituts für Menschenrechte, und vor allem jugendliche UN-Delegierte Themen wie Anspruch und Wirklichkeit der UN-Kinderrechtskonvention im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit, die Möglichkeiten der Stärkung von Kinderrechten weltweit und die Partizipation von Jugendlichen in internationalen Verhandlungen. Patrick Rohde, UN-Jugenddelegierter 2012, und Heidrun Fritze, Sprecherin Junges UNO-Netzwerk Deutschland e. V., betonten, Kinder und Jugendliche seien keine homogene Gruppe, über die sich pauschal berichten ließe: "Es gibt nicht 'den' deutschen Jugendlichen", so Heidrun Fritze. Bei der Berichterstattung über Kinder und Jugendliche sei außerdem  darauf  zu achten, sie nicht zu verniedlichen. Vielmehr sei notwendig, sie als (junge) Menschen zu betrachten.

Differenzierte Berichterstattung erforderlich

Am Nachmittag diskutierten Markus Löning, früherer Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung  und heute  selbständiger Berater für "Human Rights & Responsible Business", und Manfred Liebel, Leiter des Studiengangs "M.A. Childhood Studies and Children's Rights" an der FU Berlin, über Kinderrechte und Wirtschaft. Dabei ging es auch um Kinderarbeit und die Berichterstattung über dieses kontrovers diskutierte Thema. In der Regel kämpfen Menschenrechtsorganisationen und Staaten gegen Kinderarbeit. Anfang August trat nun in Bolivien erstmals ein Gesetz in Kraft, das die Kinderarbeit unter besonderen Umständen legalisiert. Liebel hob hervor, dass Kinder und Jugendliche beispielhaft an dem mehr als zwei Jahre dauernden Entwurfsprozess des Gesetzes beteiligt waren und ihre Ansichten einbringen konnten. Daher sei eine differenzierte Berichterstattung erforderlich, wenn es um Kinderarbeit gehe.
(lb)

Programm der Fortbildung


Workshop zu Kinderrechten für Mitarbeitende des Kirkuk Center for Torture Victims (Kurdistan)

Die Teilnehmenden mit Korinna Fritzemeyer (re.), Projektkoordinatorin am Kirkuk Center for Torture Victims (Berlin), und Lissa Bettzieche (DIMR, mi.) © DIMR/L. Bettzieche

Am 2. Juni 2014 veranstaltete das Projekt "Kinderrechte in der Entwicklungspolitik" einen Workshop zu Kinderrechten für Mitarbeitende des Kirkuk Center for Torture Victims. Diese waren aus sechs Behandlungszentren für Folteropfer in der autonomen Region Kurdistan (Irak) nach Berlin gekommen. Die 16 Kinder- und Jugendpsychologen bzw. -psychologinnen, Ärzte und Ärztinnen, Psychiater und Psychiaterinnen waren vom 2. bis 6. Juni im Rahmen eines von der EU finanzierten Projekts zum Aufbau der Zivilgesellschaft im Irak zur Fortbildung in Berlin. Das Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer e. V. (bzfo), dessen langjähriger Kooperationspartner das Kirkuk Center ist, hatte die Fortbildung organisiert. Salah Ahmad, ein Mitarbeiter des bzfo, hat das Kirkuk Center 2005 gegründet und leitet es.

Ziel der 5-tägigen Fortbildung war es, den Mitarbeitenden des Kirkuk Center for Torture Victims Einblicke in verschiedene Institutionen zu bieten, die in Deutschland im Bereich Kindesschutz arbeiten. Denn in der autonomen Region Kurdistan im Irak gibt es seit 2011 ein Gesetz gegen Gewalt in der Familie, das auch dem Kindesschutz dient. Es fehlen jedoch Institutionen zum Kindesschutz, deren Aufbau die Workshop-Teilnehmenden durch gezielte Lobbyarbeit in ihrer Region vorantreiben möchten. Lissa Bettzieche, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts, erarbeitete mit den Teilnehmenden die rechtlichen Grundlagen von Kinderrechten und erläuterte die Staatenpflichten zu ihrer Verwirklichung, sowie die Einklagbarkeit von Kinderrechten auf nationaler und internationaler Ebene. Der Irak hat die UN-Kinderrechtskonvention 1994 ratifiziert, 2008 folgte die Ratifikation der Zusatzprotokolle zur Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten (OPAC) und zu Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornografie (OPSC). (lb)

Weitere Informationen zum Projekt "Kinderrechte in der Entwicklungspolitik"


Von Inklusion bis Klischee: Behinderung in Kinderbüchern

v. l.: Andi Weiland und Raul Krauthausen von Leidmedien.de © DIMR/P. Carega

Lesung "Peter ist der allerkleinste Riese – Bilder von Behinderung in Kinderbüchern" mit Leidmedien.de

Kinderbücher, in denen Kinder mit einer Behinderung vorkommen, gibt es nicht viele. Und nicht alle sind gelungen. In der Lesung am 19. März in der Institutsbibliothek, zu der das Projekt "Kinderrechte in der Entwicklungspolitik" eingeladen hatte, stellten Raul Krauthausen und Andi Weiland von Leidmedien.de positive und negative Beispiele vor. Sie zeigten, wie unterschiedlich Behinderung dargestellt wird und wie Kinderbücher Stereotype von Behinderung unterlaufen, aber auch verfestigen können. Meike Günther, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Menschenrechtsbildung des Instituts, moderierte. 

Eindrücke und Audiomitschnitt der Lesung