"Nicht jede ältere Person ist gebrechlich!"

Servicenavigation

Sie befinden sich hier: Aktuell > News >  "Nicht jede ältere Person ist gebrechlich!"

Dr. Claudia Mahler <br>© DIMR/<br>S. Pietschmann

"Nicht jede ältere Person ist gebrechlich!"

Interview mit Claudia Mahler, die am Institut unter anderem zu den Rechten älterer Menschen arbeitet, über die Diskriminierung älterer Personen in Deutschland und zu der Frage, ob eine eigene UN-Konvention geschaffen werden sollte 

"Ältere Menschen haben Rechte!" lautet der Titel Ihrer Veranstaltung am 24. April – wer bezweifelt das? 

Mahler: Es ist weniger so, dass die Rechte bezweifelt werden, als dass sie nicht wahrgenommen werden und beispielsweise Altersdiskriminierung nicht als Rechtsverletzung erkannt, sondern als alltäglich hingenommen wird. Daher sind wir der Meinung, dass die Menschenrechte älterer Personen gestärkt werden müssen, um ihre Rechte in den Fokus zu rücken.

In welchen Bereichen werden ältere Menschen in Deutschland diskriminiert?

Mahler: Zum Beispiel am Arbeitsmarkt. Es gibt Stellenausschreibungen, in denen ein Höchstalter genannt wird, beispielsweise "Es werden nur Bewerbungen von Personen unter 30 berücksichtigt" - dies ist eine klare Schlechterstellung ohne sachlichen Grund und somit eine Diskriminierung aller Personen über 30. Auch ist es eine Tatsache, dass 50-jährige Bewerberinnen und Bewerber derzeit kaum eine Chance auf eine Neuanstellung haben! Dies kommt aufgrund falscher Zuschreibungen zustande, die lauten: "Ältere sind nicht mehr so leistungsfähig, brauchen länger und sind öfter krank." Untersuchungen belegen, dass dies nicht den Tatsachen entspricht.

Personen, die 60 Jahre oder älter sind, machen bereits mehr als ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland aus, Tendenz weiter steigend. Woran liegt es, dass diese große Gruppe dennoch benachteiligt wird?

Mahler: Die Gruppe der Älteren ist eine besonders heterogene Gruppe, sodass sie derzeit auch noch nicht als eine große mächtige Gruppe agiert. Auch existieren in unserer Gesellschaft noch negative Altersbilder die in vielen Bereichen einfach nicht mehr stimmen. Nicht jede ältere Person ist gebrechlich und pflegebedürftig! Ältere werden aber oft über diese defizitären Zuschreibungen definiert und nicht als gleichberechtigte Trägerinnen und Träger von Rechten gesehen. Hinzu kommt, dass Altersdiskriminierung oft noch nicht wahrgenommen wird.

Halten Sie eine eigene UN-Konvention für die Rechte Älterer oder eine Sonderberichterstatterin zum Thema für sinnvoll?

Mahler: Der Schutz der Menschenrechte älterer Personen muss verstärkt werden. Dabei darf man nicht aus den Augen verlieren, dass die Probleme weltweit ein noch unterschiedlicheres Spektrum haben, als dies schon bei der in Deutschland heterogenen Gruppe der älteren Personen der Fall ist. Ob der verstärkte Schutz der Menschenrechte im ersten Schritt durch ein nationales Monitoring, einen UN-Sonderberichterstatter oder eine Konvention erfolgt, oder durch eine kombinierte Lösung erscheint mir jetzt noch nicht ausschlaggebend. Eine Konvention bietet rechtlich gesehen den stärksten Schutz – aber wie in allen Bereichen muss die Umsetzung auf nationaler Ebene gesichert durchgeführt werden, um den Schutz real zu gewährleisten.

(Das Interview führte Ingrid Scheffer)

Vortrag mit Diskussion: "Ältere Menschen haben Rechte!", 24. April 2012, 18:00 Uhr, Bremer Landesvertretung, Berlin

No matching tab handler could be found for link handler key record:tt_news:495.