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Fotowettbewerb "Zoom Human Rights" - Interview Prof. Dr. Heiner Bielefeldt zum Start des Wettbewerbs (mp3, 3 MB)

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Interview mit Transkript

Fotowettbewerb "Zoom Human Rights" - Interview Prof. Dr. Heiner Bielefeldt zum Start des Wettbewerbs (mp3, 3 MB)

Das Deutsche Institut für Menschenrechte veranstaltete gemeinsam mit dem Deutschen Jugendherbergswerk 2008/2009 den Fotowettbewerb "Zoom Human Rights". Zum Start des Wettbewerbs am 10. Dezember 2008 gab Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, ein Interview.

Transkript des Interviews

Zoom human rights ist ein Fotowettbewerb anlässlich des 60. Jahrestages der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Wen sprechen Sie mit diesem Fotowettbewerb an?

Der Fotowettbewerb wendet sich an junge Menschen, es ist ein Wettbewerb, der zusammen mit dem Deutschen Jugendherbergswerk entsteht und auch dort verankert sein soll. Typischerweise verkehren dort ja junge Menschen aus aller Welt, die auch viele Kontakte haben, diese wollen wir gewinnen und aufmerksam machen auf das Thema Menschenrechte.

Warum sollten sich Jugendliche in einem demokratischen Staat wie Deutschland mit Menschenrechten auseinandersetzen?

Nicht nur in einem demokratischen Staat, sondern möglichst in allen Ländern sollten sich Jugendliche damit befassen. Auch in einem demokratischen Staat wie Deutschland gibt es übrigens intern eine ganze Reihe von ernsten Menschenrechtsproblemen, zum Beispiel der Umgang mit Flüchtlingen oder Antisemitismus und Rassismus. Auch unsere Gesellschaft ist eine, die durchaus noch menschenrechtlich Arbeit zu leisten hat. Aber es geht natürlich auch darum, dass Jugendliche gern den Blick über die Grenzen ihrer Ländern hinaus richten, Kontakte haben...dafür sind Jugendherbergen ja auch da, internationale Kontakte zu ermöglichen. Und Menschenrechte sind ein Thema, das auch die Völker verbinden soll, es ist wichtig dies auch in der jungen Generation zu verankern.

Haben Sie das Gefühl, dass Jugendliche sich mit dem Thema Menschenrechte ausreichend befassen? Reicht das, was man in der Schule lernt, oder muss hier nachgebessert werden?

Die meisten hören in der Schule auch mal von Menschenrechten – vielleicht im Geschichts- oder Religionsunterricht. Es geschieht aber, so unser Eindruck, nicht in der notwendigen Gründlichkeit und Systematik im Sinne eines lebenslangen Lernens. Es ist wichtig nicht nur auf die Schule zu setzen, sondern auch auf außer- und nachschulische Möglichkeiten. Daher haben auch Freizeitangebote wie Jugendherbergen einen ganz genuinen Auftrag. Denn genug über Menschenrechte weiß niemand.

Anlass für den Fotowettbewerb ist der 60. Jahrestag der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte". Ist deren Inhalt heute überhaupt noch aktuell?

Auf der einen Seite ist die Erklärung ein historisches Dokument. Sie ist 60 Jahre alt und man würde manche Formulierungen heute anders wählen. Da kommt beispielsweise im ersten Artikel der Begriff Brüderlichkeit vor. Das klingt für uns heute etwas einseitig. Wir würden es vorziehen von Solidarität zu sprechen. Oder im Zusammenhang des Diskriminierungsverbotes wurde vor 60 Jahren noch nicht angesprochen Behinderung oder sexuelle Orientierung. Es gibt also schon Weiterentwicklungen. Dennoch hat die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte auch eine zeitlose Bedeutung. Sie ist wie kaum ein anderes ein gut lesbares Dokument, relativ knapp ist. Das bürgerliche, politische, wirtschaftliche und soziale Rechte zusammenfasst. Sie ist in dieser Hinsicht, weil sie gut lesbar und leicht verständlich und nicht so juristisch ausdifferenziert ist, für die Menschenrechtsbildung ein geradezu identitätsstiftendes Dokument. Als solches hat sie aktuelle Bedeutung.

Was erhoffen Sie sich von diesem Fotowettbewerb?

Wir erhoffen uns davon, möglichst viele Menschen noch einmal darauf zu stoßen, dass Menschenrechte ein wichtiges Thema sind, zu dem sie auch ihre eigenen Entdeckungen machen können. Es ist sehr wichtig, dass Menschenrechtslernen nicht nur heißt Dokumente zu studieren, Wissen aufzusaugen, sondern auch einen Blick zu schulen und Sensibilitäten zu entwickeln für Menschenrechtsfragen und –verletzungen. Manchmal entdeckt man Dinge an Orten, wo man es gar nicht von Anfang an für möglich hält, wie zum Beispiel Altenheime. Auch Schulen sind Orte, wo gelegentlich Menschenrechte verweigert werden, und deswegen braucht es einen offenen und kritischen Blick. Letzteren anzuregen ist der Sinn dieses Fotowettbewerbs.

(Interview: Andrea Protscher, audiolink) 

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