"Die eigenen Risiken kennen: Es lohnt sich"

Servicenavigation

Sie befinden sich hier: Aktuell > News >  "Die eigenen Risiken kennen: Es lohnt sich"
4 Personen sitzen im Halbkreis hinter einem kleinen Tisch. Die Person ganz rechts redet und gestikuliert, die drei anderen schauen sie an. Hinter ihnen hängt eine Leinwand.

v. l.: Deniz Utlu, Bärbel Kofler, Cornelia Heydenreich und Sibylle Baumgartner © DIMR/Tosic

"Die eigenen Risiken kennen: Es lohnt sich"

Debatte "Wirtschaft und Menschenrechte: Wie können Unternehmen menschenrechtliche Risiken und Auswirkungen ermitteln? - Antworten aus der Praxis" am 20. Juni in Berlin

Am 20. Juni 2016 luden das Deutsche Institut für Menschenrechte und das Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) zur Debatte "Wirtschaft und Menschenrechte: Wie können Unternehmen menschenrechtliche Risiken und Auswirkungen ermitteln? - Antworten aus der Praxis" in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften ein.

Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte formulieren in ihrer zweiten Säule (Verantwortung der Unternehmen, Menschenrechte zu achten) grundlegende Anforderungen an die Analyse menschenrechtlicher Risiken und Auswirkungen. Immer mehr Unternehmen richten daher Prozesse zur Umsetzung ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht ein. Aufgrund der Vielfalt an Geschäftsmodellen und Unternehmenstätigkeiten sind die menschenrechtlichen Risiken für Unternehmen sehr unterschiedlich. Dass es für alle Unternehmen dennoch möglich ist, ihre Risiken und Auswirkungen zu überprüfen, sollte die Debatte aufzeigen.

Bei der Begrüßung betonte Anna Würth, Leiterin der Abteilung Internationale Menschenrechtspolitik im Deutschen Institut für Menschenrechte, dass Auswirkungs- und Risikoanalysen für Unternehmen machbar seien und sich für Unternehmen auch lohnten. Interviews mit Unternehmen, die für die von Institut, DGCN und twentyfifty Ltd. herausgegebene Publikation "Menschenrechtliche Risiken und Auswirkungen ermitteln - Perspektiven aus der Unternehmenspraxis" geführt wurden, zeigten dies deutlich. Vor dem Hintergrund des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte und der darin enthaltenen bezifferten und terminierten Erwartung des Staates gegenüber Unternehmen, ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen, bekämen unternehmerische Risiko- und Auswirkungsanalysen jetzt auch politisch eine große Bedeutung, so Anna Würth weiter.

Philipp Bleckmann, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte beim Deutschen Global Compact Netzwerk, führte in die Praxisbeispiele ein. Zwar gebe es eine Vielzahl an Methoden zum Messen von Risiken und Auswirkungen, bei unterschiedlichen Zielen. Diese Methoden müssten aber immer grundlegenden Prinzipien für Prozess und Inhalt der Analysen folgen. Von menschenrechtlichen Beeinträchtigungen Betroffene müssten in die Analyse einbezogen werden, maßgebend für die Bemessung von Risiken und Auswirkungen müssten die internationalen Menschenrechte sein.

Deniz Utlu, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Menschenrechte, schloss mit einem Beispiel aus dem Bergbau an. Als Erfolgsfaktoren für Risiko- und Auswirkungsanalysen führte er aus, dass das obere Management eines Unternehmens eine aktive Rolle spielen müsse und die Analysen in die bestehende Unternehmenspraxis integriert werden sollten, etwa in die regelmäßigen Geschäftsfortschrittsberichte.

Unternehmen können sich Reputationsschäden und Gerichtskosten sparen, wenn sie ihren Sorgfaltspflichten nachkommen

Auf dem Podium diskutierten Bärbel Kofler, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Cornelia Heydenreich, Teamleiterin Unternehmensverantwortung bei Germanwatch, und Sibylle Baumgartner, Head of Corporate Responsibility, Kuoni Travel Management Ltd.
Cornelia Heydenreich unterstrich, dass sich Unternehmen in der Vergangenheit Reputationsschäden und Gerichtskosten gespart hätten, wenn sie ihren Sorgfaltspflichten nachgekommen wären. Als Beispiel nannte sie unter anderem die Neumann Kaffee Gruppe, der Landraub in Uganda vorgeworfen wird. Die Pflicht der Staaten, die Menschenrechte zu schützen, bedeute auch, so Bärbel Kofler, den Unternehmen einen politischen Rahmen für die Durchführung ihrer Sorgfaltspflichten zu setzen. Sibylle Baumgartner sagte, es solle zwischen Risiko- und Auswirkungsanalysen unterschieden werden. Während ihr Unternehmen menschenrechtliche Risiken an allen Standorten abschätze, habe es nur an den Standorten, wo es sehr einflussreich ist, eine tiefer gehende Auswirkungsanalyse unternommen.

Anschließend stellte das Publikum fragen an das Podium: Wie berücksichtige der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte, der diesen Monat vom Auswärtigen Amt veröffentlicht werde, andere relevante Initiativen, insbesondere die CSR-Richtlinie, bei der es um unternehmerische Berichtspflichten gehe? Eine weitere Frage bezog sich auf die Transparenz der Unternehmen bei Auswirkungsanalysen. Für zivilgesellschaftliche Organisationen sei es häufig schwierig, relevante Informationen zu erhalten. Andere Stimmen im Publikum hoben hervor, dass nicht nur im transnationalen Kontext Menschenrechte beeinträchtigt würden, sondern auch die inländische Wirtschaft menschenrechtliche Risiken berge, etwa im Pflegesektor.

(S. Moeck/D. Utlu)

Weitere Informationen:
Ermitteln menschenrechtlicher Risiken und Auswirkungen