Bibliotheken für eine solidarische Gesellschaft

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Bibliotheken für eine solidarische Gesellschaft

"Bibliotheken. Solidarität. Gesellschaft" war das Motto des 83. Weltkongresses des internationalen Bibliotheksverbands IFLA in Polen

Mit einem beeindruckenden politischen Statement gegen jede Form von Nationalismus endete am 24. August der 83. Weltkongress des internationalen Bibliotheksverbands IFLA in Wrocław, Polen. Rund 3.100 Bibliothekar_innen aus 122 Ländern waren für eine Woche zusammengekommen, um sich unter dem Kongressmotto "Bibliotheken. Solidarität. Gesellschaft" international auszutauschen.

Der Zugang zu Informationen ist kein Selbstzweck

Die IFLA stellte auf der Konferenz ihren ersten Jahresbericht im Kontext der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UN-2030-Agenda vor: Development and Access to Information 2017 (DA2I). Er war im Juli bereits dem Hochrangigen Politischen Forum zu nachhaltiger Entwicklung der UN (UN HLPF) übergeben worden. Der Bibliotheksverband betont darin, dass der Zugang zu Informationen kein Selbstzweck ist, sondern als ein zentraler Motor für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele gesehen werden muss. Bibliotheken spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, diesen Zugang für alle Menschen zu ermöglichen. Ein exemplarisches Beispiel im Bericht ist der Internetzugang für Frauen und Mädchen, der in vielen Ländern vor allem durch Bibliotheken gewährleistet wird. Sie bieten einen sicheren Ort für Kommunikation und Lernen sowie Unterstützung bei der Suche nach Informationen, zum Beispiel zur Gesundheitsvorsorge oder Weiterbildung. Dadurch fördern Bibliotheken die Umsetzung von SDG-Ziel 5 "Geschlechtergleichheit". Weitere Kapitel schildern die bedeutende Rolle von Bibliotheken bei der Verbesserung der gesundheitlichen Aufklärung (SDG 3) und der öffentlichen Infrastruktur (SDG 9) sowie beim Ausbau einer nachhaltigen Landwirtschaft (SDG 2). Zukünftige Jahresberichte werden andere Schwerpunkte setzen und anhand von Indikatoren die Fortschritte beim Zugang zu Informationen messen.

Universelles Design von Bibliothekskonferenzen

Die öffentliche Sitzung der IFLA-Sektion "Library Services for People with Special Needs-LSN" (Bibliotheksdienste für Menschen mit besonderen Bedürfnissen) beschäftigte sich mit der barrierefreien Gestaltung von Bibliothekskonferenzen. An einem guten Praxisbeispiel aus Norwegen wurde demonstriert, wie eine nach den Prinzipien des Universellen Designs gestaltete Konferenz allen Teilnehmer_innen zugutekommt. Universelles Design ist nach Artikel 2 der UN-Behindertenrechtskonvention "ein Design von Produkten, Umfeldern, Programmen und Dienstleistungen in der Weise, dass sie von allen Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung oder ein spezielles Design genutzt werden können". So profitieren beispielsweise nicht nur Menschen mit Hörbehinderungen von Räumen mit guter Akustik, leistungsstarken Lautsprechern oder verständlichen und gut lesbaren Texten auf Präsentationsfolien. Eine simultane Verschriftlichung von Redebeiträgen (Schriftdolmetschen) trägt insbesondere auf internationalen Konferenzen dazu bei, dass zum Beispiel englischsprachige Vorträge aus verschiedenen Weltregionen von allen Teilnehmer_innen besser verstanden werden. Leider wies die Kongresshalle in Wrocław, die Hala Stulecia (Jahrhunderthalle), zahlreiche Zugangsbarrieren auf. Die LSN-Sektion empfahl deshalb der IFLA, bei der Auswahl zukünftiger Veranstaltungsorte die Prinzipien des Universellen Designs selbst stärker zu berücksichtigen.

Zugang zu Informationen und Teilhabe für wohnungslose Menschen

Während der Konferenz wurde bekannt gegeben, dass die vom LSN-Ausschuss erarbeiteten Richtlinien für Bibliotheksangebote für wohnungslose Menschen demnächst als neuer IFLA-Standard veröffentlicht werden. Die englische Fassung wird auf der IFLA-Website abrufbar sein, Übersetzungen in andere Sprachen sind geplant. Die Richtlinien betonen, dass die Rechte von wohnungslosen Menschen auf Zugang zu Informationen und Teilhabe am kulturellen Leben von allen Bibliotheken respektiert und gewährleistet werden müssen. Beide Rechte sind unverzichtbar für die Ausübung anderer Rechte. Bibliotheken können damit einen wichtigen Beitrag zur sozialen (Re-)Integration von wohnungslosen Menschen leisten. Weitere gesellschaftspolitische Themen auf der Konferenz waren zum Beispiel die Zusammenarbeit von Bibliotheken mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, der Einsatz für Demokratie und Meinungsfreiheit, die Rechte indigener Völker, HIV-/AIDS-Aufklärung für gehörlose, schwule Männer oder der Umgang mit "Fake News". Ein Info-Poster "Fake News erkennen" (PDF, 406 KB) ist auch in deutscher Sprache verfügbar.

"I love everything what is connected with national cultures but I deeply hate everything what is connected with nationalism!"

"Ich liebe alles was mit nationalen Kulturen verbunden ist, aber ich hasse zutiefst alles was mit Nationalismus verbunden ist!" Für dieses politische Statement erhielt Rafal Dutkiewicz, der Oberbürgermeister von Wrocław, stürmischen Applaus auf der Abschlussveranstaltung der Konferenz. Auch 2018 wird sich der Weltkongress unter dem Motto "Transform Libraries, Transform Societies" wieder mit der gesellschaftlichen Rolle von Bibliotheken beschäftigen. Konferenzort ist dann Kuala Lumpur, Malaysia.

Anne Sieberns, Leiterin der Bibliothek des Instituts, ist seit 2013 Mitglied im Ständigen Ausschuss der Sektion "Library Services for People with Special Needs". Ihre 2. Amtszeit (2017-2021) begann mit der Konferenz in Wrocław. (as)

Weitere Informationen:
Website IFLA World Library and Information Congress 2017

Development and Access to Information 2017 (DA2I)

Deutschsprachige Kurzfassung des IFLA-Jahresberichts (PDF, 67 KB)