Interview Susanne Billig

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Interview mit Susanne Billig

© DIMR/Amélie Losier

Zur Person:
Susanne Billig, Jahrgang 1961, ist Autorin und Journalistin und auf einem der neuen Institutsplakate zu sehen.

Können Sie in unserer Gesellschaft gleichberechtigt dabei sein, wo Sie dabei sein möchten?

Das Gefühl habe ich meistens schon. Wenn ich allerdings genauer darüber nachdenke, sehe ich, wo es überall an Gleichberechtigung fehlt - sowohl mir selbst, aber auch anderen Menschen. Eine fehlende Bordsteinabsenkung stört mich aus prinzipiellen Gründen, auch wenn ich persönlich derzeit noch damit zurechtkomme. 

Falls nicht – welche Barrieren gibt es?

Für mich persönlich: Frauen erhalten nicht denselben Lohn wie Männer. Die eingetragene Partnerschaft ist ein Sonderrecht und entspricht der Ehe rechtlich und im Ansehen der Gesellschaft nicht. Auch subtil gibt es Benachteiligungen: die Angst als Frau abends allein auf der Straße. Die Kraft, die es braucht, in all den vielen Zusammenhängen zu entscheiden, wie sehr, wie wenig ich mich oute als lesbische Frau – oder auch als Buddhistin. Die beruflichen Seilschaften von Männern, die Frauen oder zurückhaltendere Männer ausgrenzen. Dass ich in meinem Stadtteil der Grünflächen beraubt werde (Brunnen versiegen, Parkanlagen verrotten), weil eine Umverteilung von unten nach oben die öffentliche Hand verarmen lässt. Auch das ist Diskriminierung. Als Mitmensch nehme ich zudem viele weitere Barrieren schmerzhaft wahr, die andere Menschen ausgrenzen.

Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern, damit alle Menschen gleichermaßen teilhaben können? 

Tausend kleine und große Schritte, deshalb sind hier alle gefragt und alle können auch etwas tun. Insgesamt sehe ich unsere Kultur auf einem guten Weg - leider mit Ausnahme von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, auch in Ämtern, Personalpolitik in Unternehmen, Asylgesetzgebung. Hier braucht es meines Erachtens die größte Bemühung in der politischen Arbeit.

Inklusion bedeutet für mich…

dass dieses Wort eines Tages überflüssig wird, weil es in unserer Wahrnehmung und Lebenspraxis die "Normalen" und die "zu Inkludierenden" nicht mehr gibt. Niemand kann alleine leben, jede und jeder braucht im Leben auch mal intensivere Unterstützung und Hilfestellung, alle sind individuell – das verbindet uns doch.

(Interview: Ingrid Scheffer)