Interview Lucie Veith

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Interview mit Lucie Veith

© privat

Zur Person:
Lucie G. Veith, Jahrgang 1956, ist Doz. für Gestaltung und 1. Vors. des Vereins Intersexuelle Menschen e. V.

Können Sie in unserer Gesellschaft gleichberechtigt dabei sein, wo Sie dabei sein möchten?

Das wäre schön, ist aber eine Illusion. Trotzdem tauche ich überall auf, weil intersexuelle Menschen wie ich Teil dieser Gesellschaft sind, aber im Gegensatz zu Menschen, die in der Norm geboren wurden, musste ich meinen Körper in die Norm bringen und muss um die Anerkennung meiner Identität kämpfen. 

Falls nicht – welche Barrieren gibt es?

Die Barrieren, die intersexuelle Menschen erleben, begründen sich im Irrglauben, dass diese Gesellschaft nur Männer und Frauen hervorbringen und anerkennen kann. Dass diese Aussage biologisch nicht haltbar ist, wissen leider nur wenige Menschen, denn in den Schulen werden unwissenschaftliche Lehren gehalten und so ist eine Gruppe von Menschen aus dem Bewusstsein verschwunden: die intersexuellen Menschen. Der staatliche Mindestschutz, wie der Schutz unserer körperlichen und psychischen Unversehrtheit, bleibt uns versagt.

Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern, damit alle Menschen gleichermaßen teilhaben können? 

Wenn wir gemeinsam dem Respekt gegenüber jedem Menschen Raum geben und alle verinnerlichen, dass wir alle unterschiedlich sind und niemand wegen des Alters, des Geschlechts, der ethnischen Herkunft, der Religion, der Weltanschauung, körperlicher oder mentaler Konstitution, der geschlechtlichen Identität oder der sexuellen Orientierung benachteiligt werden darf.

Inklusion bedeutet für mich…

dass jeder Mensch in die Gesellschaft hineingeboren wird und dort den gleichberechtigten Platz zum Leben findet. 

Vom Berliner Menschenrechtstag wünsche ich mir…

drei Dinge: gute Gespräche, faire Auseinandersetzungen und Begegnungen auf Augenhöhe.

(Interview: Ingrid Scheffer)