Interview Gudrun Fertig

Servicenavigation

Sie befinden sich hier: Aktuell > Veranstaltungen > Berliner Menschenrechtstag > Berliner Menschenrechtstag 2012 >  Interview Gudrun Fertig

Interview mit Gudrun Fertig

© Guido Woller

Zur Person:
Gudrun Fertig ist eine der Geschäftsführerinnen der Special Media SDL GmbH. Der Zeitschriften- und Onlinemedien-Verlag ist auf die Hauptzielgruppe Lesben und Schwule ausgerichtet und gibt unter anderem die Zeitschrift "L-MAG", das schwul-lesbische Berliner Stadtmagazin "Siegessäule" und die Zeitschrift DU&ICH heraus.

Können Sie in unserer Gesellschaft gleichberechtigt dabei sein, wo Sie dabei sein möchten?

Im Großen und Ganzen, ja. Als sehr offen lebende lesbische Frau wollen mich sicher einige nicht dabei haben. Sofern es Institutionen wie katholische Kirche oder die Ehe betrifft, möchte ich auch nicht teilhaben, insofern gibt es keinen persönlichen Konflikt – auch wenn es natürlich ein gesellschaftlicher Skandal ist. 

Falls nicht – welche Barrieren gibt es?

Neben den offensichtlichen institutionellen Barrieren, gibt es die Barriere der Unsichtbarkeit. Lesbische Frauen werden nicht mitgedacht und kommen in der Öffentlichkeit zu selten zu Wort. Oder sie werden nicht ernst genommen. Oder es wird unterstellt, es mache doch keinen Unterschied, mit wem man ins Bett gehe. Diese oft wohlmeinende Ansicht übersieht, dass es in fast jeder lesbischen Biografie die Erfahrung von Ausgrenzung gibt. Dass lebenslang immer wieder neue Coming-outs nötig sind, sobald man auf neue Menschen trifft. Außerdem habe ich als Lesbe einen anderen Blick auf Geschlechterrollen und weibliche Sexualität und bemühe mich, sensibel zu sein, wenn andere Menschen diskriminiert werden. All das geht also weit über Bettgeschichten hinaus.

Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern, damit alle Menschen gleichermaßen teilhaben können? 

Vielfalt muss überall sichtbar sein und mitgedacht werden. Letztlich ist ja jeder Mensch ein Unikum, "Normalität" etwas sehr Relatives.

Vom Berliner Menschenrechtstag wünsche ich mir…

dass er die ungeschriebenen und geschriebenen Regeln lautstark skandalisiert, die Menschen ausgrenzen. Und sich traut, unbequem zu sein.

(Interview: Ingrid Scheffer)