"Inklusive Bildung ist für mich der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen"

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Gruppenbild von Y. Nigussie mit Mitarbeitenden des Instituts

Y. Nigussie (5.v.r.): "Bildung ist die beste Waffe, um den Kreislauf von Armut und Behinderung zu durchbrechen" © DIMR/Scheffer

"Inklusive Bildung ist für mich der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen"

Interview mit Yetnebersh Nigussie, Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises 2017, über die Bedeutung inklusiver Bildung, Perspektivwechsel und die Notwendigkeit von Allianzen

Yetnebersh Nigussie besuchte anlässlich der Verleihung der Alternativen Nobelpreise in Stockholm  am 5. Dezember 2017 das Deutsche Institut für Menschenrechte. Mit der Monitoring-Stelle UN-Behindertenkonvention des Instituts tauschte sie sich über internationale Entwicklungszusammenarbeit, den Vertrag von Marrakesch und inklusive Bildung aus. "Inklusive Bildung ist für mich der Schlüssel für eine inklusive Gesellschaft und ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen", sagt Nigussie im Interview mit dem Institut.

Frau Nigussie, in diesem Jahr wurden Sie mit den Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Er würdigt Ihre Arbeit für Menschen mit  Behinderungen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Nigussie: Der Alternative Nobelpreis ist für mich der bisher größte Erfolg. Der Preis wird die Wichtigkeit der Sache, für die ich einstehe, und ihre Sichtbarkeit erhöhen. Das wird auch zu mehr Allianzen mit der Behindertenbewegung führen, für die Behinderung ein Menschenrechtsthema ist.

Seit 2016 arbeiten Sie bei der Nichtregierungsorganisation "Light for the World" als Inklusionsbeauftragte. Die Organisation setzt sich in Entwicklungsländern für die Rechte und Chancen von Menschen mit Behinderungen ein, zum Beispiel durch die Operationen von Augenerkrankungen oder der Rehabilitation von blinden und sehbehinderten Menschen. Wie kamen Sie zu "Light for the World" und was wollen Sie dort erreichen?

Nigussie: Die Entscheidung für die Arbeit bei "Light for the World" war für mich eine logische Weiterentwicklung meiner Karriere. Diese Arbeit ermöglicht es mir, mit anderen Menschen mit Behinderungen aus Afrika, Asien, Lateinamerika zusammenzukommen. Da der der Kampf gegen Diskriminierung aufgrund von Behinderungen mehr Bündnisse, Partnerschaften und Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten erfordert, bringt mich das meinem Traum, eine inklusive Gesellschaft zu gestalten, näher.

Ihr gesamtes Leben setzen sie sich bereits für benachteiligte Menschen ein, besonders für Blinde und Sehbehinderte. Was motiviert Sie und was ist Ihr Ziel für die Zukunft?

Nigussie: Mein Ziel ist es,  Mädchen und Jungen den Zugang zu einer inklusiven Bildung zu ermöglichen, unabhängig von ihrem Alter und ihrer Behinderung. Bildung hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin. Sie ist das beste Mittel, um den Kreislauf von Armut und Behinderung zu durchbrechen. Gut ausgebildete Kinder mit Behinderungen haben die Möglichkeit, über ihre Zukunft selbst zu entscheiden.  Wir müssen damit aufhören, Bildung als ein Privileg für wenige zu betrachten! Wir sollten lieber den Fokus auf den Zugang und die Qualität der Bildung legen und darauf, sie inklusiv zu gestalten.

Was müssen wir tun, um in einer inklusiven Gesellschaft zu leben und Inklusion als selbstverständlichen Teil unseres Alltags anzusehen?

Nigussie: Der Schlüssel für den Aufbau einer inklusiven Gesellschaft ist nicht nur der Abbau von Barrieren, sondern auch ein Fokuswechsel: Wir sollten den Blick verstärkt auf die vielen Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen richten, anstatt immer auf die Behinderungen. Dies muss schon in der frühen Kindheit geschehen. Inklusive Bildung ist für mich der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen. Sie ist die zentrale Voraussetzung für eine bessere Welt für alle Menschen.

Yetnebersh Nigussie setzt sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein. Sie erblindete im Alter von fünf Jahren und entkam der Zwangsverheiratung. Stattdessen ging sie zur Schule und studierte Rechtswissenschaften. Nigussie gehört zu den Mitbegründer_innen des äthiopischen Zentrums für Behinderung und Entwicklung und arbeitet als Inklusionsbeauftragte für die Nichtregierungsorganisation "Light for the World".
(CW)

Weitere Informationen:

Menupunkt Bildung der Monitoringstelle UN-Behindertenrechtskonvention

Website der Organisation"Licht für die Welt"