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Das Recht auf inklusive Bildung

Fachgespräch zur Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern vor dem Hintergrund der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen am 22. Juni 2009 

Montag, 22. Juni 2009, im Deutschen Institut für Menschenrechte

Im Mittelpunkt des Fachgesprächs stand die Frage, wie der inklusive Ansatz zur Realisierung des Menschenrechts auf Bildung für alle Kinder, den die UN-Behindertenrechtskonvention normiert, in die Praxis der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern aller Schulformen umgesetzt werden kann. Hierzu diskutierten Expertinnen und Experten aus der Bildungspolitik, der Lehrerbildung sowie Schulleiterinnen und Schulleiter aus Grundschulen, Förderzentren und inklusiven Schulen. In allen Bundesländern gibt es inzwischen Bestrebungen zur Umstrukturierung der sonderpädagogischen Förderung mit dem Ziel, Ansätze zur Inklusion zu realisieren. Inklusion kann gelingen, wenn ausreichende Ressourcen zur Verfügung stehen und alle am Prozess beteiligten Personen entsprechende Unterstützung erhalten. Inklusion muss Gegenstand der Ausbildung aller Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen sein, insbesondere für Sonder- und Grundschulpädagogen.  

Vor diesem Hintergrund haben sich der Verband Sonderpädagogik und das Deutsche Institut für Menschenrechte zur gemeinsamen Durchführung des Fachgesprächs entschlossen. Schwerpunkt war die Frage, welche Anforderungen die Praxis einer inklusiven Pädagogik an die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern stellt.        

Protokoll des Fachgesprächs "Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern vor dem Hintergrund der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen"

Fachgespräch "Das Menschenrecht auf Bildung als inklusives Recht im Spiegel der neuen UN-Convention on the Rights of Persons with Disabilities"

21. Februar 2008 im Deutschen Institut für Menschenrechte  

In den vergangenen Jahren erhalten die Bildungsrechte für Kinder mit speziellen Lernbedürfnissen mehr und mehr Aufmerksamkeit im internationalen Menschenrechtsschutzsystem. Bereits 1994 verabschiedete die UNESCO die "Salamanca-Erklärung", mit der als Leitprinzip internationaler Bildungspolitik formuliert wurde, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. 1999 veröffentlichte der Sozialpaktausschuss seinen Allgemeinen Kommentar (Nr. 13/1999) zum Menschenrecht auf Bildung, der unter anderem auch die Bildungsrechte benachteiligter Gruppen besonders in den Blick nimmt. Auch der Kinderrechtsausschuss widmet sich dem Recht auf Bildung für Kinder mit Lernbehinderungen in einem eigenen Allgemeinen Kommentar (Nr. 9/2006). Und schließlich legte auch der UN-Sonderberichterstatter zum Recht auf Bildung einen Schwerpunkt auf die Bildungsrechte behinderter Kinder - sowohl in seinem Länderbericht zu Deutschland (2006), als auch in seinem thematischen Sonderbericht aus demselben Jahr.  

Die grundlegend veränderte Perspektive auf das Recht auf Bildung manifestiert sich in dem jüngsten Menschenrechtsvertrag der Vereinten Nationen, der "Convention on the Rights of Persons with Disabilities"  (siehe Art. 24). Erstmals nimmt ein Konventionstext ausdrücklich Bezug auf das Recht auf Bildung als inklusives Menschenrecht. Vorangegangen war ein partizipativer Prozess zur Ausarbeitung des Konventionstextes, an dem auch zahlreiche Verbände teilhatten und ihre unterschiedlichen Perspektiven und Interessen einbrachten.  

Der Fülle an neuen Normen und innovativen Leitprinzipien für die Bildungsrechte behinderter Kinder steht in Deutschland eine vielschichtige und zum Teil sehr widersprüchliche Praxis gegenüber. Verschiedene Modelle von Integration und (oder) Inklusion werden zwar erprobt, stellen aber im Bildungssystem insgesamt noch immer eher die Ausnahme als die Regel dar. Das Deutsche Institut für Menschenrechte wollte das Fachgespräch dazu nutzen, mit Expertinnen und Experten darüber ins Gespräch zu kommen, welche Konsequenzen sich aus den neuen UN-Normen für das deutsche Bildungssystem - besonders für den Anspruch einer inklusiven Bildung für alle Kinder - ergeben.