Studie Kinderfreundliche Justiz

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Studie Beteiligung von Kindern in zivil- und strafrechtlichen Verfahren

Im Rahmen einer vergleichenden Studie der EU-Grundrechteagentur (FRA) untersucht das Deutsche Institut für Menschenrechte, wie in Deutschland Minderjährige in rechtlichen Verfahren beteiligt werden. Insbesondere geht es dabei um die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in familienrechtlichen Verfahren und um ihre Anhörung als Zeugin oder Zeuge in Strafverfahren. Ziel ist es, auf der Basis von Interviews mit Fachkräften und betroffenen Minderjährigen bestehende Praktiken zu analysieren und den Verbesserungsbedarf zu identifizieren.

Wir suchen Interviewpartner und Interviewpartnerinnen (ca. 12-18 Jahre)

Bis einschließlich August 2014 sucht das Team des Deutschen Instituts für Menschenrechte Kinder und Jugendliche (ca. 12-18 Jahre), die in einem straf- oder zivilrechtlichen Verfahren bei der Polizei, vor Gericht oder von Verfahrensbeiständen als Opfer, Zeuge oder Zeugin oder als familienrechtliche "Partei" angehört wurden. Thema der sozialwissenschaftlichen Interviews sind ausschließlich die Erfahrungen, die sie während ihrer Teilnahme an einem solchen Verfahren gemacht haben.

Interviews mit Kindern erfordern besondere Umsicht und die Berücksichtigung ethischer Anliegen. Wir legen großen Wert auf Freiwilligkeit, informierte Einwilligung und Sensibilität. Alle Daten werden streng vertraulich behandelt. Wer möchte, kann zum Interview eine Vertrauensperson mitbringen. Die Interviews dauern maximal 50 Minuten. Wir kommen immer persönlich zu einem Vortreffen und zum Interview vorbei. Bei der Teilnahme von Kindern unter 14 Jahren benötigen wir natürlich die Einverständniserklärung der Eltern.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie Kinder und Jugendliche auf unser Anliegen aufmerksam machen würden. Gerne melden wir uns auch bei Interview-Interessentinnen oder –Interessenten direkt, wenn diese zustimmen, dass Sie ihre Kontaktdaten an uns vermitteln. Die Interviews können bis einschließlich August 2014 stattfinden.

Die Ergebnisse der deutschen Teilstudie werden von der FRA mit denen der anderen EU-Staaten zusammengeführt und voraussichtlich im Jahr 2015 auf der Website FRA: Children and justice veröffentlicht.

Was ging den Interviews mit den Kindern und Jugendlichen voraus?

Im Jahr 2012 hat das Deutsche Institut für Menschenrechte knapp 50 Fachkräfte interviewt, die in zivil- und strafrechtlichen Verfahren mit minderjährigen Zeugen und Zeuginnen, Opfern oder Parteien in Berührung kommen. Richterinnen, Verfahrensbeistände, Prozessbegleiter, Sozialarbeiterinnen, Rechtsanwälte und Polizeibeamtinnen berichteten über ihre praktischen Erfahrungen und Einschätzungen. Einen Zwischenbericht für diese Phase wird die FRA voraussichtlich im November 2014 veröffentlichen. Website FRA: Children and justice

Warum?

Die Art und Weise, wie Kinder in gerichtliche Verfahren einbezogen werden, unterscheidet sich in den 28 EU-Mitgliedstaaten sehr. Es fehlt an nationalen Standards und Richtlinien, wann und wie Minderjährige beteiligt werden sollten. Die Entwicklung eines kindgerechten Justizsystems ist ein Gebot des internationalen Übereinkommens über die Rechte des Kindes von 1990. Wiederholt hat die Europäische Kommission ihre Selbstverpflichtung bestärkt, die Kinderrechte in der EU durchzusetzen, zuletzt mit der EU-Agenda für die Rechte des Kindes von 2011. Deshalb untersucht die FRA nun in enger Zusammenarbeit mit der Kommission die Praktiken und Verfahren der Beteiligung von Kindern in gerichtlichen Verfahren in zehn Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland. Als Orientierung dienen die Leitlinien des Ministerkomitees des Europarates für eine kindgerechte Justiz (PDF, nicht barrierefrei).

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