Mehr Literatur in barrierefreien Formaten

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Ein Mädchen tastet mit ihren Händen ein Buch in Brailleschrift in einer Bibliothek

Einige Bibliotheken bieten bereits Zugang zu Texten in Brailleschrift für Menschen mit Sehbehinderungen © Shutterstock.com

Mehr Literatur in barrierefreien Formaten

Die anstehende Umsetzung des Vertrags von Marrakesch soll Menschen mit Lese- und Sehbehinderungen den Zugang zu Literatur erleichtern

Menschen mit Lese- und Sehbehinderungen haben nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu Werken der Literatur, Kunst und Wissenschaft. Schätzungen der Weltblindenunion (WBU) zufolge liegen in entwickelten Ländern nur maximal fünf Prozent der Bücher und Zeitschriften in barrierefreien Formaten wie Brailleschrift, Großdruck oder als Hörbücher vor. Der Zugang zu Literatur ist jedoch die Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Seh- und Lesebehinderungen ihre Menschenrechte wahrnehmen können, etwa ihr Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit, auf Teilhabe am kulturellen Leben und ihr Recht auf Bildung und Arbeit.

Menschen mit Behinderungen den Zugang zu barrierefreien Büchern zu ermöglichen, ist das Ziel des Vertrags von Marrakesch. Der völkerrechtliche Vertrag trat vor einem Jahr – am 30. September 2016 – in Kraft und ermöglicht die Überführung von kulturellen Werken in barrierefreie Formate ohne Zustimmung der Inhaber_innen des Urheberrechts. Darüber hinaus regelt er den weltweiten Austausch einmal zugänglich gemachter Werke.

Obwohl der Marrakesch-Vertrag auch in Deutschland als Errungenschaft für Menschen mit Lese- und Sehbehinderungen wahrgenommen wird, wurde er aufgrund eines Zuständigkeitsstreits mit der EU bislang nicht umgesetzt. Vier Jahre nach der Vertragsaushandlung ist der Streit nun beigelegt und die inzwischen erlassene EU-Gesetzgebung muss in deutsches Recht überführt werden, um dem Marrakesch-Vertrag hierzulande endlich zur Geltung zur verhelfen.

Die Bundesregierung sollte nun die Weichen dafür stellen, dass Menschen mit Behinderungen stärker an Literatur, Kunst, Wissenschaft teilhaben können

Die Umsetzung bietet die Chance, die Herstellung und den Austausch von Werken in barrierefreien Formaten im Sinne von Menschen mit Behinderungen zu regeln. Durch die Vereinfachung urheberrechtlicher Regeln und durch den Aufbau eines unbürokratischen, internationalen Austauschsystems für barrierefreie Werke kann die Bundesregierung dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen künftig stärker an Literatur, Kunst und Wissenschaft teilhaben können. Dafür bedarf es aber auch konkreter öffentlicher Förderzusagen: Es muss sichergestellt werden, dass die Kosten der Übertragung in barrierefreie Formate nicht von den Betroffenen getragen werden müssen. Zudem sollte das Bibliothekswesen insgesamt inklusiver gestaltet werden. Bestehende Blindenbüchereien sollten bei der Erstellung von barrierefreien Werken unterstützt und ihr Nutzerkreis auf lesebehinderte Menschen erweitert werden. Öffentliche Bibliotheken sollten sich für Menschen mit Behinderungen öffnen und Werke in barrierefreien Formaten verleihen oder ihre Herstellung beauftragen. Damit die "Büchernot" der Betroffenen endlich überwunden werden kann, gilt schließlich: Beteiligte Akteure wie die Verwertungsgesellschaften und Verlage sollten es stärker als bisher auch als eigene Aufgabe verstehen, Menschen mit Behinderungen den Zugang zu ihren Werken zu ermöglichen.
(LB, US)

Weitere Informationen:

Deutsches Institut für Menschenrechte (2017): Mehr Literatur in barrierefreien Formaten. Die Umsetzung des Vertrags von Marrakesch soll Menschen mit Lese- und Sehbehinderungen den Zugang zu Literatur erleichtern

Alle Publikationen zum Themenbereich "Menschen mit Behinderungen"

Position der Monitoring-Stelle UN-BRK zum Vertrag von Marrakesch