Von Inklusion bis Klischee: Behinderung in Kinderbüchern

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Die beiden sitzen hinter einem Tisch und vor einem Bücherregal. Auf dem Tisch befinden sich Unterlagen, Getränke und eine Leselampe.

v. l.: Andi Weiland und Raul Krauthausen von Leidmedien.de © DIMR/P. Carega

Von Inklusion bis Klischee: Behinderung in Kinderbüchern

Lesung "Peter ist der allerkleinste Riese – Bilder von Behinderung in Kinderbüchern" mit Leidmedien.de

Kinderbücher, in denen Kinder mit einer Behinderung vorkommen, gibt es nicht viele. Und nicht alle sind gelungen. In der Lesung am 19. März in der Institutsbibliothek, zu der das Projekt "Kinderrechte in der Entwicklungspolitik" eingeladen hatte, stellten Raul Krauthausen und Andi Weiland von Leidmedien.de positive und negative Beispiele vor. Sie zeigten, wie unterschiedlich Behinderung dargestellt wird und wie Kinderbücher Stereotype von Behinderung unterlaufen, aber auch verfestigen können. Meike Günther, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Menschenrechtsbildung des Instituts, moderierte.

Ferdinand mag seine neue Schule. Die Lehrerin ist nett, und er hat auch schon Freunde gefunden: Babouche, der unkontrolliert die komischsten Wörter herausbrüllt und zur Freude von Ferdinand damit regelmäßig seine ahnungslose Umgebung verschreckt, und Gaufrette, die keinen Ton spricht. Hélèna Villovitch beschreibt in ihrem Buch "Ferdinands klitzekleine Superkräfte" Kinder mit Behinderungen auf eine respekt- und zugleich humorvolle Art und Weise. Raul Krauthausen und Andi Weiland jedenfalls hat die Geschichte gut gefallen. Die beiden Redakteure von Leidmedien.de brachten das Buch und andere Kinderbücher mit zur Lesung am 19. März 2014, zu der das Projekt "Kinderrechte in der Entwicklungspolitik" im Rahmen des zweitägigen Treffens mit dem Thementeam Kinder- und Jugendrechte beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eingeladen hatte. Bei der Veranstaltung in der Institutsbibliothek diskutierten neben Vertreterinnen und Vertretern des BMZ rund 25 Gäste darüber, wie in Kinder- und Jugendbüchern Menschen mit Behinderungen dargestellt werden. Insgesamt sechs Bücher stellten Raul Krauthausen und Andi Weiland ausführlich vor - und nicht immer fiel ihr Urteil positiv aus: "Es gibt durchaus Geschichten, die inklusiv sind. Doch leider auch Bücher, die Klischees zementieren", sagte Weiland. Etwa wenn in einem Bilderbuch das Mädchen mit Trisomie 21 mit Schlitzaugen gezeichnet ist, gerne malt und immer lacht.

Weit realistischer und teilweise auch ungeschönt zeigt dagegen "Lauf, kleiner Spatz", wie es sein kann, wenn man nach einem Unfall mit einer Behinderung konfrontiert ist. Zwar gewinnt der Spatz, der seine Flügel nach einem heftigen Unwetter nie mehr zum Fliegen wird gebrauchen können, am Ende der Geschichte seine Lebensfreude zurück. "Doch geheilt wird nichts. Es gibt nur den Weg, mit der neuen Situation klarzukommen", sagte Krauthausen. Ihn habe das Buch aus diesem Grund sehr berührt. Am Ende der knapp zweistündigen Lesung und Diskussion hatte das Publikum noch die Gelegenheit, sich bei einem kleinen Imbiss auszutauschen und in den von Leidmedien.de zusammengetragenen Kinderbüchern zu schmökern.

Eine Auswahl an Kinderbüchern, die Behinderung thematisieren, findet sich im Blog von Raul Krauthausen

(P. Carega)

Audio-Mitschnitt der Lesung